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Bank of Japan: Keine Zinssenkung, dafür neue Maßnahmen

Volkswirte begrüßen den Schritt der japanischen Notenbank – und wie sieht es mit der Öffentlichkeit aus?

21.09.2016

Keith Wade

Keith Wade

Chefvolkswirt

Ein neues Signal aus Tokio

Die Bank of Japan hat sich gegen Zinssenkungen entschieden. Dafür hat sie bei ihrer Sitzung am 21. September zwei neue geldpolitische Maßnahmen auf den Weg gebracht: Zunächst das Kaufprogramm „QQE mit Kontrolle der Zinskurve“, eine ausgeweitete quantitative und qualitative Lockerung (QQE, quantitative & qualitative easing). Die Maßnahmen zielen darauf ab, mit gezielten Wertpapierkäufen die Zinsen zehnjähriger Staatsanleihen bei nahe null zu halten. Zweitens bekennt sich die Bank „zu einer überschießenden Inflation“ – eine deutliche und anhaltende Erhöhung des Preisniveaus – und will ihre lockere Geldpolitik so lange beibehalten, bis die Inflationsrate einerseits 2 % erreicht und andererseits oberhalb dieses Zielwertes verharrt.

Gewisse Erleichterung für Banken

Die erste Maßnahme zielt darauf ab, die unerwünschten Auswirkungen der Negativzinsen auf den Finanzsektor abzufedern, da dieses Umfeld erheblich auf die Margen drückt. Bei null Prozent auf die zehnjährige japanische Staatsanleihe ergäbe sich trotz negativer Zinsen eine positive Grundtendenz für die Kurve, was die Banken für sich nutzen könnten – in aller Regel nehmen sie nur kurzfristig Geld auf, vergeben ihre Kredite jedoch langfristig. Als direkte Reaktion auf die Ankündigung kam es zu einer Kursrallye, die vom Finanzsektor angeführt wurde.

Höhere Inflationserwartung als Schlüsselfaktor

Mit ihrer zweiten Maßnahme gesteht die Bank of Japan ein, ihr Inflationsziel von 2 % verfehlt zu haben. Dieses durch die Formulierung „überschießend“ noch weiter zu erhöhen, scheint zunächst paradox. Jedoch geht es der Bank vor allem auch darum, die Inflationserwartung der japanischen Wirtschaft zu befeuern. Die Idee dahinter: Ein positives Bekenntnis zu steigenden Preisen soll die Abwärtsspirale der rückläufigen Preisentwicklung durchbrechen, die beispielsweise steigende Löhne verhindert und die niedrige Inflation noch verstärkt.

Weitere Maßnahmen erscheinen notwendig

Die Märkte haben die Maßnahmen der Zentralbank überaus freundlich aufgenommen, die Renditen der Staatsanleihen sind leicht gestiegen und trotz einiger Schwankungen blieb der Yen im Großen und Ganzen stabil. Gut so, denn zunächst hatte das Risiko im Raum gestanden, dass ohne flankierende Zinssenkung die Märkte die heutigen Schritte als aggressive Haltung der Zentralbank hätten auffassen können. Daher stand die Gefahr im Raum, dass der Yen deutlich aufwertet und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwieriger werden. Dies ist zwar nicht eingetreten, doch bleibt fraglich, ob sich die heute verkündeten Maßnahmen spürbar auswirken. Aus unserer Sicht ist das „überschießende Inflationsziel“ ein Schritt in die richtige Richtung, doch muss auch die Öffentlichkeit noch davon überzeugt werden, dass die Bank glaubwürdig die Inflation anheben kann: Doch genau dies war in der Vergangenheit nicht gelungen. Das heißt nicht, dass die Notenbank auch künftig scheitern wird, allerdings könnten weitere Maßnahmen notwendig sein. Daher bleibt es spannend, ob die Bank of Japan bei ihrer nächsten Sitzung am 1. November sich zu einer neuerlichen Zinssenkung entscheiden wird …


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Chefvolkswirt Keith Wade und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.