Multi-Asset Kommentar

September 2015: Schuldenabbau und seine Folgen für die weltweite Wirtschaft und den Devisenmarkt

Als Vorbereitung für das Multi-Asset-Meeting der Strategic Investment Group in diesem Monat haben wir uns mit der Frage beschäftigt, warum die Weltwirtschaft gerade an Konjunkturschwäche leidet. In dieser Ausgabe von Multi-Asset Insights untersuchen wir die entsprechenden Nachweise dafür und beschäftigen uns mit den Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum, Geldpolitik und Währungen.

30.09.2015

Multi-Asset Investments

Warum ist das weltweite Wachstum so schwach?

Die großen Volkswirtschaften rund um den Globus scheinen derzeit einen strukturellen Schuldenabbau-Zyklus zu durchlaufen. Für uns stellt sich das so dar: Das Kreditwachstum bleibt aufgrund von Verschiebungen der demografischen Entwicklungen, verschärften Finanzvorschriften und des Fehlens von Geldschöpfungsmultiplikatoren hinter dem nominalen BIP-Wachstum.
In den 40 Jahren vor der weltweiten Finanzkrise haben sich viele Industrieländer hoch verschuldet. In der US-Wirtschaft beispielsweise stieg die Gesamtverschuldung in Beziehung zum BIP von 150 % im Jahr 1980 auf 360 % im Jahr 2008 (siehe Abbildung). Dabei erhöhten sich die Haushaltsschulden im gleichen Zeitraum von 47 % auf 98 % und die Verschuldung des Finanzsektors im Verhältnis zum BIP von 20 % auf 123 %, während die Staatsverschuldung von 43 % auf 70 % anwuchs.

Verstärkt wurde die Haushaltsverschuldung durch einen demografischen Trend, nämlich das Voranschreiten des Lebenszyklus der geburtenstarken Babyboomer-Generation. Deregulierung der Finanzmärkte und Innovation ließen die Bankbilanzen kräftig steigen und Sozialleistungen brachten eine höhere Staatsverschuldung mit sich.

Gesamtverschuldung in Beziehung zum BIP und kurzfristige Zinssätze

Gesamtverschuldung in Beziehung zum BIP und kurzfristige Zinssätze

Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis, 31. Dezember 2014

Der Ausbruch der Finanzkrise fiel zeitlich damit zusammen, dass die geburtenstarken Jahrgänge, die zuvor die Erhöhung der Haushaltsschulden getragen hatten, sich langsam dem Rentenalter und damit dem Schuldenabbau näherten. Gleichzeitig setzten verschärfte Finanzvorschriften dem rasanten Anstieg des Schuldenbergs im Finanzsektor ein Ende. Der Entschuldung in diesen Sektoren wirkte jedoch zu einem großen Teil der Anstieg der Staatsbilanz entgegen. Diese erhöhte sich in den USA beispielsweise von 70 % auf 110 % des BIP.

Was sind die Auswirkungen auf das Wachstum und wie könnte die politische Reaktion darauf aussehen?

Wenn das Wachstumspotenzial durch die anhaltende Verschuldung in den Jahrzehnten vor der Krise überzogen wurde, würde ein Schuldenabbautrend bedeuten, dass das aktuelle Wachstumspotenzial unter dem von 2008 liegt. Ein Schuldenabbau-Zyklus bringt außerdem auch ein durch Deflationsdruck geprägtes Umfeld mit sich.

Unserer Einschätzung nach müssen die Zentralbanken ihre lockere Geldpolitik fortsetzen, um das Wachstum zu stützen und ein gemäßigtes Tempo bei der Entschuldung zu ermöglichen. Auch könnten die Zentralbanken gezwungen sein, weiterhin Geld zu drucken, um dem Deflationsdruck entgegenzuwirken und das nominale Wachstum anzukurbeln, so wie es in vielen Regionen seit 2008 der Fall ist.

Wie werden die verschiedenen Volkswirtschaften reagieren?

Unserer Meinung nach bleibt das weltweite Wachstum durch fehlende Wertschöpfungsmultiplikatoren in der aktuellen Entschuldungsphase hinter seinem eigentlichen Potenzial zurück. Die Zentralbanken könnten versuchen, durch quantitative Lockerung die Konjunktur wieder in die Wachstumsgleise vor der Krise zu bringen und den Deflationsdruck zu bekämpfen. Das würde sehr wahrscheinlich unterschiedliche Konjunkturzyklen zur Folge haben. In Ländern, in denen die Zentralbanken die Währung gezielt schwächen, wird sich das Wachstum verbessern, wenn ihr Anteil am weltweiten Wachstum steigt. In Ländern, in denen die Währungen gestiegen sind, lässt die Konjunktur hingegen nach, da sie die Schwäche anderer Regionen auffangen.

Das war vor Kurzem zwischen der Eurozone und China der Fall. Der Einbruch des Euro führte zu einem deutlichen Anstieg der deutschen Exporte, während das Volumen in China zurückging. Das Gleiche passiert in den USA, wo der stärkere US-Dollar langsam die Handelsbilanz und die Renaissance der Industrieproduktion des Landes belastet. Verbraucher greifen statt zu den inländisch produzierten lieber zu den billigeren importierten Waren.

Wie wirkt sich das auf die Devisenmärkte aus?

Ein Versuch der Zentralbanken, dem Druck durch den Schuldenabbau mit quantitativer Lockerung entgegenzuwirken, könnte unserer Ansicht nach Zyklen von Währungsschwäche hervorrufen, denen Zyklen von Währungsstärke folgen. Dabei wird es im Laufe der Zeit Variationen geben. Eine solche Maßnahme hat tiefgreifende Folgen für Währungspaare. Das hängt davon ab, in welcher Phase des Lockerungszyklus sich die jeweiligen Zentralbanken gerade befinden. Doch da einige Regionen strukturell besser in Form sind als andere, dürften diese Zyklen um die längerfristigen Trends herum schwanken.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von der Schroders Multi-Asset Group und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.