Märkte

Stützungsmaßnahmen in China werden die Stimmung verbessern, das Wachstum jedoch noch nicht steigern

Die chinesische Zentralbank (PBoC) senkte heute den Leitzins und den Mindestreservesatz. Dies dürfte zwar die Marktstimmung verbessern, wir glauben allerdings nicht, dass somit auch das Wachstum wieder erstarkt.

25.08.2015

Craig Botham

Craig Botham

Schwellenländervolkswirt

  • Die PBoC senkte die Zinsen um 25 Basispunkte (Bp.)
  • Der Mindestreservesatz liegt um 50 Bp. niedriger
  • Diese Maßnahmen stützen die Liquidität und die Kreditvergabe.
  • Ein Erstarken der chinesischen Wirtschaft schließen wir jedoch aus.

Liquiditätsengpässe überwunden

Die Impulse zur Stützung folgen auf einen mehrere Tage anhaltenden Kursverfall an den Aktienmärkten. Wir sehen allerdings nicht, dass es im Sinne der PBoC sein könnte, diese Blase erneut anzuheizen.

Ein solch massiver Rückgang an den Börsen dürfte die Marktstimmung belasten – besonders wegen des ohnehin schwachen Wirtschaftsumfelds: Schließlich fiel der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in der vergangenen Woche deutlich schwächer als erwartet aus.

Zudem führte eine neue Wechselkurspolitik zur Abwertung des Renminbi – hieraus resultierten widerum Mittelabflüssen, sodass die Liquidität sank und die Bedingungen an den Finanzmärkten restriktiver wurden.

Zusätzlich zu den aktuellen Anpassungen wurde auch der Mindestreservesatz gesenkt; damit ließen sich die Liquiditätsengpässe überwinden und die Kreditvergabe stützen. Außerdem sinken mit den Zinsen auch die Finanzierungskosten für bestehende Kreditnehmer; das kommt vor allem Privathaushalten und Staatsbetrieben zugute.

Ob diese Maßnahmen zu einer Erholung des Wachstums führen?

Das bezweifeln wir:

  • Denn mit dem gesunkenen Mindestreservesatz lassen sich vermutlich nur die Liquiditätsverluste ausgeglichen.
  • Zwar wirkt die Zinssenkung unterstützend, sie wird jedoch wahrscheinlich eher Zahlungsausfälle verhindern und weniger die Investitionstätigkeit beleben. Schließlich hat die Wirtschaft mit Deflation, Überkapazitäten und hoher Verschuldung zu kämpfen.

Außerdem haben die Zinssenkungen zuvor kaum die Kreditkosten für neue Kreditnehmer verringern können. Grund dafür ist, dass die Zinsmargen der Banken durch eine Asymmetrie zwischen den Einlagenzinssätzen und den Kreditzinsen unter Druck geraten sind.

Die Einlagenzinsen freizugeben, konnte hier für Entlastung sorgen; doch viele Banken versuchen noch immer, ihre Margenverluste auszugleichen: Denn sie müssen zwingend am Programm zur Umschuldung der chinesischen Kommunalhaushalte teilnehmen.

Kurz gesagt: Insgesamt dürfte sich die Marktstimmung verbessern, wir glauben allerdings nicht, dass somit auch das Wachstum wieder erstarkt.