Ausblick 2016

Ausblick 2016: Globale Hochzinsanleihen

Anhaltende Unruhe und erhöhter Risikoaufschlag: Die Renditen auf Hochzinsanleihen dürften sich 2016 im mittleren einstelligen Bereich bewegen. Wir erwarten jedoch, dass diese Wertentwicklung im Vergleich zu vielen anderen Alternativen im festverzinslichen Bereich durchaus attraktiv sein wird.

27.01.2016

Wesley Sparks

Wesley Sparks

Leiter US Credit Strategies & Lead Manager

Ausblick Hochzinsanleihen: Positive Faktoren

Auch 2016 dürften die Gesamtrenditen bei Hochzinsanleihen1 unter den angebotenen Kupons liegen. Wir erwarten als Basisszenario in diesem Jahr eine Gesamtrendite von 4 bis 5 % für den Index globaler Hochzinsanleihen.2 Für aktive Manager und Anleger dürften die Renditen besser ausfallen: sofern sie in der Lage sind, sich die voraussichtlich anhaltende Divergenz der Renditen unter den Emittenten und Branchen zunutze zu machen.

Positive technische Faktoren könnten einen Marktaufschwung in der ersten Hälfte des Jahres 2016 auslösen: ein geringes Angebot, ein leichter Anstieg der Nachfrage, niedrige Händlerbestände, hohe Barmittel bei Investmentfonds und eine konservativere Positionierung bei den Hochzinsinvestoren nach der Marktkorrektur in der zweiten Hälfte des Jahres 2015. Auch könnten mehrere mögliche positive Katalysatoren einen Stimmungsumschwung bewirken und das Anlageinteresse bei Rentenfonds, Versicherungsunternehmen und Fondsanlegern neu beleben.

Die Ausfallrate wird vermutlich über 2016 hinaus nicht mehr steigen. Damit wird der Markt für Hochzinsanleihen genügend Zeit haben, sich von dem zu erholen, was wir Mitte Dezember 2015 als überverkauftes Niveau eingeschätzt haben.

Der vielleicht wichtigste strategische Handlungsbedarf im Jahr 2016 dreht sich um die Entscheidungen, wann im Energiebereich und in den Schwellenländern aufgestockt werden muss.

In den vergangenen zwei bis drei Monaten haben auf Hochzinstitel spezialisierte Strategen und Anleger ihre Ausfallerwartungen für 2016 erhöht. Es ist schwierig, die implizite Ausfallrate auf Basis der aktuellen Marktbewertungen mit absoluter Präzision einzuschätzen – egal, ob man Renditen oder Spreads für Hochzinsanleihen zugrunde legt. Denn schließlich hat es schon Änderungen bei zwei Variablen gleichzeitig gegeben. Sowohl die Ausfallerwartungen für 2016 als auch der von den Anlegern geforderte Risikoaufschlag sind in den vergangenen Monaten gestiegen.

Tatsächlich ist ein großer Teil der Spreaderweiterung, die in letzter Zeit am Markt für Hochzinsanleihen stattgefunden hat, diesem erhöhten Risikoaufschlag geschuldet.3 Das spiegelt teilweise die Überzeugung der Anleger, sich nur durch einen höheren Risikoaufschlag für Illiquidität zum Investieren verlocken zu lassen. Grund dafür sind Berichte über schlechte und schwindende Liquidität an den Märkten für Unternehmensanleihen.

Steigende Ausfallraten, aber nicht so hoch wie derzeit befürchtet

Die Ausfälle4 dürften 2016 zunehmen, allerdings gegenüber dem derzeit niedrigen Ausfallniveau nur geringfügig. Dabei dürften sich die Ausfälle in einer Handvoll Branchen ballen – vorrangig in den Bereichen Metalle, Bergbau und Energie sowie im Einzelhandel und im Mediensektor. Hier ist der Markt bereits dabei, eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit bei einigen Emittenten einzupreisen. Die Quote notleidender Kredite5 ist nach dem Markteinbruch Ende 2015 gestiegen, wobei der Markt auch hier eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit für einen größeren Indexanteil bereits eingepreist

Wir sind der Meinung, dass der weltweite Markt für Hochzinsanleihen nach der letzten Spreaderweiterung in der zweiten Hälfte des Jahres 20156 relativ kostengünstig ist. Hochzinstitel erscheinen in verschiedener Hinsicht verhältnismäßig billig bewertet:

  • im Verhältnis zu den eigenen Bewertungen des Hochzinsmarktes in früheren ähnlichen Perioden (an ähnlichen Punkten im Kreditzyklus usw.);
  • im Verhältnis zu anderen Anlageklassen: gegenüber Investment-Grade-Unternehmensanleihen für Anleger mit der Risikotoleranz, ein höheres Volatilitätspotenzial hinzunehmen; gegenüber den Schwellenländern; gegenüber Staatsanleihen und gegenüber Barmitteln und Barmitteläquivalenten;
  • im Verhältnis zu den Bewertungen, die von Forecasting-Modellen auf Basis von Fundamentaldaten prognostiziert werden;
  • im Verhältnis zu unserem Gefühl für den Schweregrad möglicher weiterer Verlustrisiken und im Verhältnis zu der Wahrscheinlichkeit positiver Katalysatoren, die die Bewertungen im Laufe des kommenden Jahres verbessern könnten.

Auf wichtige Signale achten, wenn sich die Marktbedingungen 2016 ändern

Statt sich auf eine Prognose für die Gesamtrendite des gesamten Jahres zu fixieren, sollten sich Anleger unserer Ansicht nach lieber auf verschiedene Signale konzentrieren, die Aufschluss darüber geben, ob das Risiko-Gewinn-Verhältnis attraktiv ist oder nicht. 2015 wurde überdeutlich, dass der Markt über Monate hinweg einen Höhenflug erleben kann, der für das Gesamtjahr nicht zu halten ist. Der Markt kann auch überverkauft werden. Die folgenden wichtigen Marktentwicklungen sollten unserer Einschätzung nach im Auge behalten werden:

  • der Rhythmus bei Fusionen und Übernahmen: Wir rechnen damit, dass die Fusions- und Übernahmeaktivität hoch bleibt und dass viele Unternehmen im Hochzinsbereich weiter profitieren werden: nämlich von größeren Emittenten mit besseren Bonitätsbewertungen, die auf der Suche nach Wachstumsmöglichkeiten strategische Übernahmen verfolgen;
  • die Entwicklung der Öl- und Gaspreise: Mit einer Erholung der Ölpreise dürfte erst in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen sein; das legen die aktuellen Zahlen zu Schieferöl und Angebot an Rohöl nahe;
  • das Tempo „gefallener Engel“: Das Tempo, mit dem Investment-Grade-Unternehmen auf Hochzins heruntergestuft werden, dürfte gegenüber den aufsteigenden Sternen zunehmen, besonders in krisengeschüttelten Sektoren. Auch dürften notleidende Kredite und Ausfälle an Fahrt aufnehmen;
  • Geschwindigkeit und Angebotsmischung: Bruttoneuemissionen dürften 2016 etwas geringer ausfallen als 2015 und könnten sich aufteilen zwischen Refinanzierungsaktivitäten und der Finanzierung von Fusionen und Übernahmen mit sehr wenig Raum für die Finanzierung von Firmenaufkäufen mit hohen Kreditmitteln;
  • Nachfrageumkehr: Extreme Flüsse in Investmentfonds können oft gegenteilige Signale darstellen, denn Rücknahmen von Fondsanteilen auf breiter Front gehen häufig mit Marktkorrekturen einher;
  • die Entwicklung der Zinserhöhungen in den USA: Anleger rechnen aktuell für 2016 mit geringeren Zinserhöhungen, als sie die US-Notenbank selbst voraussagt;
  • Änderungen in der regionalen Konjunkturstärke in Nord- und Südamerika, Asien und Europa.

Viele der voraussichtlich dominierenden Themen im Jahr 2016 unterscheiden sich nicht nennenswert von denen im Jahr 2015. Doch der vielleicht wichtigste strategische Handlungsbedarf dreht sich um die Entscheidungen, wann im Energiebereich und in den Schwellenländern aufgestockt werden muss. Denn in beiden Märkten ist die Stimmung zu Jahresbeginn beinahe allgemein negativ, obwohl die Bewertungen Ende 2015 deutliche Rückenstärkung erhielten.

Hochzinsanleihen könnten auch bei Zinserhöhungen durch die Fed gute Renditen einfahren

Die Fed hat den Zinssatz im Dezember um 25 Basispunkte erhöht und damit den ersten Zinsanhebungszyklus seit neun Jahren eingeleitet. Viele Anleger sind der Ansicht, dass die Renditen in festverzinslichen Bereichen in Zeiten der Zinserhöhung durch die Fed negativ sind. Doch eine Analyse der drei jüngsten Zinserhöhungszyklen der Fed zeigt, dass das nicht der Fall ist.

Anleger rechnen aktuell für 2016 mit geringeren Zinserhöhungen, als die US-Notenbank selbst voraussagt.

Tatsächlich geht aus dieser Analyse sogar hervor, dass Hochzinsanleihen über einen Zeitraum von sechs oder zwölf Monaten nach der ersten Zinsanhebung positive Renditen erzielen können.7 Auch können Hochzinstitel andere festverzinsliche Anlageklassen wie Staatsanleihen und bonitätsstarke Unternehmensanleihen überflügeln. Das traf besonders auf den Zinserhöhungszyklus 2004–2006 zu, hat aber allgemein auch Gültigkeit für die Zyklen in den Jahren 1994–95 und 1999–2000.

Unserer Ansicht nach könnten die Renditen für Unternehmensanleihen 2016 besser ausfallen als in letzter Zeit; und auch besser als nach der allgemein negativen Einschätzung, die sich in den vergangenen Monaten entwickelt hat. Während das Jahr mit vielen bekannten Unsicherheiten startet, ist in den Bewertungen von Hochzinsanleihen eine hohe Risikoprämie berücksichtigt. Mehrere Leitsignale, die wir am Markt im Auge behalten werden, könnten sich im weiteren Verlauf des Jahres konstruktiver entwickeln. Fundamentalresearch und aktives Risikomanagement sind angesichts der unruhigen Marktlage entscheidend für einen überdurchschnittlichen Anlageerfolg.


1 Bei Investment-Grade-Anleihen handelt es sich um Anleihen, die von einer Rating-Agentur mit der höchsten Bonität bewertet werden. Um als Investment Grade eingestuft zu sein, muss die Bonität einer Anleihe mit mindestens BBB (Standard & Poor’s) oder Baa3 (Moody’s) bewertet werden. Ein High Yield Bond ist eine spekulative Anleihe mit einer Bonitätseinstufung unterhalb von Investment Grade. Je höher das Ausfallrisiko des Anleiheemittenten, umso größer ist im Allgemeinen der Zins oder Kupon.
2 In Bezug auf den Barclays Global High Yield ex-CMBS ex-EMG 2 % Issuer Capped Bond Index.
3 Der Risikoaufschlag oder die Risikoprämie ist die Zusatzrendite, die sich ein Anleger als Ausgleich für die Investition in eine risikobehaftete Anlage verspricht; ihr Wert könnte also ebenso gut fallen wie steigen. Es gibt einige Risikoprämien, bei denen die erwartete Zusatzrendite über der Rendite eines anderen Risikoaufschlags liegt.
4 Ausfallrisiko: die Gefahr, dass ein Anleiheemittent nicht mehr in der Lage ist, seine Schulden zu zahlen und damit seine vertraglichen Verpflichtung gegenüber den Anlegern zu erfüllen.
5 Ein notleidendes Wertpapier ist eines, das in der Regel zu einem günstigen Preis zum Verkauf angeboten wird, da der Eigentümer zu diesem Verkauf gezwungen ist. Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben wie Konkurs, übermäßige Verschuldung oder gesetzliche Auflagen. Die Verbindlichkeit selbst kann unter Nennwert an einen neuen Eigner verkauft werden (notleidender Kredit).
6 Renditedifferenz zwischen verschiedenen Arten von Anleihen, beispielsweise zwischen Staats- und Unternehmensanleihen.
7 Quelle: Schroders.

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Wesley Sparks und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.