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Märkte

China bringt die Fed ins Wanken

Der Chefökonom und Stratege von Schroders, Keith Wade, kommentiert die Faktoren hinter der  Entscheidung der Federal Reserve, doch keine Zinserhöhung vorzunehmen.

22.09.2015

Keith Wade

Keith Wade

Chefvolkswirt

Der Chefökonom und Stratege von Schroders, Keith Wade, kommentiert die Faktoren hinter der Entscheidung der Federal Reserve, doch keine Zinserhöhung vorzunehmen:

Dass auf eine Erhöhung verzichtet wurde, signalisiert ebenso wie das flachere Profil für die Zukunft die zinsfreundliche Ausrichtung der US-Zentralbank. Für Fed-Chefin Janet Yellen gaben jedoch externe Faktoren den Ausschlag. Sie selbst verwies in ihrer Pressekonferenz konkret auf China. Die niedrigen Rohstoffpreise und der starke Dollar drücken auf die Verbraucherpreise und verschaffen zugleich der US-Zentralbank den nötigen zeitlichen Spielraum, um das Zinsniveau weiter knapp über null zu belassen. Nun hält die Fed Ausschau nach möglichen Anzeichen für eine harte Landung Chinas, die den auf der globalen Wirtschaft lastenden Deflationsdruck weiter verstärken würde.

Sicherlich dämpfen diese Entwicklungen kurzfristig die Inflation, doch rechnen wir mit dem Aufbau eines inländischen Preisdrucks über den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit hat nach den meisten Schätzungen ihr Gleichgewicht erreicht und wird, sofern der gegenwärtige Trend anhält, in den kommenden Monaten noch weiter zurückgehen. Ja: Die Löhne sind bisher nicht gestiegen, doch das ist unserer Ansicht nach nur noch eine Frage der Zeit.

Angesichts des Überwiegens externer gegenüber internen Faktoren ließe sich argumentieren, dass der Ausblick für die Fed nun eigentlich vom Ausblick für China abhängt. Und dort könnten in den kommenden Monaten fiskalpolitische Maßnahmen die Konjunktur beleben. Trotzdem bleibt das allgemeine Bild eines nachlassenden Wachstums bestehen. Unseren Indikatoren zufolge dürfte das Wachstum 2016 auf 6% sinken, weil die chinesische Volkswirtschaft mit einer steifen Brise, den Überkapazitäten, zu kämpfen hat. Also keine harte Landung, aber auch kein klarer Aufschwung. Zugleich leidet die Wirtschaft unter einem anhaltenden Deflationsdruck und die Märkte diskutieren weiter darüber, ob zusätzliche politische Maßnahmen wie eine mögliche Abwertung des Yuan erforderlich sind oder nicht.

In einer solchen Situation müssen die Hinweise in Form eines steigenden Lohnniveaus schon überzeugend ausfallen, damit die Fed tatsächlich an einen Anstieg der Inflation auf 2% glaubt. Das könnte monatelang dauern: Wenn wir uns den Employment Cost Index ansehen, der als bestes Maß für den Lohndruck in der Wirtschaft gilt, müssen wir auf die kommenden Daten Ende Oktober und dann wahrscheinlich auf die nächsten Daten Ende Januar warten, bevor sich ein klarer Aufwärtstrend der Lohnkosten zuverlässig konstatieren lässt.

Man hört von Vergleichen mit der Entwicklung vor zwei Jahren, als sich die Fed dafür entschied, ihre Anleihenkäufe angesichts der damaligen Verschärfung der Lage auf dem Finanzmarkt doch nicht einzustellen. Das ist heute ähnlich, doch das aktuelle Management der Fed könnte sich sogar noch über den Januar hinaus Zeit lassen, wobei eine erste Zinserhöhung im März 2016 nun wohl am wahrscheinlichsten ist.

Liegt die Fed damit hinter der Kurve zurück? Die Gefahr einer neuerlichen Verzögerung von Zinserhöhungsschritten besteht offensichtlich darin, dass die Inflation weiter abgewürgt wird, was eine noch deutlich entschlossenere Antwort erfordern würde. Allerdings erinnern wir uns auch noch an das Ende der 1990er Jahre, als die Fed angesichts aufkeimender Marktturbulenzen, konkret der Russlandkrise, die Zinsen senkte. Damals wie heute herrschten Deflationsängste wegen des überwiegend externen Drucks. Die Folge war eine lockere US-Geldpolitik. Trotzdem führten die Abwehrmaßnahmen der Fed zu keinem massiven Inflationsanstieg. Stattdessen floss die überschüssige Liquidität in die Finanzmärkte, die Risikobereitschaft der Anleger stieg und letztlich stapelten sich bildlich gesprochen die Probleme für das Bankensystem und die Wirtschaft.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Keith Wade und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.