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Brexit und Niedrigzinsen: Wo liegen noch Chancen für Anleiheanleger?

In Anleihen investieren? Gleichzeitig stabile Renditen erzielen? Damit steigen die Herausforderungen zunehmend. Allerdings stehen auch noch einige Optionen offen.

16.09.2016

Paul Grainger

Paul Grainger

Fondsmanager festverzinsliche Anlagen

Belastung durch den Brexit

Bislang wird noch hitzig diskutiert, was der EU-Austritt Großbritanniens für die regionale und die globale Wirtschaft bedeutet. Die meisten Anleger sind sich jedoch einig, dass das Brexit-Votum die bereits bestehende Unsicherheit am Markt noch verstärkt hat: Eine Tatsache, die Anleiheanlegern das Leben zusätzlich schwer macht.

Die Zinsen befinden sich rund um den Globus nach wie vor auf historischen Tiefständen, während freie Kapitalflüsse durch die Kaufaktivitäten der Zentralbanken beeinträchtigt sind. Die Renditen1 sind erneut gesunken, und das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage führt zu Phasen extremer Wertschwankung im Markt. Dennoch stehen Anleiheinvestoren einige Optionen offen.

Die aktuell extrem lockere Geldpolitik wird sich kurz- und mittelfristig kaum ändern. Tatsächlich ist davon auszugehen, dass sich die unkonventionelle Politik der großen Zentralbanken in den nächsten Monaten noch verstärken wird.

Ein Silberstreif am Horizont

Die Maßnahmen der Zentralbanken haben die Renditen von Staats- und Unternehmensanleihen aus Industriestaaten auf Allzeittiefs gedrückt. Wir erwarten, dass die Jagd nach Rendite fürs Erste eine treibende Kraft bleiben wird. Durch die anhaltend lockere Geldpolitik der Zentralbanken, die sogar noch zunehmen könnte, sind die Schwellenländer wieder zur attraktiven Renditequelle geworden – und damit zu einem Silberstreif am Horizont. Dass die US-Notenbank Fed 2016 eine expansivere Haltung einnimmt, hat sich dieses Jahr auf Anleihen der Schwellenländer bislang positiv ausgewirkt, da diese auf die Stärke des US-Dollar sensibel reagieren. Bis Mitte Juli betrugen die kumulativen Zuflüsse in Schwellenländeranleihen 13,7 Mrd. US-Dollar. Im Vergleich dazu betrugen die Abflüsse im Vorjahr 14,4 Mrd. US-Dollar und die Zuflüsse im Gesamtjahr 2014 11,1 Mrd. US-Dollar.

Unser Team für Festzinsanlagen interessiert sich verstärkt für Lateinamerika, das nach Jahren struktureller Schwächen einen zunehmend unternehmensfreundlichen Eindruck macht. Während sich die politische Unsicherheit in den USA, Großbritannien und der Eurozone aus verschiedenen Gründen verstärkt, gestaltet sich die politische Landschaft in Lateinamerika dank politischer Reformen immer eindeutiger.

Natürlich müssen Anleiheinvestoren die einzelnen Schwellenländer differenziert betrachten. Wer dabei umsichtig vorgeht, dem stehen durchaus Chancen offen.

Mögliche Wege zu stabilen Renditen

Anleger, die sich weiterhin in Anleihen von Industriestaaten engagieren wollen oder müssen, stehen größeren Schwierigkeiten gegenüber. Wir glauben aber, dass auch hier ein Weg zu stabilen Renditen führt.
Der sicherste Ansatz ist unserer Einschätzung nach die Kombination von gesammelten Kupons2 und Kursanstiegen, wenn sich eine Anleihe ihrer Fälligkeit nähert.

Unsere Derivatepositionen3 beschränken oder kompensieren die Zinssensitivität und Kreditrisiken, wodurch wir unsere Engagements in einem unvorhersehbaren Markt reduzieren und gleichzeitig eine stabile Gesamtrendite mitnehmen können. Die meisten Strategien, die sich an einem Vergleichsindex orientieren, lassen einen solchen Ansatz nicht zu. Anleihefonds ohne diese Bindung sind hier flexibler und weniger eingeschränkt.

Ohne Zweifel ist das Investieren in Anleihen heutzutage schwieriger als zu jedem anderen Zeitpunkt seit der Finanzkrise. Die globalen Konjunkturperspektiven sind trübe. Der Gesamtwert der weltweiten Staatsanleihen mit negativer Rendite beläuft sich bereits auf 13 Bio. US-Dollar und wächst weiter. Die politischen Risiken sind hoch. Wir glauben jedoch, dass Anleger mit einem umsichtigen, strategischen Ansatz positive Gesamtrenditen erwirtschaften können, bis sich die Lage wieder stabilisiert.


1 Ertrag einer Kapitalanlage. Sie wird für einen bestimmten Zeitraum, z. B. für ein Jahr berechnet und in Prozent ausgedrückt. Hinweis: Die Angabe erfolgt in der Regel jährlich, wenn dies für das Produkt möglich ist.
2 Regelmäßige Zinszahlung für eine Anleihe. Ausgedrückt in Prozent des Nennwerts der Anlage.
3 Finanzinstrument, dessen Preis oder Wert von dem eines zugrunde liegenden Basiswerts abhängt, in der Regel eines Rohstoffs, einer Anleihe, Aktie oder Währung. Beispiele für Derivate sind Futures und Optionen. Anleger können durch den Kauf und Verkauf von Derivaten das mit dem Basiswert verbundene Risiko absichern, sich gegen Wertschwankungen schützen oder von Stagnationsphasen oder Kursrückgängen profitieren.

Schroders hat in diesem Dokument eigene Ansichten und Meinungen zum Ausdruck gebracht. Diese können sich ändern.