Märkte

Nachlassendes Wachstum in der Eurozone

Die neuesten offiziellen Daten legen nahe: Das Wachstum verlangsamt sich. Ob sich damit eine weitere geldpolitische Lockerung rechtfertigen lässt? Wir meinen nicht.

20.11.2015

Azad Zangana

Azad Zangana

Volkswirt

Auf den Rückgang in der Fertigung und der allgemeinen Industrieproduktion folgte im dritten Quartal ein Nachlassen des realen BIP-Gesamtwachstums der Eurozone. Das BIP fiel von 0,4 % im vorhergehenden Quartal auf 0,3 % in den drei Monaten bis September. Die allgemeinen Erwartungen hatten bei weiteren 0,4 % gelegen.

Unter den Mitgliedsstaaten enttäuschte Deutschland – denn hier ging das Wachstum im Quartalsvergleich ebenfalls von 0,4 % auf 0,3 % zurück. Derzeit sind nur wenige Details dazu bekannt. Das Bundesamt für Statistik meldete jedoch anhaltendes Wachstum beim Verbrauch der privaten Haushalte, genauso wie beim Staatskonsum. Dem stehen allerdings rückläufige Investitionen gegenüber. Auch der Nettohandel trug negativ bei, dies war allerdings hauptsächlich auf steigende Importe als auf rückläufige Exporte zurückzuführen. Unsicherheit über die Wirtschaftslage in China: Hier könnte ein Grund für die rückläufigen Investitionen liegen. Denn der Export von Deutschland nach China ging nachweislich zurück – Ausfuhren in die USA und nach Großbritannien konnten diesen Verlust allerdings mehr als wettmachten.

In Frankreich zog das Wachstum nach einem Stillstand im zweiten Quartal um 0,3 % an. Im Detail zeigen die Daten jedoch, dass die endgültige Nachfrage sehr viel schwächer war als die BIP-Zahl vermuten lässt. Unter Ausschluss der Bestände wäre das BIP in Frankreich um 0,5 % geschrumpft. Dagegen verzeichnete Spanien ein starkes Wachstum von 0,8 % – das sich jedoch gegenüber 1 % im vorhergehenden Quartal leicht abgeschwächt hat. Italien andererseits hat weiter zu kämpfen, denn 0,2 % im Quartalsvergleich bedeuten ebenfalls ein rückläufiges Wachstum.

Unter dem Strich lassen die offiziellen Konjunkturdaten aus Europa zwar auf nachlassende Aktivität schließen; insgesamt steht jedoch eine einigermaßen stabile und solide Erholung im Vordergrund. Es gibt also wenig Grund, beunruhigt zu sein. Erst recht sehen wir keinen ausreichenden Grund, der eine größere Änderung der Geldpolitik rechtfertigen würde. Dennoch scheint EZB-Chef Mario Draghi trotz angemessenen Wachstums und positiver Überraschung bei der Inflation stark daran interessiert zu sein, die Geldpolitik für Europa noch weiter zu lockern. Die Gründe für weitere Geldspritzen sind jedoch schwächer geworden: Nicht zuletzt deshalb, weil die Märkte verstärkt auf die Zinswende der US-Notenbank Fed im Dezember setzen. In dieser Erwartung hat der Euro in letzter Zeit gegenüber dem US-Dollar aufgewertet – was wiederum die EZB auf dem Plan rief, um hier gegenzusteuern.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Azad Zangana, Senior European Economist & Strategist und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.