Märkte

Wachstum in der Eurozone enttäuscht, doch bleibt weiter stabil

Obwohl sich die Konjunktur der Eurozone im zweiten Quartal abschwächte, gehen wir für die zweite Jahreshälfte weiterhin von einer Beschleunigung aus: Dies führen wir auf die anhaltend schwachen Ölpreise und die dadurch höhere Kaufkraft der Haushalte zurück.

14.08.2015

Azad Zangana

Azad Zangana

Volkswirt

  • Wirtschaftswachstum in der Eurozone langsamer
  • Das BIP des zweiten Quartals verlangsamte sich auf 0,3 %, zu Jahresbeginn hatte es noch bei 0,4 % gelegen
  • Das Wachstum in Deutschland verfehlt die Prognosen geringfügig
  • Frankreich mit der größten Enttäuschung

Abgeschwächte Konjunktur in Deutschland

Das verlangsamte Wachstum sorgt für etwas Enttäuschung auf den Märkten. Hier lag die allgemeine Einschätzung bei einem Wachstum von 0,4 %. Betrachtet man die Zahlen vor dem Hintergrund der Griechenland-Krise, zeigt sich eine solide und kontinuierliche Erholung.

Für Deutschland schätze man allgemein ein BIP-Wachstum von 0,5 %: Somit verfehlte die tatsächliche Wachstumsrate von 0,4 % die Prognosen nur geringfügig.

Die Industrieproduktion hatte auf ein wesentlich geringeres Wachstum hingedeutet; beflügelt durch sprunghaft gestiegene Einzelhandelsumsätze konnte der Dienstleistungssektor zu insgesamt konstantem Wachstum beitragen.

Die größte Enttäuschung kam aus Frankreich, denn die Belebung des ersten Quartals war nicht von Dauer.

Investitionsschwäche in Frankreich

Die französische Wirtschaft stagnierte in den drei Monaten bis Juni, während im ersten Quartal noch ein Wachstum von 0,7 % verzeichnet worden war (von 0,6 % nach oben korrigiert).

Ein beschleunigtes Exportwachstum konnte die stark rückläufige Binnennachfrage auffangen. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte stiegen zuletzt an, allerdings wesentlich langsamer als im vergangenen Jahr.

Die größte Enttäuschung aus Frankreich ist allerdings die unverändert anhaltende Investitionsschwäche: Seit sechs Quartalen ist kein Wachstum zu verzeichnen.

Italien enttäuscht

Auch Italien blieb schwach und verfehlte mit lediglich 0,2 % die Wachstumsprognose von 0,3 %. Im ersten Quartal hatte das Wachstum bei 0,3 % gelegen.

Die Industrieproduktion schnitt im zweiten Quartal parallel zum Einzelhandelsumsatz verhältnismäßig gut ab.

Die italienische Wirtschaft hat immer noch mit den starren Strukturen des Binnenmarktes zu kämpfen, während das internationale Umfeld zunehmend wettbewerbsorientierter ist.

In Spanien wurden kürzlich die vorläufigen Wachstumsschätzungen veröffentlicht; das Land verbuchte mit einem Wachstum von 1 % ein weiteres starkes Quartal (mittlerweile ein Plus von 3,1 % im Jahresvergleich).

Neben Spanien übertraf auch Griechenland die Erwartungen. Der krisengeschüttelte Staat erzielte eine extrem erstaunliche Wachstumsrate von 0,8 %.

Nach Einführung der Kapitalverkehrskontrollen war allgemein mit einem drastischen Aktivitätseinbruch gerechnet worden. Allerdings könnten die negativen Folgen noch im dritten Quartal deutlich spürbar werden.

Portugal erzielte mit 0,4 % Wachstum ein weiteres gutes Quartal – und die Prognose bleibt unverändert für das dritte Quartal.

Belebung in der zweiten Jahreshälfte

Für das zweite Halbjahr erwarten wir eine leichte Beschleunigung, denn die sinkenden Energiepreise dürften sich positiv auf die Kaufkraft der Haushalte auswirken.

China führt die Sorgen um das Wachstum in den Schwellenländern an, was in Deutschland, den Niederlanden und Österreich das Investitionsklima belasten könnte. Diese drei Märkte hatten im zweiten Quartal enttäuschende Zahlen geliefert.

Wir erwarten jedoch, dass für das restliche Jahr ein stärkeres Wachstum in den USA die Schwäche der Schwellenländer wettmachen wird.

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