Märkte

Schroders Live Q1/2015 - Zusammenfassung

14.01.2015

Die aktuelle Debatte von Schroders Live fand vor dem Hintergrund sinkender Energiepreise und der unmittelbaren Aufnahme des Kaufprogramms von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) statt. Peter Harrison, Head of Investment, und Keith Wade, Chefvolkswirt und Stratege, besprachen diese Themen im Zuge der Bewertung der aktuellen Marktlage und der künftigen Entwicklung.

Öl drückt Stimmung

Der seit fast sechs Jahren tiefste Stand des Preises für Öl der Marke Brent von ca. USD 45 pro Barrel ließ beide Podianten feststellen, dass Volkswirte und Investoren über die Auswirkungen derartig flauer Preise unterschiedlicher Meinung sind. „Für die Weltwirtschaft halte ich als Volkswirt einen Preisverfall des Öls für wirklich positiv, er wirkt genau wie eine Steuersenkung“, sagt Keith Wade. „Der amerikanische Verbraucher hat dadurch beispielsweise knapp über 1 % mehr verfügbares Einkommen. Da Amerikas Konsumenten nahezu das gesamte Einkommen ausgeben, kommt dies den Verbraucherausgaben zugute und somit einem kräftigen BIP-Wachstum.“

Keith Wade wies ebenfalls darauf hin, dass die Ungewissheit unter Anlegern hinsichtlich des Ölpreises die Marktstimmung beeinträchtigt. „Ich verstehe, warum Teile des Markts besorgt sind: Bei einigen Unternehmen und selbst auf Länderebene gibt es Ausfallrisiken. Doch insgesamt gesehen profitiert die Konjunktur und wir überlegen uns aktuell, die Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft für das kommende Jahr heraufzustufen.“

Die anhaltende Volatilität der Aktien erklärte Peter Harrison so: „Volkswirte haben die Lage völlig falsch eingeschätzt und es besteht große Sorge wegen den Gründen, die für den Preisverfall verantwortlich sind. An den Aktienmärkten herrscht Uneinigkeit darüber ob es eine Frage des Angebots, der Geopolitik oder der Nachfrage ist. Aktienanleger sorgen sich darum, dass die Weltwirtschaft schlechter dasteht als bisher vermutet. Gerade als wir dachten, wir hätten einen klaren Fahrplan vor uns, haben wir es mit der drittgrößten Schwankung seit 1900 von einer der wichtigsten Variablen zu tun.

Auf die Frage, ob sich der niedrige Ölpreis besonders stark auf Schwellenländer auswirkt, wenn man bedenkt, dass Länder wie China erheblich von Energieimporten abhängig sind, antwortete Peter Harrison, man müsse die besonderen Umstände jedes einzelnen Landes in Betracht ziehen. „Insgesamt sind gesunkene Energiepreise vermutlich für Schwellenländer im Verhältnis zu Industrieländern keine gute Meldung.

Keith Wade betonte erneut seine positive Sichtweise hinsichtlich der USA, die er schon seit einiger Zeit vertritt. Er wies zwar darauf hin, dass es eine Abschwächung der Investitionsausgaben von Unternehmen geben dürfte, aber jüngste Anzeichen dennoch auf erhöhte Einzelhandelsumsätze deuteten. Die reduzierten Energiekosten sind überdies für die Margen aller Unternehmen von Vorteil, die nicht im Energiebereich agieren.

Ist die Deflation eine Gefahr?

Die in dieser Woche in Großbritannien veröffentlichte Inflationsrate verminderte sich sehr deutlich von 1 % auf 0,5 %. Peter Harrison erklärte jedoch, dass er nicht von einem mit Japan vergleichbaren Szenario ausgeht. Dort war es aufgrund mangelnden Vertrauens schwierig, einen Anstieg von Löhnen und Gehältern zu erzielen. „Wir haben uns auf ein niedrigeres Gehaltswachstum eingestellt. Selbst wenn die Inflation in den kommenden zwölf Monaten gering ausfällt, wird dies meiner Meinung nach keine Vertrauenskrise auslösen.“

Keith Wade fügte hinzu, es sei wichtig, sich an den Grund der fallenden Inflation – nämlich die reduzierten Energiepreise – zu erinnern. Zudem erwähnte er, dass Großbritannien erstmals seit der Finanzkrise eine Steigerung der Reallöhne verzeichnen konnte.

Die EZB – so Keith Wade – bezieht im Hinblick auf die rückläufige Inflation eine pessimistischere Haltung als Großbritannien. „Mario Draghi und die EZB befürchten, dass man Erwartungen wecke, die die Öffentlichkeit von einem weiteren Preisverfall ausgehen lassen. Aufgrund dessen ändere sich die Entwicklung von Löhnen und Gehältern sowie das Konsumverhalten. Letztendlich sähe in der Eurozone doch aus wie in Japan. Meiner Meinung nach wird dies nicht passieren und ich kann es auch nicht aus den Daten entnehmen. Doch darum sorgen sie sich“, führt er an.

Quantitative Lockerung nähert sich der Eurozone

Zum Thema quantitative Lockerung in der Eurozone erklärt Keith Wade, dass sie aus seiner Sicht gegen Ende des Monats angekündigt werde und die Märkte darauf vorbereitet seien. Es sei davon auszugehen, dass die EZB lediglich Anleihen mit Investment Grade solcher Länder aufkaufen wird, die sich an ihre Reformprogramme halten. „Diese Botschaft ist an Griechenland gerichtet“, sagte er. Des Weiteren wies er darauf hin, dass das Anleihekaufprogramm der EZB sich vorrangig auf Bundesanleihen konzentrieren werde, insbesondere solche mit längerer Laufzeit als 5 Jahre, denn kürzere Laufzeiten haben aktuell negative Renditen.

Verlässt Griechenland den Euro?

Keith Wade glaubt nicht, dass es zu einem „Grexit“ kommt, denn 75 % der Griechen wollen laut Meinungsumfragen die Einheitswährung behalten. Der unnachgiebige Tonfall der Syriza-Partei gegenüber der Eurozone hat sich aus seiner Sicht abgeschwächt, denn die Wahrscheinlichkeit wächst, dass sie bei den Wahlen in diesem Monat zusätzlich an Macht gewinnen. „Dass Griechenlands Volkswirtschaft außerdem zu wachsen beginnt, ist bemerkenswert, was auf die Vorteile des energischen Sparprogramms und die Kosteneinsparungen zurückzuführen ist. Eine gewisse Volatilität wird aufgrund des Versuchs der Syriza, ihr Hilfsprogramm auszuhandeln, fortbestehen. Möglicherweise gelingt eine Verbesserung, aber ich glaube keinesfalls, dass damit ein noch größeres Problem entsteht“, sagt er.

Peter Harrison sprach darüber, dass die griechischen Anleihenrenditen derzeit nicht auf einen Ausstieg aus dem Euro hindeuten. Er denkt jedoch, dass die Sorge weiter über der Eurozone lasten wird, insbesondere infolge der anhaltenden Debatte über Großbritanniens EU-Austritt, deren Intensität im Zuge der bevorstehenden britischen Parlamentswahlen zunimmt.

Starker Dollar bleibt

Was die Devisen angeht, ist Keith Wade der Ansicht, dass der US-Dollar auch künftig stark bleibt und die amerikanische Notenbank der erste große westliche Währungshüter sein wird, der die Zinsen erhöht. Etwas vorsichtiger ist er beim Pfund Sterling: Er rechnet damit, dass die bevorstehenden Wahlen sehr viel Ungewissheit mit sich bringen werden. Außerdem hat Großbritannien ein Leistungsbilanz- sowie ein großes Haushaltsdefizit. „Großbritannien hat ein doppeltes Defizitproblem, was sich in der Regel problematisch auf die Währung auswirkt, daher dürfte das Pfund Sterling etwas schwächer sein“, fügte er hinzu.

Kommende Möglichkeiten ausfindig machen

Was die Aussichten für diverse Anlageklassen betrifft, ist Peter Harrison ein Verfechter von Aktien. „Das Volatilitätsniveau wird höher ausfallen als in den vergangenen Jahren. Doch ich glaube niemand hält die Märkte für extrem überteuert, auch wenn die genauen Wertzuwächse noch schwer einzuschätzen sind.“ Bei Aktien würde er definitiv dem Wertansatz den Vorrang geben, wobei er den „weniger glamourösen“ Teil des Markts bevorzugt. „Wenn Sie zwölf Monate vorausschauen, werden die negativen Auswirkungen des Ölpreises bereits zu verwischen beginnen. Die Leute werden dann auch wieder Bereiche finden, die gut abschneiden“, meint er. Keith Wade ist indes ein Vertreter der Multi-Asset-Strategie. „Der Zeitraum der Volatilität wird etwas länger andauern, weil Investoren auf die Stabilisierung des Ölpreises warten. Obwohl ich von Aktien überzeugt bin, würde ich mich heute für eine Multi-Asset-Strategie entscheiden“, erläutert er.


Wichtiger Hinweis
Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen vom Peter Harrison und Keith Wade und und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.