Märkte

Auf Renditesuche: Darum überzeugen asiatische Dividenden

Obwohl eine Zinserhöhung durch die US-Notenbank vor der Tür steht, sehen wir auch künftig viele gute Gründe für Anlagen in asiatische Dividendentitel.

04.08.2015

  • Asiatische Aktien bieten eine attraktive langfristige Dividende
  • Asiatische Dividendenrenditen haben in etwa das Niveau wie vor der Krise erreicht
  • Zinsrisiko für Renditen in defensiven Sektoren
  • Ausgewählte Nicht-Basiskonsumgüter, Telekommunikations- und Energietitel sind Favoriten

Die unerzählte Geschichte asiatischer Dividenden

Im aktuellen Investitionsklima erwarten viele Anleger womöglich schon im September eine Zinsankündigung der US-Notenbank (Fed) – und genau das könnte nach Ansicht vieler Beobachter Dividendentitel weniger attraktiv machen.

Bei dieser Einschätzung bleibt allerdings die Erfolgsgeschichte langfristiger Dividenden in einem anderen Teil der Welt außen vor – in Asien. Die langfristigen Gründe für Investments in Asien sind wohlbekannt:

  • Günstige demografische Entwicklung
  • Höhere Urbanisierung
  • Steigende Investitionen in Infrastruktur
  • Wachsende konsumorientierte Mittelklasse

All diese Faktoren tragen zum starken langfristigen Wachstum der Region bei Die Fakten hinter dem anhaltenden Kapitalwachstum asiatischer Aktien sind allgemein bekannt – das gilt jedoch nicht für Dividenden.   

Erträge bedeuten Attraktivität    

Trotz der potenziellen US-Zinserhöhung spricht weiterhin viel für langfristige Investments in asiatische Dividendentitel.    

Zunächst korrelieren asiatische Dividendenerträge stark mit dem Wirtschaftswachstum und machen über drei Fünftel der langfristigen Aktienerträge aus (der übrige Teil entfällt auf das Kapitalwachstum).    

Für aktive Manager spricht ein weiterer Aspekt dafür, dass sich in Asien Erträge erzielen lassen: Nämlich wenn man den Anteil an Aktien mit höherer Rendite (+4 %) ins Verhältnis zu ihrer globalen Marktkapitalisierungsgewichtung bringt (siehe unten).    

                       

Je besser die Unternehmensführung, desto höher sind in asiatischen Ländern die Ausschüttungsquoten: Unternehmen mit starker Governance (etwa in Hongkong oder Singapur) schaffen offenbar langfristig Wert für die Anleger. Hier bleibt etwa Korea zurück, dessen Wirtschaft durch die Jaebeols geprägt ist: Diese in Familienhand befindlichen Großkonzerne schütten deutlich weniger aus.    

Trotz des Drucks auf die Renditen an den Anleihe- und Geldmärkten verharren die Aktienrenditen bei ihrem Zehn-Jahres-Durchschnitt von vor der Finanzkrise, obwohl sie potenzielles Dividendenwachstum bieten.    

 

Zinsrisiko    

Zwar steht die Zinserhöhung der Fed im Fokus der Märkte – wesentlich wichtiger ist allerdings die Frage, wie schnell sich die Zinsen nach dem 

Wir schätzen, dass die Zinsen eher langsam steigen werden: Dadurch dürfte der Übergang zu normalen Werten für ertragsgenerierende Aktien besser zu verkraften sein.    

Einige Aktien der defensiveren Sektoren (etwa Basiskonsumgüter, Versorger oder Gesundheit) sind in einem Umfeld steigender Zinsen einem höheren Risiko ausgesetzt – denn viele Titel erscheinen gegenüber dem übrigen Markt als relativ fair bewertet.    

Asiatischer Kontext

Die Renditen der asiatischen Aktienmärkte lagen hinter den globalen Märkten zurück – obwohl die asiatischen Unternehmen ein weitgehend ähnliches Gewinnprofil wie ihre globalen Pendants aufweisen.    

In anderen Märkten sind die Bewertungen gestiegen, in Asien ist das noch nicht der Fall.    

Die Situation in China    

Die Stimmung ist wegen der Abschwächung in China teilweise weiter relativ schlecht.    

Für Produzenten bestehen die deflationären Kräfte in China fort und werden durch das hohe Währungsniveau noch verschärft.    

Die chinesischen Unternehmensgewinne bleiben unter Druck, und wir bezweifeln, dass die Finanzsteuerung zu nachhaltigem Wachstum führen wird.    

Zudem bremsen strukturelle Probleme wie Schulden und die eklatanten Überkapazitäten des Systems nach wie vor das Wachstum.

Dieses Umfeld hat uns ganz klar große Teile des Marktes meiden lassen, einschließlich chinesischer Finanztitel und hier vor allem Banken.

Wir bevorzugen ausgewählte Nicht-Basiskonsumgüter, Telekommunikations- und Energieunternehmen.

Fallende Rohstoffpreise    

Auch die aktuellen Ölpreise von rund 50 US-Dollar pro Barrel sprechen Asien, denn viele Länder sind bedeutende Netto-Importeure.    

Vor allem Indien oder Indonesien können profitieren, denn hier hatten ineffiziente Kraftstoffsubventionen zuvor zu hohen Leistungsbilanzdefiziten geführt.    

Sinkende Rohstoffpreise dürften der Region sowohl aus makro- als auch aus mikroökonomischer Sicht über fallende Inputkosten und bessere Kaufkraft der Verbraucher zugutekommen.

Es gab bislang relativ wenig Anzeichen, dass sich die Binnenkonjunktur verbessern würde – zumal auch die gelpolitischen Rahmenbedingungen weiter relativ straff geblieben sind: Schließlich bereiten sich die Volkswirtschaften auf eine mögliche Zinserhöhung im September wappnen.    

Allerdings ist die Lage momentan nicht so wie beim Taper Tantrum von 2013: Als damals die Fed angekündigt hatte, ihr Anleihenkaufprogramm zurückzufahren, führte dies zu starken Turbulenzen. Heute sind die Volkswirtschaften der Region besser aufgestellt und können dank ihrer verbesserten Außenwirtschaftsbilanz der Volatilität besser standhalten.    

In Ländern wie Indien und Indonesien sind die Leistungsbilanzdefizite gesunken und der Großteil der Unternehmensschulden lautet auf die jeweilige Landeswährung. Somit unterscheidet sich die Lage grundsätzlich von der asiatischen Finanzkrise 1997. Damals brachen asiatische Unternehmen unter ihren Schulden auf US-Dollar zusammen; denn durch erhebliche Leistungsbilanzdefizite hatten die Währungen abgewertet und die Schulden in astronomische Höhen getrieben.

Diesmal können Regierungen und Entscheidungsträger besser auf Währungsschwankungen und Ausgaben reagieren. Zudem erwarten heute wesentlich mehr Marktteilnehmer eine Zinserhöhung als 2013 – denn die Ankündigung, dass die Anleihekäufe zurückgefahren werden, erschütterten die Märkte (Taper Tantrum).

Global gesehen war die Exportnachfrage aus Asien im Vergleich zu vorherigen Zyklen verhalten. Wenn das globale Wachstum anzieht, dürfte dies jedoch die Gewinne asiatischer Unternehmen stützen, da die Region nach wie vor das Fertigungszentrum der Welt ist.

Alles in allem bleiben die Bewertungen der asiatischen Märkte weiter hinter der übrigen Welt zurück, was die vergleichsweise niedrigen Wachstumserwartungen für die Region verdeutlicht.

Langfristige Erträge

Anleger sollten eines nicht vergessen: Unternehmen, die für ihre Aktionäre Wert schaffen, verfolgen gewöhnlich eine aktionärsfreundliche Renditepolitik – die sich oft in attraktiven Dividenden zeigt.

In Asien ist das langfristige Bild für Anlagen in der Region insgesamt unverändert stark.

In einem Umfeld mit dauerhaft niedrigen Zinsen und Inflationsraten (die in vielen Industriestaaten an der Schwelle zur Deflation stehen), bieten dividendenstarke Papiere relativ attraktive Ertragsströme und das Potenzial für langfristigen Kapitalzuwachs.

Wir bleiben wie immer bei unserer emittentenspezifischen Sicht (Bottom-up-Ansatz) und suchen weiterhin nach attraktiven Unternehmen, die starke Erträge und die Aussicht auf Kapitalwachstum bieten.