Märkte

Die Bank of Japan überrascht die Märkte – durch Nichtstun

Der geldpolitische Ausschuss der japanischen Notenbank hat bei seiner planmäßigen Sitzung beschlossen, nichts zu unternehmen.

28.04.2016

Nathan Gibbs

Nathan Gibbs

Ein überraschender (Nicht)Schritt

In letzter Zeit waren die Märkte einmütig der Meinung, dass die japanische Zentralbank die im Januar eingeführten Negativzinsen noch ausweiten würde und auch ihrem Kaufprogramm einen weiteren Schub geben würde.

Nun ließ der geldpolitische Ausschuss jedoch durchblicken, dass vor er einer erneuten Ausweitung mehr Zeit braucht, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu beurteilen.


Inflation verlangsamt sich

Die Entscheidung, „nichts“ zu tun, überraschte besonders: Denn die zeitgleich veröffentlichten aktuellsten Inflationszahlen machten auch eine Verlangsamung auf dem Weg zur selbstgesteckten Zielmarke von 2 % deutlich. Mehr noch, der Ausschuss erklärte indirekt, sein Inflationsziel erst gegen Ende 2017 erreichen zu wollen und schob damit den anvisierten Zeitpunkt nach hinten.

Zugeben zu müssen, dass es einfach schwieriger geworden ist, die Zielmarke ohne weitere geldpolitische Maßnahmen zu erreichen, führte zu unmittelbaren Reaktionen an den Aktienmärkten. Diese brachen augenblicklich um 4 % ein, während der Kurs des Yen steil nach oben ging: Die Märkte preisten also unmittelbar die veränderten Rahmenbedingungen gegenüber den vorher herrschenden Erwartungen ein.
Teile der deflationären Wirkung ergeben sich von außen – etwa durch die niedrigen Ölpreise, die einen Großteil der japanischen Einfuhren überhaupt ausmachen. Ein wenig hatten die Märkte diese Entwicklung schon vorweggenommen. Denn in indexgebundene Anleihen etwa lässt sich indirekt die "implizite" Inflation ablesen, die von 0,8 % auf nunmehr 0,3 % sank. Auch legen Umfragen bei Verbrauchern nahe, dass die über die letzten drei Jahre gewachsenen Inflationserwartungen sich mittlerweile abgeschwächt haben.

Widersprüche sorgen für Unsicherheiten

Unabhängig von allen geldpolitischen Maßnahmen sowie von den Zinsniveaus liegt das wahre Problem der Entscheidung in ihrer Widersprüchlichkeit. Mit den Zeitpunkten der Maßnahmen konnte Zentralbankgouverneur Haruhiko Kuroda die Anleger zwar immer wieder überraschen – doch in welche Richtung es gehen würde, war eigentlich bisher immer klar. Viele Anleger hatten sich daher auch mit seinen Vorgaben arrangiert, dass die Bank „was immer nötig“ unternehmen würde, um die Inflationserwartungen zu heben. Mit den gesenkten Inflationserwartungen und dem Stillhalten der Zentralbank hat sich ein widersprüchliches Verhalten etabliert, was wiederum die Märkte negativ auffassen können.

Um unsere Einschätzung versöhnlich zu schließen: Wir sind uns bewusst, dass es Aufgabe der Zentralbank ist, die Realwirtschaft und nicht den Aktienmarkt zu stützen. Klar ist auch: Es wird noch mehr Zeit brauchen, bis wir sehen, ob die aktuelle Politik ausreicht, um die grundsätzlich vorhandenen positiven Trends zu stützen, die wir bisher gesehen haben.