Marktausblick

Monatlicher Marktausblick August 2015

Wir haben unsere Prognose aktualisiert: die Industriestaaten dürften sich besser entwickeln als die Schwellenländer.

20.08.2015

Azad Zangana

Azad Zangana

Volkswirt

Craig Botham

Craig Botham

Schwellenländervolkswirt

Keith Wade

Keith Wade

Chefvolkswirt

Unsere Erwartungen an das globale Wachstum für 2015 haben wir nach unten korrigiert, zugleich auch die Prognosen zur Inflation in den Industrieländern herabgesetzt. Für das kommende Jahr gehen wir nach wie vor von einem moderaten Anstieg aus: Die Weltwirtschaft  reagiert auf niedrigere Ölpreise, eine gelockerte Finanzpolitik und eine Stabilisierung in den Schwellenländern.

Unsere Vorhersage für das Wachstum in der Eurozone haben wir für 2015 geringfügig nach unten und für 2016 leicht nach oben korrigiert. Die wichtigste Veränderung in der Region: Die gesunkenen Ölpreise dürften für eine vermutlich niedrigere Inflation sorgen.

Großbritannien entwickelt sich auch weiterhin gut, sodass wir unsere Prognosen nach oben korrigiert haben. Der Verfall der Energiepreise wird die Inflation über längere Zeit niedrig halten: Deshalb nehmen wir an, dass sich die erste Zinserhöhung der Bank of England (BoE) hinauszögern wird.

In den vier BRIC-Staaten zeichnet sich eine Abschwächung ab, weil innenpolitische Bedenken und fallende Rohstoffpreise ihre Spuren hinterlassen. Zwar sieht die Lage für 2016 etwas besser aus, größtenteils sind die Aussichten jedoch weiterhin eingetrübt.

Kräftiger Dollar, billiges Öl: Besser für Industriestaaten als für Schwellenländer

Unsere globale Wachstumsprognose für 2015 haben wir von 2,5 % auf 2,4 % gesenkt: Dies liegt an moderaten Herabstufungen bei Industriestaaten und Schwellenländern. Niedrigere Ölpreise stützen zwar den Konsum der Industriestaaten, belasten allerdings gleichzeitig die Schwellenländer. Denn diese hängen beispielsweise stärker von der Energieproduktion und staatlichen Subventionen ab: Geringere Energiekosten an Haushalte und Unternehmen weiterzugeben, ist hier deutlich weniger effektiv. Wir gehen für 2016 von einem globalen Wachstum von 2,9 % aus. Die G20-Volkswirtschaften profitieren vom Ende der Sparpolitik, und erste Anzeichen für Stabilität in Russland und Brasilien sollten den BRIC-Staaten ein besseres Jahr bescheren (selbst wenn wir für China 2016 eine konjunkturelle Verlangsamung erwarten). 

Auch 2015 dürfte die Inflation niedrig bleiben: Zugleich dürften die Aufwärtskorrekturen in den Schwellenländern die Abwärtskorrekturen der Industriestaaten ausgleichen. Schwache Währungen und die fehlende Weitergabe geringerer Energiekosten sind für die enttäuschende Performance der Schwellenländer verantwortlich. Niedrigeres Wachstum bei gleichzeitig hoher Inflation: Diese Kombination deutet für die Konjunkturaussichten in den Schwellenländern auf einen Wendepunkt hin – in Richtung Stagflation.

Zinsschritt der Fed im September (anschließend aber langsameres Vorgehen)

Die US-Notenbank (Fed) wird die Leitzinsen voraussichtlich im September 2015 erhöhen. Wir erwarten eine Anhebung des Leitzinses auf 0,75 % bis Ende 2015 und auf 2 % bis Ende 2016; zuvor waren wir noch von 1 % und 2,5 % ausgegangen. Wir schätzen, dass die Zinsschritte mit den Pressekonferenzen zusammenfallen werden, also zu jeder zweiten Sitzung erfolgen werden: Dies dürfte der Aufwertung des US-Dollar und dem Rückgang der Rohstoffpreise Rechnung tragen, denn beides wirkt dämpfend auf die kurzfristigen Inflationsaussichten. Die japanische Zentralbank schließt weiterhin nicht aus, ihre quantitative und qualitative Lockerung (QQE) auszuweiten. Inzwischen ist aber wahrscheinlicher, dass sie eher den schwächeren Yen die Wirtschaft stützen lassen wird und von weiteren Lockerungsmaßnahmen absieht. In den folgenden Abschnitten erläutern wir die Prognosen für die Eurozone, für Großbritannien und für China.

Szenarien

Noch immer steht das Risiko einer deflationären Entwicklung mit schwächerem Wachstum und geringer Inflation im Vordergrund – und allgemein gilt eine „harte Landung“ Chinas als die wahrscheinlichste Entwicklung. Die Wahrscheinlichkeit eines reflationären Ergebnisses erscheint geringer, da wir weniger Gewicht auf das Szenario „Fed hinter der Kurve“ legen: Wir halten Verzögerungen durch die Fed vor dem Hintergrund der aktuellen geldpolitischen Aussagen für weniger wahrscheinlich.

Aktualisierung der Prognose für Europa: Im zweiten Gang hängen geblieben

Das Wachstum der Eurozone enttäuschte im zweiten Quartal: Frankreich stagnierte und Deutschland verzeichnete durch die Griechenlandkrise und die höheren politischen Risiken eine rückläufige Binnennachfrage. Italien erholt sich weiterhin nur schleppend. Spanien ist hingegen ein Lichtblick, denn das Land hat erneut die Erwartungen übertroffen.

Bei unseren Prognosen haben wir generell kleinere Veränderungen vorgenommen. In der Eurozone haben wir unsere Vorhersage für das Wachstum für 2015 insgesamt leicht gesenkt und für 2016 leicht nach oben korrigiert. Insgesamt erwarten wir, dass sich in der zweiten Jahreshälfte und im kommenden Jahr das Wachstum beschleunigen wird.

Bei der Inflation haben wir unsere Prognose deutlich gesenkt: Der starke Verfall der globalen Energiepreise dürfte sich in den kommenden Monaten auf die energiepreisbedingte Inflation auswirken. Die Inflationsrate der Eurozone könnte also vor Jahresende wieder unter Null fallen. Allerdings gingen die Energiepreise am Anfang dieses Jahres am stärksten zurück: Damit sollte sich die Inflation im ersten Quartal 2016 wieder erholen. Wir erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) über den kurzfristigen negativen Inflationsschock hinwegsehen wird, zumal das Wachstum robust bleiben dürfte. Die EZB wird – wie aktuell angekündigt – unserer Meinung nach an ihrer quantitativen Lockerung festhalten, bis das Programm im September 2016 ausläuft. Sie dürfte allerdings die Zinssätze bis weit ins Jahr 2017 nicht verändern.

Prognose für Großbritannien: Wachstum nach oben revidiert, Zinserhöhung hinausgeschoben

Sowohl für 2015 als auch für 2016 haben wir die Prognosen für das britische Wachstum nach oben korrigiert. Ein Auslöser dafür sind die rückwirkenden Aufwärtskorrekturen für die zweite Jahreshälfte 2014, denn diese bringen automatisch die eine Erhöhung der jährlichen Wachstumsrate für 2015 mit sich. Ebenfalls positiv wirken sich die allmählich straffere Geldpolitik (wie der Haushaltsplan des Finanzministers nach den Wahlen vermuten lässt) sowie die gesunkenen Energiepreise aus. Letztere werden die Inflation ebenfalls niedrig halten. Sie wird unseren Schätzungen zufolge unter 1 % – dem unteren Ende der BoE-Zielvorgabe – liegen; doch nur solange, bis zu Beginn des Jahres 2016 der anfängliche Rückgang der Energiepreise aus dem Jahresvergleich fällt und die Inflation wieder zunimmt. Vermutlich wird die BoE die Zinsen nicht erhöhen, wenn die Inflationsvorgabe weiter verfehlt wird. Die erste Anhebung der Zinsen dürfte also im Mai 2016 erfolgen (zuvor hatten wir Februar 2016 angenommen).

Aktualisierung der Prognose für die Schwellenländer: Abwärtskorrektur

China: Ein wackeliges Fundament

Chinas BIP-Wachstum erhöhte sich im zweiten Quartal – vor allem durch die Rallye des Aktienmarktes, die zu einer kräftigen Performance im Finanzsektor führte. Für das Restjahr sehen wir eine schwächere Entwicklung der Aktienmärkte im verbleibenden Jahr; dies und die weiterhin schwachen Konjunkturdaten werden zu einer Verlangsamung in der zweiten Jahreshälfte führen. Insgesamt dürfte das Wachstum für 2015 insgesamt unter 7 % liegen. Wir schätzen, dass sich die im Jahresvergleich geringere Wertentwicklung im Finanzsektor auf das Wachstum in der ersten Jahreshälfte 2016 auswirken. Daher nehmen wir an, dass die Regierung ihre Stützungsmaßnahmen ausweiten wird: So erwarten wir eine weitere Senkung des Mindestreservesatzes um 50 Basispunkte (Bp.) in diesem Jahr und um 150 Bp. im kommenden Jahr. Der Mindestreservesatz wird 2016 dann bei 16 % liegen.

Diese Annahme hatten wir bereits getroffen, bevor die chinesische Zentralbank (PBoC) beschloss, das Wechselkurssystem für den Yuan zu ändern – was über Nacht Nacht zu einer Abwertung von 2 % geführt hatte. Dieser Schritt zielt sicher nicht darauf, die Exporteure zu stützen: Die Abwertung von insgesamt 3 % seit der Änderung wird China nicht zu einem Exportboom verhelfen. Weitaus wichtiger ist die wachsende Rolle, die der Markt bei der Wertfeststellung der Währung spielt. Daher betrachten wir diese Reform eher als eine Internationalisierung des Yuan, um ihn in den Währungskorb der Sonderziehungsrechte (SZR) des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufzunehmen[1], als eine Reform zur Wachstumssteigerung.

Brasilien: Ein wahrer Sturm

Zahlreiche Faktoren verschlechtern momentan die Rahmenbedingungen für Brasiliens Wachstum: der andauernde Korruptionsskandal, die drohende Herabstufung des Bonitätsratings, die schwachen Rohstoffpreise und auch die Abwertung der Landeswährung. Aktuell beträgt unsere Wachstumsprognose -2 % für 2015 und -0,1 % für 2016. Der politische Stillstand macht es uns außerdem schwerer, einen Wendepunkt für Brasilien zu erkennen. Daher ist eine mehrjährige Phase mit niedrigem Wachstum möglich.

Indien: Politische Sackgasse bereitet Sorgen

Das Wachstum Indiens haben wir für dieses Jahr geringfügig auf 7,3 % herabgestuft, was auf bisher flaue Daten zurückzuführen ist. Der Reformfortschritt war unserer Meinung nach zudem enttäuschend, denn die Monsun-Sitzung des Parlaments endete, ohne konkret verabschiedete Gesetze. Positiv dagegen wirkte der für indische Verhältnisse geringe Inflationsdruck; wir nehmen an, dass eine weitere Zinssenkung in diesem Jahr bevorsteht (vermutlich um 25 Bp. auf 7 %). Danach dürften die Zinssätze 2016 allerdings unverändert bleiben.

Russland: im Osten nichts Neues

Russlands Wachstum entwickelte sich bisher im Wesentlichen wie erwartet und das BIP nimmt 2015 voraussichtlich um 4,1 % ab. Die Inflation hat sich rasch abgekühlt und die Wirtschaftsaktivität ist quasi zusammengebrochen: Daher wird die russische Zentralbank höchstwahrscheinlich bereitwillig die Zinsen etwas weiter senken. Den Ölpreis wird man weiterhin nicht aus den Augen verlieren. Deshalb gehen wir aktuell von keiner erheblichen geldpolitischen Lockerung aus. Wir schätzen, dass sich das Wachstum im kommenden Jahr auf -0,1 % erholen dürfte. Durch das billige Öl fehlen Investitionen, was das Wachstum noch einige Zeit belasten wird.

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen vom Schroder Investment Managements Economics Team und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.


 

[1] Die SZR sind ein internationales Reservevermögen, das durch den IWF geschaffen wurde. Mitgliedstaaten können damit ihre offiziellen Reserven ergänzen.

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