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Nachhaltigkeitsziele und treuhänderische Praxis

Die Frage, mit der wir uns beschäftigen: Warum müssen Anleger über die Nachhaltigkeit von Renditen und über die potenziellen Risiken am Horizont – von Cybersicherheit bis zu hartem Durchgreifen bei der Steuer – ebenso gut im Bilde sein wie über die Bewertung von Vermögenswerten?

10.05.2016

Seit dem Ende der 1990er zeichnet sich ein recht deutlicher Weg ab, der auf gute Unternehmensführung und Kontrollinstanzen setzt. Beide sind wichtige Bestandteile der treuhänderischen Pflicht von Unternehmen genauso wie von Anlegern. Und es gibt keine Anzeichen, dass dieser Trend heute nachlässt: Vielmehr werden weltweit Verhaltensregeln für Vermögensverwalter und Eigentümer eingeführt  – und so steigen die Erwartungen.

Anleger verlangen Differenzierung und Transparenz

Immer stärker wird von allen, die in die Investitionskette eingebunden sind, Transparenz in Bezug auf ihre Tätigkeiten, Ziele und Ergebnisse im Bereich Unternehmensführung verlangt. Das anerkannt beste Verfahren beschränkt sich nicht mehr länger darauf, ein Regelwerk zu unterzeichnen, abzustimmen und dann nie wieder auf das Thema zurückzukommen. Der Weg ist klar vorgegeben. Ziel ist ein besserer Dialog zwischen Eigentümern, Investoren und Unternehmen über die schmerzhaften langfristigen Themen, mit denen die Unternehmen konfrontiert sind: Strategie, Vorstandsnachfolge und Stakeholder-Management, also die Interessen aller Anspruchsgruppen miteinander in Einklang zu bringen. Schon jetzt hinterfragen die anspruchsvollsten Vermögensinhaber nicht nur die Kauf- und Verkaufsprozesse ihrer Vermögensverwalter, sondern auch deren Ansatz in Bezug auf Besitz. Sie erwarten detaillierte Berichte und genaue Zahlen zu den Folgen. Diese Abwendung von einer Mentalität des reinen Abhakens von vordefinierten Faktoren (Tick-Box-Ansatz) wird zu weiteren Veränderungen führen, was wir begrüßen.

Ein Anlagestil mit stärkerem Engagement

Ein Bericht über die Vermögensanlage wird sich nicht mehr ausschließlich auf Leistungsstatistiken konzentrieren, sondern auch auf Engagement. Vermögenseigentümer sollten die Eigenheiten in der Unternehmensführung ihres Vermögensverwalters ebenso gut kennen wie ihren Anlagestil. Wir gehen davon aus, dass sich die Agenda des Treuhänders verändern wird und dass das Thema Unternehmensführung immer häufiger in Diskussionen auftauchen wird. Das alles dürfte zur Folge haben, dass sich Unternehmen auf eine stärkere Kontrolle ihrer Tätigkeiten und damit auf forderndere Fragen von Anlegerseite einstellen sollten. Dies alles wird sich nicht auf einen Schlag ändern, wie viele in der Vergangenheit glaubten. Vielmehr wird es sich dabei um eine fortlaufende Entwicklung und einen Schritt nach vorn zu höheren Standards handeln.

Einige Kommentatoren fordern mehr explizite Führung und Klärung, um Umwelt- und Sozialaspekte sowie die Unternehmensführung (ESG) als Teil der treuhänderischen Pflicht in die Anlageprozesse einzubetten.

Sind ESG-Risiken real?

Ein wichtiger erster Schritt ist bereits mit dem derzeitigen Fokus auf ethisches Geschäftsverhalten erfolgreich getan worden. Gibt es einen schlagkräftigen Vorstand mit aktiver Diskussion, soliden internen Kontrollmechanismen und gutem Risikomanagement, so sollte er eine gute Übersicht und wirkungsvolle Richtlinien haben, um die Umwelt- und Sozialrisiken in einem Unternehmen im Griff zu haben. Jüngere Kommentare von Politikern und Regulierungsbehörden rund um den Globus zeigen: Sie sehen treuhänderische Pflicht und Berücksichtigung von ESG-Themen als vereinbar. Das ist ein weiterer Anstoß für einen Investmentansatz, der sich um eine Integration dieser Aspekte bemüht. Die Bewertung des Umgangs eines Unternehmens mit allen seinen Anspruchsgruppen – Kunden, Mitarbeiter und die Gesellschaft – wirkt sich auf die unternehmerische Leistung aus und spielt eine Rolle bei den Anlageentscheidungen. Dessen sind wir uns als fundamentale Anleger bewusst. Aber die Nachhaltigkeit von Renditen und die potenziellen Risiken am Horizont – von Cybersicherheit bis zu hartem Durchgreifen bei der Steuer – zu verstehen, ist ebenso wichtig wie die Kenntnis der Bewertung. ESG-Risiken sind reale Risiken.

Bringt ESG einen Mehrwert beim Investieren?

Nach unserer Erfahrung führt eine gründliche Kenntnis aller Risiken eines Unternehmens – Finanzen, Umwelt, Soziales und Governance – zu einer besseren Entscheidungsfindung beim Investieren. Die Renditen werden weiter verbessert, wenn man sicherstellt, dass Unternehmen durch das Engagement ihrer Eigentümer in langfristig nachhaltiger Weise geführt werden. Diejenigen, die eine treuhänderische Verantwortung haben, sollten die, die ihr Geld verwalten, zu einem langfristig ganzheitlichen Anlageansatz motivieren. Sie sollten auch prüfen, ob die Integration von Umwelt-, Sozial- und Leitungs-Aspekten mehr ist als ein grünes Mäntelchen, das man sich umhängt, sondern vielmehr Mehrwert für die Anlageprozesse bedeutet.

Die aktuellen Richtlinienveränderungen unterstreichen die Wichtigkeit des Weges, den viele Vermögensteigentümer bereits eingeschlagen haben.


Schroders hat in diesem Dokument eigene Ansichten und Meinungen zum Ausdruck gebracht. Diese können sich ändern.