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Klimawandel: Die Ergebnisse im Juli

In dieser Ausgabe blickt das ESG-Team auf aktuelle Ereignisse – inklusive den Zusagen einzelner Länder im Vorfeld UN-Klimakonferenz im Dezember.

18.08.2015

Schroders ESG Team

Günstige Voraussetzungen für ein globales Abkommen

Internationale Verhandlungen sind in vollem Gange und bilden die Grundlage für die Klimakonferenz im Dezember.

Um den Dialog zwischen den Staaten zu vereinfachen, gibt die UN mit einem gesonderten Dokument einen Überblick zum Verhandlungstext – denn dieser stellt die Basis für ein allgemeines Abkommen dar.

Außerdem hat die französische Regierung verlautbaren lassen, dass ein globales Abkommen in Reichweite rückt. Minister aus 60 Ländern nahmen an einem informellen Treffen in Paris teil, um die Verhandlungsposition der UN zu stärken.

Das vermutliche Abschlussdokument wird wohl nicht ausreichen, um die globale Erwärmung einzudämmen; dennoch zeigt das Engagement, dass die Regierungen ein Scheitern wie auf dem Gipfel in Kopenhagen im Jahr 2009 verhindern wollen.

Allerdings machte das französische Dokument auch auf einige Unsicherheiten aufmerksam, etwa bei Transferzahlungen aus reicheren Staaten an die Entwicklungsländer.

Neues zu angestrebten nationalen Beiträgen (Intended Nationally Determined Contributions, INDCs)

Im vergangenen Monat wurden weitere Länderzusagen zur Reduzierung der CO2-Emissionen bekannt gegeben. Zum Zeitpunkt der Redaktion (Anfang August) waren 58,8 % der weltweiten Emissionen durch INDCs abgedeckt.

Allerdings stehen die formalen Zusagen einiger großer Emittenten noch aus:

  • Indien
  • Brasilien
  • Südafrika
  • Indonesien
  • Australien

China gab seine Zusage am 30. Juni. Das Land will seine CO2-Emissionen spätestens ab 2030 nicht mehr steigern.

Außerdem will China den Anteil CO2-armer Energiequellen bis 2030 auf 20 % steigern und die Emissionen je BIP-Einheit sollen bis 2030 um 60–65 % des Niveaus von 2005 gesenkt werden. Dies entspricht einem jährlichen Rückgang um 2 % bis zum Jahr 2030.

Bei der Erklärung Chinas handelt es sich um die erste Selbstverpflichtung eines asiatischen Landes. Sie umfasst 15 breit angelegte Richtlinien, von denen viele bereits in Kraft sind. Sie decken folgende Maßnahmen ab:

  • Entwicklung langfristig CO2-arm gestalten
  • Den Kohleverbrauch kontrollieren
  • Kernenergie und erneuerbare Energien ausbauen
  • Bis 2020 den BIP-Anteil strategischer Wachstumsindustrien auf 15 % steigern
  • Landesweit ein System zum Emissionshandel einführen

  Einerseits gab es Kritik an China, da es die vermutlichen Höchststände der Emissionen nicht angibt. Andererseits könnte die formelle Zusage eines der weltweit größten Treibhausgasemittenten den Druck auf andere Länder erhöhen, sich ebenfalls an dem globalen Abkommen zu beteiligen.

Kurz nach der Zusage Chinas versprach auch Südkorea, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 37 % der bisher üblichen Werte senken zu wollen.

Allgemein gilt dies als eher bescheidene Zusage, die kaum über die letzte Zielvorgabe zur Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2020 hinausgeht.

Kenia und die Marshallinseln legten ihre INDCs im Juli fest.

Internationale Hilfe durch Technologie, Finanzmittel, Investitionen und Kapazitätsausweitungen vorausgesetzt, will Kenia seine Emissionen bis 2030 um 30 % senken.

Die Marshallinseln legten Reduktionsziel von 32 % gegenüber 2010 bis zum Jahr 2025 fest; zudem streben sie vorläufige eine Verringerung von 45 % bis 2030 an. Der Inselstaat ist hohen Risiken durch den ansteigenden Meeresspiegel ausgesetzt. Daher möchte die Regierung eine klimaresistente Infrastruktur entwickeln.

Das Reduktionsziel Neuseelands liegt bei 30 % bis zum Jahr 2030 gegenüber dem Stand von 2005. Dies entspricht einer Einsparung um 11 % gegenüber dem Niveau des Jahres 1990. Allerdings hängt diese Rechnung davon ab, ob in Paris bestimmte Bilanzierungsregeln bestätigt werden. Diese würden dem Land „uneingeschränkten Zugang“ zu den globalen Kohlenstoffmärkten gewähren; auch müssten die die Verhandlungspartner auf Bilanzierungsregeln für die Wald- und Landgebiete einigen.

Singapur will bis 2030 36 % seiner Emissionen im Vergleich zu 2005 einsparen, wobei die Emissionen „um das Jahr 2030 herum“ ihren Höhepunkt erreichen sollen. Das Land will seine Ziele durch erneuerbare Energie und höhere Energieeffizienz erreichen.

Nationale Entwicklungen

Im Juli kündigte die britische Regierung einen Haushalt an, der auf Kritik stieß: Denn er widerspricht der zuvor geäußerten Unterstützung für das globale Klimaabkommen im Dezember.

Die Regierung kündigte an, eine Reihe von Subventionen und Regelungen zu auslaufen zu lassen, die den Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft gefördert hatten. Sie begründete ihren Schritt damit, dass die Umstellung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft doch eher kostensparend auf Unternehmensebene und durch Wettbewerb erfolgen solle.

Somit könnte es für Großbritannien schwieriger werden, seine Reduktionsziele zu erreichen.

Die US-Umweltschutzbehörde EPA hat die einzelnen Bundesstaaten verpflichtet, Pläne für geringere Kraftwerksemissionen zu entwerfen. Jetzt hat die Behörde angekündigt, den Bundesstaaten zwei weitere Jahre zu gewähren (bis 2022). Erst dann müssen sie im Rahmen eines verabschiedeten Plans für saubere Energie mit der Senkung der Kohlenstoffemissionen beginnen.

Die EPA fordert die Staaten weiterhin auf, ihre Emissionsziele bis 2030 zu erreichen, verlängerte allerdings gleichzeitig die Frist für die Pläne. So müssen bis September 2016 vorläufige und bis September 2018 die endgültigen Versionen eingereicht werden. Einige Beobachter nehmen an, dass diese Flexibilität für eine breitere Unterstützung der Klimapolitik von Präsident Obama sorgen soll.

Studie eines Worst-Case-Szenarios

Das britische Außenministerium veröffentlichte vor Kurzem einen Bericht, der die Wahrscheinlichkeit eines Temperaturanstiegs um bis zu 10 °C in den kommenden Jahrhunderten untersucht.

Die Autoren plädieren bei der Risikoschätzung für die selben Maßstäbe, die bei der nationalen Sicherheit oder der öffentlichen Gesundheit gelten: Nämlich dass man die Wahrscheinlichkeit eines Worst-Case-Szenarios bewerten sollte.

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass ein Anstieg der Temperaturen um mehr als 4 °C bis zum Ende dieses oder anfangs des nächsten Jahrhunderts ebenso wahrscheinlich wie unwahrscheinlich sei.

Zudem nehmen die Autoren an, dass Extremereignisse (z. B. tödliche Hitzewellen, schwerwiegende Ernteausfälle, Nullerträge) statistisch umso häufiger auftreten, je stärker die Temperaturen steigen. Daher unterstreicht der Bericht die Notwendigkeit, sich an den Klimawandel anzupassen.

Neuer Bericht der Global Kommision für Wirtschaft und Klima

Der neue Bericht der Globalen Kommission für Wirtschaft und Klima nennt zehn Maßnahmen, mit denen die Staaten bis 2030 96 % der Einsparungen erreichen können – nur so ließe sich laut des New Climate Economy Report der Temperaturanstieg auf weniger als 2 °C begrenzen. Die Umsetzung der Einsparziele soll auch weitere wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen:

  1. Die emissionsarme Stadtentwicklung beschleunigen
  2. Land- und forstwirtschaftliche Flächen rekultivieren und schützen sowie die landwirtschaftliche Produktivität steigern
  3. Investitionen in saubere Energie von mindestens 1 Bio. USD jährlich ermöglichen
  4. Die Standards für Energieeffizienz erhöhen
  5. Die effektive Preisgestaltung für Kohlenstoff ermöglichen
  6. Die Klimafreundlichkeit neuer Infrastrukturen sichern
  7. Kohlenstoffarme Innovation fördern
  8. Auf Unternehmens- und Anlegerseite das kohlenstoffarme Wachstum fördern
  9. Im internationalen Luft- und Seeverkehr die Ziele höherstecken
  10. Die Verwendung von FCKW aufgeben

Heißester Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

Die NASA gab bekannt, dass der Juni 2015 der heißeste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Jahr alle Hitzerekorde brechen wird.

Die hohen Temperaturen führen die Experten auf das Klimaphänomen El Niño zurück; sie rechnen damit, dass wir in diesem Jahr einen der stärksten El Niños seit 50 Jahren erleben könnten.

Auch der Juli erreichte einen neuen Tageshöchstwert. Eine Gruppe internationaler Klimaforscher (die Climate Central angehören, einer amerikanischen Organisation von Wissenschaftsjournalisten) erklärte, dass es „so gut wie sicher“ sei, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit solcher Hitzewellen in Europa erhöhen werde.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Meereslebewesen

Eine aktuelle Studie von 20 Meeresbiologen untersucht, wie sich steigende Temperaturen, der Verlust von Sauerstoff und die zunehmende Übersäuerung der Meere durch Kohlendioxid auf die Tiere und Pflanzen auswirken.

Den Forschern zufolge haben die Meere 30 % des Kohlendioxids absorbiert, das seit 1750 ausgestoßen wurde – wodurch der Säuregehalt gestiegen ist.

Zudem waren die Meere ein Klimapuffer, da sie über 90 % der seit 1970 zusätzlich durch den Menschen verursachten Erwärmung absorbiert haben. Allerdings führt diese zusätzliche Wärme zu einem immer niedrigeren Sauerstoffgehalt.

Dies beeinträchtigt die Ökosysteme und kann möglicherweise dramatische negative Auswirkungen haben. Schließlich versorgen uns die Ozeane mit Nahrungsmitteln, Energie, Mineralien und Arzneimitteln. Zudem produzieren sie die Hälfte des Sauerstoffs in der Atmosphäre.

Die Autoren hoffen, dass ihr Bericht dazu beiträgt, die Meere und ihre Ökosysteme wieder in den Fokus der UN-Klimaverhandlungen im Dezember zu rücken.