Märkte

Brasilien glänzt, Indien enttäuscht

Die neuesten Konjunkturdaten zeigen, dass sich die Wirtschaft Brasiliens nach einem trostlosen ersten Quartal erholt, während sich Indiens Wirtschaft abkühlte. Beiden steht jedoch eine bessere Zukunft bevor.

09.09.2016

Craig Botham

Craig Botham

Schwellenländervolkswirt

Indiens Wirtschaftswachstum ließ im zweiten Quartal mit 7,1 %1 gegenüber dem Vorjahr, verglichen mit 7,9 % im ersten Quartal, deutlich nach. Gerechnet worden war mit einem Wachstum von 7,6 %. Die von der Regierung bevorzugte Kennzahl, die Bruttowertschöpfung (BWS), d. h. das Bruttoinlandsprodukt2 zuzüglich Steuern und abzüglich Subventionen, ging mit 7,3 % gegenüber vorher 7,4 % weniger stark zurück. Brasilien schnitt unterdessen besser ab als erwartet, auch wenn dies ein Zeichen dafür ist, wie niedrig die Erwartungen mittlerweile sind, wenn ein Rückgang von 3,8 % zum Vorjahr als positive Überraschung gehandelt wird. Gegenüber den -5,4 % im ersten Quartal ist das aber immer noch eine starke Verbesserung.

Indiens Daten dürften Zentralbank unter Druck setzen

Die Hochfrequenzdaten in Indien nahmen sich auf Quartalssicht nicht besonders stark aus und bestätigen die von den Daten zum Bruttoinlandsprodukt untermauerte makroökonomische Entwicklung. In der Tat haben sich die Industrieproduktion und der Einkaufsmanagerindex erholt. Allerdings lassen 2,1 % zum Vorjahr bzw. 51,7 Punkte nicht gerade auf ein rasantes Wachstum schließen. Unterdessen schwächte sich der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex etwas ab und die Automobilabsätze haben nachgelassen. Ein Grund hierfür ist unter Umständen das gegenüber dem ersten Quartal schwächere Kreditwachstum. Wir gehen davon aus, dass der neue Zentralbankgouverneur unter Druck geraten wird, dagegen anzugehen, indem Zentralbankreserven zur Rekapitalisierung des Bankensystems insbesondere nach einem derart starken Rückgang genutzt werden.

Brasilien auf einem aufsteigenden Ast?

Brasiliens monatliche Daten deuteten nach einem trostlosen ersten Quartal auf ein wesentlich besseres zweites Quartal hin. Das Geschäftsvertrauen, das gewöhnlich ein guter Indikator für Investitionen ist, hatte sich gegen Ende des ersten Quartals aufgrund von Hoffnungen in Bezug auf das Amtsenthebungsverfahren gegen Rousseff deutlich erholt. Im Konsumsektor war es bei den Kfz-Neuzulassungen und Einzelhandelsumsätzen angesichts der Rückkehr zu positiven Wachstumszahlen zu einer ähnlichen Erholung gekommen. Der Handel, der weiterhin positiv ist, schwächte sich indes etwas ab, was auf die stärkere Währung und die bessere Binnennachfrage zurückzuführen war. All dies spiegelte sich im Einzelnen in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wider. Die Investitionstätigkeit leistete erstmals seit geraumer Zeit einen positiven Quartalsbeitrag, bleibt aber auf Jahressicht rückläufig. Auch der Konsum verzeichnete gegenüber dem Vorjahr eine markante Erholung. Die Nettoausfuhren und Regierungsausgaben verschlechterten sich im Vergleich zum ersten Quartal, was auf eine stärkere Währung bzw. eine restriktive Finanzpolitik zurückzuführen war.

Besorgnis bei Indien

Für Indien ergeben sich, obschon sich das BIP-Wachstum insgesamt entsprechend den Hochfrequenzdaten entwickelt, bei einem genaueren Blick auf die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung nach wie vor einige Fragen. Das verarbeitende Gewerbe verzeichnete demnach zum Vorjahr, ungeachtet der Erholung der Einkaufsmanagerindizes und stärkerer Daten zur Industrieproduktion, eine leichte Abschwächung. Der Konsum schwächte sich indes sowohl auf Quartals- als auch auf Monatssicht ab. So weist die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung im Vergleich zum Vorjahr auf eine Abkühlung von 8,3 % im vorherigen Quartal auf 6,7 % im zweiten Quartal hin. Bei den Regierungsausgaben war unterdessen ein starker Anstieg zu verzeichnen, was die Nachhaltigkeit dieser Wachstumsrate infrage stellt, sollte es nicht möglich sein, die Investitionen in der Folge anzukurbeln. Allerdings ist die schwache Investitionstätigkeit teilweise auf Basiseffekte in Zusammenhang mit der starken Unterstützung seitens der Regierung im zweiten und dritten Quartal des letzten Jahres zurückzuführen, was nicht mehr allzu lange andauern dürfte.

Besserer Ausblick für beide Länder

Insgesamt bleibt der Ausblick für Brasilien ermutigend und etwas weniger positiv für Indien. Indien hat jedoch endlich eine wichtige Reformhürde genommen, indem es das Gesetz zu den Verbrauchssteuern verabschiedete, was das Geschäftsklima und die Investitionstätigkeit verbessern sollte. Unterdessen fährt Brasilien mit dem Verfahren zur Amtsenthebung gegen Präsidentin Rousseff fort, zu der es mit ziemlicher Sicherheit kommen wird. Unseres Erachtens gestaltet sich der Ausblick für beide Volkswirtschaften positiv und wir erwarten uns im dritten und vierten Quartal ein jeweils stärkeres Wachstum.


1 Quelle für alle Daten: Markit, Schroders.
2 Gesamtwert aller fertig hergestellten Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres in einem Land produziert werden

Schroders hat in diesem Dokument eigene Ansichten und Meinungen zum Ausdruck gebracht. Diese können sich ändern.