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Russland trotzt dem Ölsturm

Russlands Bruttoinlandsprodukt überraschte positiv. Es sank im ersten Quartal im Vorjahresvergleich um nur 1,2 % gegenüber den erwarteten 2,0 %: Die Wirtschaft scheint dem Ölpreisverfall besser standzuhalten als erwartet.

31.05.2016

Craig Botham

Craig Botham

Schwellenländervolkswirt

Russlands Bruttoinlandsprodukt überraschte positiv. Es sank im ersten Quartal im Vorjahresvergleich um nur 1,2 % gegenüber den erwarteten 2,0 % und schnitt damit deutlich besser ab als im letzten Quartal 2015, für das ein Rückgang von 3,8 % verzeichnet wurde. Die Wirtschaft scheint dem Ölpreisverfall besser standzuhalten als erwartet.

Bei der frühen Veröffentlichung der Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt sind die Daten noch nicht im Detail aufgeschlüsselt. Man muss erst einmal abwarten, bevor man sehen kann, was für diese unerwartet positive Leistung verantwortlich war. Wahrscheinlich war es vorteilhaft, der Währung zu erlauben, einen großen Teil der Anpassung an den Ölpreisverfall und die Konjunkturflaute vorzunehmen. Anderen Rohstoffproduzenten täte es gut, in dieser Hinsicht von Russland zu lernen. Der Rubel ging im parallel mit dem Ölpreis bergab und blieb seither konstant auf niedrigem Niveau, während der Ölpreis sich im Vergleich dazu in einer Bandbreite bewegt. In Folge ist der Leistungsbilanzüberschuss gewachsen. Wir gehen davon aus, dass das Wachstum durch die Nettoexporte begünstigt wurde.

Es sieht aus, als habe die schwächere Währung eine Verlagerung der Wirtschaft zum Sektor der handelbaren Güter ausgelöst, da die Wettbewerbsfähigkeit der russischen Industrie einen Schub erhalten hat. Häufig erhobene Hochfrequenzdaten stützen diese Sicht, wobei der Konsumgüterbereich trotz Erholung der Industrieproduktion nach wie vor zu kämpfen hat. Wir rechnen für dieses Jahr immer noch mit einem leichten Minus. Doch die Risiken haben sich verringert und das Wachstum könnte schon bald wieder ins Plus drehen.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Craig Botham, Volkswirt Schwellenländer, und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.