Ausblick 2016

Ausblick 2016: Globale Aktien

Der gesamtwirtschaftliche Hintergrund scheint weiterhin unsicher. Wer sich jedoch auf unternehmensspezifische Faktoren konzentriert, kann überraschende Gewinnpotenzial nutzen: Alex Tedder zeigt aussichtsreiche Wege für das Jahr 2016.

08.12.2015

Alex Tedder

Alex Tedder

Head of Global Equities

  • Das globale makroökonomische Umfeld ist kurz vor dem Übergang ins neue Jahr hochgradig unsicher. Unser Ansatz bleibt unverändert: Wir konzentrieren uns auf unternehmensspezifische Renditetreiber und suchen nach unerwartetem Gewinnwachstum.
  • Die Technologie entwickelt sich schneller als je zuvor – und verändert verschiedenste Branchen massiv. Dadurch ergeben sich neben zahlreichen Anlagemöglichkeiten auch ernste Probleme in traditionellen Wirtschaftsbereichen.
  • Wir bevorzugen generell Dienstleister gegenüber produzierenden Unternehmen. Gründe dafür sind flexiblere Preisfestsetzungsmöglichkeiten und stärkeres Wachstum.
  • Können Unternehmen ihre Kosten senken und die Bilanz stärken, zahlt sich dies 2016 aus: speziell in sehr wettbewerbsintensiven Branchen mit Überkapazität.

Die Rahmenbedingungen für Aktien sind insgesamt herausfordernd. Außerdem erscheint das makroökonomische Umfeld hochgradig unsicher. Die extrem lockere Geldpolitik von Zentralbanken auf der ganzen Welt schlägt sich in niedrigen Zinssätzen nieder und treibt die Preise vieler Vermögenswerte künstlich in die Höhe. Steigen die Zinsen wieder an, erwachsen potenzielle Gefahren. Signifikante Währungsverzerrung, niedrige Rohstoffpreise, Konjunkturschwäche in China und uneinheitliche Wirtschaftszahlen in Europa und den USA: All dies verstärkt die Unsicherheit zusätzlich. Für Aktien macht sich das in geringeren absoluten Renditen und höherer Volatilität bemerkbar.

Daher sollten Anleger genau hinschauen – und sich auf Unternehmen konzentrieren, die trotz unsicherer Wirtschaftslage unerwartetes Wachstum erzielen können. Wir sehen hier eine Reihe unterschiedlicher Dynamiken, die 2016 den Markt überraschen könnten.

Disruptive Technologien kurbeln schnelles Wachstum an

Die Technologie entwickelt sich schneller als je zuvor. Und neue Geschäftsmodelle nutzen die verstärkte Konnektivität gezielt aus. Dies könnte in verschiedenen Bereichen die industrielle Dynamik auf den Kopf stellen. Amazon, Google, Facebook, Alibaba oder Tencent gehören in ihren Märkten zu den ersten Namen. Bei Umsatz und Marktkapitalisierung zählen diese Unternehmen schon heute zu den größten der Welt.

Doch die Zahl der Branchen, die vor großen Umwälzungen steht, nimmt rapide zu – und geht mittlerweile weit über die unmittelbar betroffenen Branchen E-Commerce, Social Media und Mobilgeräte hinaus.

Disruptive Technologien erschüttern traditionelle Industriebereiche:

  • die Automobilbranche (Tesla, Uber)
  • den Bekleidungs- und Lebensmittelhandel (Yoox, Zalando, Just Eat, GrubHub)
  • den Tourismus und die Hotellerie (Priceline, Expedia, TripAdvisor, Airbnb)
  • die Personalsuche (LinkedIn).

Auch der Gesundheitssektor und die Banken erleben große Umwälzungen. Unser Fokus liegt auf der Suche nach Möglichkeiten, die der Markt bisher übersehen hat. Außerdem suchen wir nach unterbewerteten Unternehmen mit durchschlagendem Vorreiterpotenzial.

Servicefirmen wegen ihrer Preissetzungsmacht bevorzugt

Anhaltender Deflationsdruck dürfte 2016 die weltweite Konjunkturlage prägen. Schon jetzt spürt man einen Mangel an Preissetzungsmacht bei Handelswaren. Denn hier sorgen Wettbewerbsdruck und Überkapazität für eine schwierige Preislandschaft. Im Gegensatz dazu hat sich der Dienstleistungssektor die Kontrolle über seine Preise bewahrt, da es in vielen Bereichen an Handelbarkeit mangelt. Die Divergenz zwischen Deflation im verarbeitenden Gewerbe und Inflation bei Dienstleistungen lässt uns natürlich auf dem Weg in das neue Jahr in unseren Portfolios zu Dienstleistern tendieren.

Einige interessante Möglichkeiten bieten uns immer noch die Produktionsunternehmen mit einem hohen Anteil an regelmäßigem, margenstarkem Umsatz: etwa unter Wartungsdienstleistern und Lieferanten für Ersatzteile. Solche Unternehmen dürften sich gegenüber einem Rückgang der Kapitalinvestitionen als resistenter erweisen. Das gilt besonders für Branchen, die in den vergangenen zehn Jahren vom Investitionsboom in China profitiert haben.

Gewinne sichern durch „Selbsthilfe“

Unternehmen in problematischen Bereichen wie Industrie, Energie und Bergbau leiten Schritte ein, um ihre Gewinne zu stützen: Auch dies lässt sich ganz klar erkennen und dürfte für 2016 ein wichtiger Aspekt sein. Es ist ein zunehmender Trend zur „Selbsthilfe“ zu beobachten. Denn die Unternehmen versuchen, Kosten zu sparen und ihre Bilanzen zu stärken. Damit wollen sie sich anders aufstellen, um der unsicheren Lage bei Nachfrage und Preisen gewachsen zu sein. So reagierten etwa der Rohstoffkonzern BHP Billiton und der Öl- und Gasriese Royal Dutch Shell mit erheblichen Kostensenkungen und einer Kürzung ihrer Investitionsausgaben auf den drastischen Preis- und Gewinnverfall im Rohstoffsektor.

Bei Industriegütern belastete das Zusammenspiel aus nachlassendem Wirtschaftswachstum und hohem Bestandsüberschuss die Gewinne erheblich. Mittlerweile haben die Bestände jedoch ein Niveau erreicht, auf dem selbst eine bescheiden steigende Endnachfrage die Rentabilität verbessern dürfte. Firmen, die ihre Kosten senken konnten, dürften selbst bei einer geringen Umsatzverbesserung einen deutlichen operativen Leverage aufweisen. Bleiben Unternehmen bei der Kostenkontrolle hinter der Entwicklung zurück, dürften sie wahrscheinlich abgewertet werden.

Fokus auf Innovation

Unabhängig von der Branche konzentrieren wir uns 2016 weiter auf Innovation als treibende Kraft für die Renditen. Dabei liegt unser Schwerpunkt auf Firmen, die sich um neue, interessante und nachhaltige Wege zum Ausbau ihrer Geschäfte bemühen – Unternehmen, die jedoch in dieser Hinsicht vom Markt noch nicht die volle Anerkennung bekommen haben.

Im Pharmabereich untersuchen die Unternehmen viel detaillierter, wie Erkrankungen genau verlaufen. Mit diesem Wissen entwickeln sie kontinuierlich wirksamere Medikamente – und verlängern damit das Leben der Patienten. Trotz immer höherer gesetzlicher Auflagen dürfte dieser Sektor unserer Ansicht nach bei medizinische Innovationen auch künftig die Preise bestimmen können.

Ein weiteres Beispiel ist die Nahrungsmittel- und Getränkebranche. Möchten Unternehmen in einer äußerst wettbewerbsintensiven Branche nicht die Preiskontrolle verlieren, müssen sie ihre Produkte und Dienstleistungen von der Masse abheben. Ein Beispiel ist Starbucks: Die Unternehmensleitung sucht stets nach innovativen Möglichkeiten, um das Erlebnis für den Kunden zu verbessern (etwa indem man mobile Bezahlsysteme eingeführt hat). So soll die Besucherzahl gewahrt und der durchschnittliche Konsum in den Filialen gesteigert werden.

Auf der Suche nach Gewinnüberraschungen

Wie schon gezeigt, bleibt das wirtschaftliche Umfeld weiter hochgradig unsicher. Und es ist schwer vorauszusagen, wie sich die Weltwirtschaft, die Märkte, Rohstoffe oder Währungen 2016 entwickeln werden. Wir halten es daher für den besten Ansatz, uns auf Entwicklungen auf Unternehmensebene zu konzentrieren, um einzelne Unternehmen zu ermitteln, die beim Gewinn überraschen und eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erzielen können – trotz des unsicheren und schwierigen Umfelds.

 

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Alex Tedder und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.