Marktausblick

Monatlicher Marktausblick Dezember 2015

Rückblick auf 2015 und Themen für 2016

19.01.2016

Azad Zangana

Azad Zangana

Volkswirt

Craig Botham

Craig Botham

Schwellenländervolkswirt

Keith Wade

Keith Wade

Chefvolkswirt

Zusammenfassung

  • 2015 war für viele Anlagen kein gutes Jahr. Nur Staatsanleihen und Geldmarktanlagen erzielten eine positive Rendite. Globale Aktien litten unter einem lustlosen US-Markt und einer katastrophalen Performance in den Schwellenländern. Die Rohstoffmärkte überraschten am meisten und schlossen auch dieses Jahr mit einem überaus deutlichen Minus.
  • Sorgen um eine harte Landung Chinas, einbrechende Rohstoffmärkte und die Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) belasteten Marktstimmung wie Risikobereitschaft. Neben politischen Risiken in Spanien und Portugal nach den Wahlen stand auch der drohende Grexit wieder auf der Tagesordnung. In Brasilien hat der Korruptionsskandal zu einer politischen Lähmung und zur Herabstufung des Länderratings auf Junk-Status geführt.
  • Ein Pluspunkt war die von der Europäischen Zentralbank (EZB) eingeleitete quantitative Lockerung (QE), die den europäischen Märkten zugutegekommen ist. Die japanische Zentralbank (BoJ) setzte ihre Impulse fort, sodass sich japanische Aktien vor allem dank der Abwertung des Yen besser entwickelten als die meisten anderen Märkte. In den Schwellenländern schnitten russische Aktien trotz der sinkenden Ölpreise gut ab.
  • Für 2016 ist mit einem asynchronen globalen Wachstum zu rechnen, außerdem mit einem stärkeren US-Dollar und einer vermuteten Beteiligung Chinas am Abwertungswettlauf. Mit der US-Präsidentschaftswahl und dem Referendum über einen möglichen Brexit bleibt auch die politische Ebene brisant. Da sich zuletzt die Spreads geweitet hatten, war entsprechend ein stärkerer US-Abschwung befürchtet worden. Tatsächlich ist dies eine mögliche Gefahr; jedoch wird der rückläufige Ölpreis (der zum Großteil für die Bewegung am Rentenmarkt verantwortlich ist) auch den Konsum ankurbeln.

Rückblick 2015: Gute Güte: China, das Öl und die Fed

An 2015 wird man sich wahrscheinlich einerseits wegen der trägen Entwicklung der Märkte erinnern. Andererseits wohl für die Ungewissheit durch die Aktivität (und die Passivität) der Zentralbanken. Zu Jahresbeginn brachen die Ölpreise weiter ein. Der Preisverfall drückte die europäische Inflation ins Negative und setzte die EZB unter Zugzwang: Schlussendlich musste sie ihr eigenes quantitatives Lockerungsprogramm einleiten. Die Entscheidung der EZB wiederum veranlasste die Schweizerische Nationalbank, die Koppelung des Franken an den Euro aufzuheben. In Großbritannien überraschten die Konservativen mit einer absoluten Mehrheit bei den Unterhauswahlen.

Im Frühsommer setzte die Volatilität an den Märkten ein, da sich die US-Schiefergasproduzenten gut behaupten konnten: Daraufhin gaben die Rohstoffpreise weiter nach. Griechenlands neue Syriza-Regierung entfachte Sorgen um einen Grexit, die wiederum die Entwicklung europäischer Aktien ausbremste. Der Sommer endete damit, dass Chinas Aktienblase schließlich zerplatzte. Zu diesem Zeitpunkt schien der Welt schlagartig klar zu werden, dass sich Chinas Konjunktur abkühlte. Die Flaute am chinesischen Markt werteten die Investoren (fälschlicherweise) als Vorbote eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs.

Im Herbst griff die Besorgnis um China auch auf andere Schwellenländer über, als die Rohstoffmärkte noch stärker ins Minus rutschten. Die Fed entschied sich im September gegen einen Zinsschritt. Als der Winter näher rückte, ebbte die Angst vor einer harten Landung in China jedoch ab. Die EZB verlängerte ihre Wertpapierkäufe bis 2017, ohne jedoch den monatlichen Betrag zu erhöhen. In den USA nahm Janet Yellen im Dezember die erste Zinserhöhung seit neun Jahren vor. In Brasilien zeichnete sich im Laufe des Jahres eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit ab; am Ende erkannte Fitch dem Land den Investment-Grade-Status ab. Derweil stellte Chinas Zentralbank einen neuen handelsgewichteten Wechselkursindex vor, der als Maßstab für den Markt besser geeignet sei als der bilaterale USD/CNY-Wechselkurs. Dies bestärkte unsere Prognose einer schrittweisen Abwertung.

Performance-Vergleich verschiedener Anlageklassen

Die beiden einzigen großen Anlageklassen mit positiver absoluter Rendite waren Anleihen und Geldmarktanlagen. Das Schlusslicht unter den breiten Anlageklassen bildeten das dritte Jahr in Folge die Rohstoffe. Dazu trug vor allem der Rückgang der Energiepreise bei. Sowohl globale Investment-Grade-Anleihen als auch Hochzinspapiere beendeten das Jahr im Mittelfeld (Anleihen von höchster Bonität werden von einer Rating-Agentur mit Investment Grade bewertet, während Hochzinsanleihen einen spekulativeren Charakter haben und ein Bonitätsrating unterhalb von Investment Grade erhalten). Für US-Hochzinsanleihen war es ein sehr schwieriges Jahr, da die Produzenten von Schieferöl und Schiefergas sehr stark in dieser Anlageklasse vertreten sind. Der MSCI World Index fuhr in der ersten Jahreshälfte passable einstellige Renditen ein; diese brachen jedoch massiv ein, als die Angst vor einer harten Landung in China eskalierte. Der italienische FTSE MIB Index schnitt von allen großen Aktienmärkten in Lokalwährung am besten ab, fiel in US-Dollar jedoch hinter den japanischen Nikkei 225 zurück.

Erkenntnisse des Jahres 2015

Im Rückblick auf die Ereignisse und die Entwicklung der Märkte im vergangenen Jahr haben wir einige Erkenntnisse gewonnen, die 2016 berücksichtigt werden sollten:

  1. Die Ölproduzenten behaupten sich besser als zunächst befürchtet.
  2. Griechenland kann sich abkehren, aber niemals austreten – trotz aller politischer Turbulenzen war Griechenland gezwungen, das ursprünglich angebotene Rettungspaket anzunehmen.
  3. Die Gerüchte über Chinas Marktreformen sind stark übertrieben – 2015 war ein Jahr, in dem die chinesische Regierung ungewöhnlich stark in die Märkte, die Währung und die Gesamtwirtschaft eingriff.
  4. Auch „Super-Mario“ Draghi hat seine Grenzen – zum Jahresende 2015 werden es die Investoren dem EZB-Präsidenten übel genommen haben, dass er ihre hohen Erwartungen an eine weitere geldpolitische Lockerung nicht erfüllt hat.
  5. Die US-Zinsen können steigen, ohne dass an den Märkten gleich die Welt untergeht.

Themen für 2016

Themen 2015: Jahresabschlussbericht

Die Themen des Jahres 2015 entwickelten sich mit unterschiedlichem Erfolg. Ein „disinflationärer Boom“ blieb aus: Denn obwohl die Inflation durch den Rückgang der Energiekosten sank, führte dies nicht zu einem stärkeren Wachstum. Das Thema des „asynchronen Zyklus“ setzte sich fort, als die Fed ihren Leitzins schließlich anhob, während die EZB und die chinesische Notenbank eine weitere Lockerung vornahmen. Unter dem Strich führte dies natürlich zu einem deutlichen Kursanstieg des US-Dollar. Unser drittes Thema („Japan: Sieger des Währungskriegs“) hatte einen mäßigen Erfolg. Aus makroökonomischer Sicht zahlte es sich nicht wirklich aus. Die starke Performance am Aktienmarkt deutet jedoch darauf hin, dass sich die Unternehmen die Abwertung des Yen nutzten, um ihre Gewinnmargen zu steigern. Unser Thema „Zurück in die 1990er“ – wonach der starke US-Dollar die Schwellenländer unter Druck setzt und die Fed zu einer weiterhin lockeren Geldpolitik zwingt – hat sich dagegen bewahrheitet.

US-Dollar: bei Gerüchten kaufen, bei Fakten verkaufen?

Einige dieser Themen werden sich 2016 fortsetzen. Der asynchrone Zyklus wird anhalten. Denn es sind weitere Zinserhöhungen der Fed zu erwarten, während anderswo nach wie vor eine lockere oder noch expansivere Geldpolitik verfolgt wird. Es bleibt bei unserem zentralen Szenario, dass der US-Dollar von dem Zinsgefälle zugunsten der USA profitiert, vor allem gegenüber dem Euro. Hinzu kommt das potenzielle neue Wechselkurssystem in China, das dem US-Dollar ebenfalls zugutekommen dürfte. Sollte der Yuan (CNY) an einen handelsgewichteten Währungskorb gekoppelt werden, wird die Stärke des USD gegenüber Hartwährungen wie dem EUR oder JPY durch eine Aufwertung gegenüber dem CNY entsprechend verstärkt. Die Investoren würden die Unbezwingbarkeit des US-Dollar jedoch anzweifeln, wenn der Straffungszyklus der Fed gefährdet wäre. Eine unerwartet niedrige Inflation oder eine Rezession würde der Fed eine Denkpause verschaffen.

Ausverkauf bei Anleihen = US-Rezession?

Eine US-Rezession bleibt ein Risiko und ist eines unserer Szenarien. Die finanziellen Bedingungen in den USA wurden nicht nur durch die Anhebung der Leitzinsen, sondern auch durch den Dollar und den Ausverkauf an den Rentenmärkten gestrafft. Der Abverkauf von Anleihen gibt Anlass zur Sorge, da er die Kapitalkosten erhöhen wird; allerdings konzentrierte er sich bisher auf den Energiesektor. Gleichzeitig könnte der Konsum positiv überraschen, da der geringere Ölpreis die Teuerungsrate bremst und dadurch auch die Realeinkommen höher ausfallen als zunächst erwartet.

Fünf Themen für 2016

Wenn man diese (und noch ein paar andere) Stränge miteinander verknüpft, ergeben sich fünf Themen für 2016:

  • Der asynchrone Zyklus dauert an. Eine straffere Geldpolitik in den USA; Zinssenkungen oder eine expansive Geldpolitik fast überall sonst.
  • Die Schwellenmärkte tun sich weiterhin schwer. Ein stärkerer US-Dollar und die nachhaltige Flaute in China werden die Rohstoffpreise und die Schwellenländer weiter unter Druck setzen.
  • China beteiligt sich am Währungskrieg. Das ist möglicherweise schon der Fall. Eine schrittweise Abwertung des Yuan führt zu Deflationsdruck im Westen und fordert die Konkurrenz heraus.
  • Diskrepanz zwischen Dienstleistungen und verarbeitendem Gewerbe Die asynchrone globale Aktivität, die niedrigen Ölpreise und ein starker Dollar werden den Anstieg der Inflation und des Zinsniveaus auffangen. Internationale Sektoren werden unter Druck geraten, während sich die inländischen Dienstleistungssektoren gut etnwickeln dürften.
  • Politische Ungewissheit. Es ist ein Präsidentschaftswahljahr in den USA und Großbritannien könnte über seine EU-Mitgliedschaft abstimmen. Diese Faktoren werden für Unsicherheit sorgen und die Anlageentscheidungen belasten, da sowohl die Unternehmen als auch die Privathaushalte ihre Entscheidungen auf später verschieben.


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