Märkte

Automarkt in China - mit Vollgas gegen die (Große) Mauer?

Da der Automobilmarkt in China derzeit einen Gang zurückschaltet, sehen wir uns die Route einmal genauer an und finden einige Hürden für nationale und internationale Marken.

03.08.2015

Katherine Davidson

Global Sector Specialist - Autos

Sorgen um den Automobilmarkt in China

Im weltweit größten Automobilmarkt werden 30 % aller globalen Verkäufe umgesetzt, und die Branchenrentabilität liegt noch viel höher.

Kaum verwunderlich, dass Hersteller und Investoren durch die Entwicklungen des letzten halben Jahres in größte Unruhe gerieten.

                       

Denn nicht nur das Mengenwachstum war eingebrochen und rutschte im Juni sogar ins Minus. Gleichzeitig verlagerten sich die Marktanteile deutlich von ausländischen hin zu nationalen Herstellern.

Dass sich der Markt abkühlen würde, war durch die allmähliche Reife fast unausweichlich – dennoch dürften der Zeitpunkt und die unerwartete Heftigkeit auf die gesamtwirtschaftliche Lage zurückzuführen sein.

Chinas Wirtschaft hat sich seit Jahresbeginn abgeschwächt: Im zweiten Quartal ging das BIP-Wachstum auf 7 % zurück; Indikatoren wie der Stromverbrauch legen nahe, dass die tatsächliche Abkühlung sogar noch deutlicher hätte ausfallen können.

SUVs sorgen für Wachstum des Inlandsmarktanteils

Dies geht zwar teilweise auf Subventionen für kleine und kraftstoffeffiziente Fahrzeuge zurückzuführen – die Hauptursache war jedoch das schnelle Wachstum im Marktsegment der kleinen und preisgünstigeren SUVs: eine Sparte, in der die chinesischen Automobilhersteller nahezu Monopolstatus genießen.

Der Erfolg der SUVs lässt sich auf eine Vielzahl von Faktoren zurückführen: zunächst auf die steigende Nachfrage nach Fahrzeugen, die auch auf schlechten Straßen zurechtkommen.

 

Die Marktdurchdringung von SUVs basiert auf einer Kombination von Faktoren. Dazu zählt die steigende Nachfrage nach Fahrzeugen, die sich sicher durch schlecht ausgebaute Straßen manövrieren lassen.

Dies gilt insbesondere für die Mittelstädte sowie Provinzen in Zentral- und Westchina, wo die Gesamtumsätze im Automobilbereich schneller steigen als im Rest des Landes.

Auch die sinkenden Benzinpreise trugen zur Popularität bei, da SUVs in der Regel recht viel Treibstoff brauchen.

Abschließend konnten chinesische Hersteller erfolgreich neue Modelle der kleinen und preisgünstigen SUVs einführen, während internationale Hersteller nur wenig neue Modelle auf den Markt brachten.

Wird diese Verlagerung des Marktanteils von Dauer sein?

Kurzfristig werden die internationalen Marken von zahlreichen wesentlichen Modellpflegen profitieren. Auch entsprechen ihre Zeitpläne für Neueinführungen im kommenden Jahr ebenfalls eher jenen der nationalen Hersteller.

Normalisiert sich der Automobilmarkt in China, wird sich die Rentabilität sowohl für internationale als auch nationale Hersteller verschlechtern.

Wir gehen allerdings davon aus, dass sich der Inlandsmarktanteil etwas oberhalb der vergangenen Jahren stabilisieren wird: Hauptgrund für diese Annahme ist die weitere Marktdurchdringung bei SUVs im unteren Preisbereich.

Heute China – morgen die Welt?

Wir bleiben skeptisch, dass sich chinesische Automobilmarken in absehbarer Zukunft auf anderen Märkten etablieren werden.

In China gefertigte Autos haben große Fortschritte gemacht, und chinesische Autobauer konnten in den letzten Jahren die Qualität wesentlich verbessern.

 

Dennoch schätzen wir, dass bei der Qualität der Sprung von „unzureichend“ zu „ausreichend“ leichter war als die nächste Stufe: nämlich die Produktion tatsächlich international wettbewerbsfähiger Fahrzeuge.

Branchenberater nennen eine ganze Reihe von Schwierigkeiten, vor denen die chinesischen Hersteller stehen: - Mangelhafte Ausführung - Einsparungen in den Entwicklungs- und Testphasen - Fehlende Grundkenntnisse bei jungen Ingenieuren (von denen die meisten nie ein Auto besessen haben) - Ein abgeschirmtes und hierarchisches Management-System

Ein Experte teilte uns mit, dass man in China beim ingenieurwissenschaftlichen Know-how immer noch zehn bis zwölf Jahre hinter den Weltmarktführern liegt.

Außerdem spielt der geringe Markenwert eine Rolle: Sogar Chinesen scheinen immer noch eine ausgeprägte Vorliebe für internationale Marken zu haben – vorausgesetzt, der Preisunterschied ist nicht zu groß. Zudem bleibt fraglich, ob sich westliche Käufer für chinesische Autos begeistern lassen werden.

 

Fortschritte in den Schwellenländern

Allerdings machen chinesische Marken in den Schwellenländern Boden gut, insbesondere in den Frontier-Märkten. Dort besteht eine ausgeprägte Preissensitivität und das Markenimage zählt weniger. Zudem sind diese Märkte zu klein, zu schwierig oder zu umstritten, um viele globale Autobauer anzuziehen.

 

Die Expansion stellt derzeit noch keine Bedrohung dar, könnte sich aber für globale Hersteller zu einem größeren Problem entwickeln, wenn die Chinesen Zugang zu etablierteren Märkten wie Südostasien oder Lateinamerika gewinnen. Denn diese sind im Allgemeinen sehr rentabel und werden auch für die Zukunft der globalen Autoindustrie den größten Antriebsmotor darstellen.

Was heißt das für Anleger?

Wir glauben, dass sich die Rentabilität sowohl für internationale als auch für nationale Hersteller verschlechtern wird, sobald sich der Automobilmarkt in China normalisiert.

Ausländische Premium-Marken sind unser bevorzugter Anlagebereich, denn sie werden mit zunehmender Marktreife von wachsendem Einkommen, dem steigenden Anteil finanzierter Autokäufe und verstärkter Trade-up-Nachfrage profitieren. Zudem sind sie immun gegen den direkten nationalen Wettbewerb.

Wir meinen auch, dass globale Zulieferer und Reifenhersteller über ausgeprägteres Wachstumspotenzial in China verfügen: Schließlich werden die chinesischen Marken ihre Standards durch den verstärkten Einbau ausländischer Komponenten erhöhen.

Es ist unwahrscheinlich, dass Automarken aus China für globale Autohersteller auf ihren Heimatmärkten bedrohliche Konkurrenz darstellen werden. Anleger sollten jedoch aufmerksam bleiben und die Fortschritte der nationalen Marken genau verfolgen.

Verändert sich vor allem bei jungen Käufern und solchen außerhalb der Großstädte die Markenwahrnehmung, könnte dies einen Umschwung im Binnenmarkt signalisieren.