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Fakten zum Klimawandel: Das passierte im Oktober 2015

Das Team von Schroders für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) wirft einen Blick auf aktuelle Berichte: Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Ozeane aus? Was sind die Folgen für die Leistung der Wirtschaft weltweit? Was zählt außerdem noch?

19.11.2015

Schroders ESG Team

Immer neue Temperaturrekorde

Daten der NASA zeigen deutlich, dass die letzten zwölf Monate die heißesten seit 1880 waren. Dies ist eine Folge der anhaltenden globalen Erwärmung – die das derzeit aktive Klimaphänomen „El Niño“ zusätzlich verstärk. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der kombinierte Effekt aus globaler Erwärmung und El Niño sich direkt und spürbar auswirkt: bei der trockenen Witterung und den Waldbränden in Indonesien, der beginnenden Trockenheit in Australien und dem aufkommenden Nahrungsmittelnotstand in Afrika.

 

Erwärmung wirkt sich auf Ozeane aus

Erwärmung und Übersäuerung durch das Aufnehmen von Kohlendioxid: Die Sorge wächst, dass sich dies auf die ökologische Funktion der Ozeane auswirken wird. Wissenschaftler haben zudem bestätigt, dass die Erwärmung der Ozeane im Jahr 2015 das zum dritten Mal auftretende weltweite Ausbleichen der Korallenriffe verursacht. Zu einer Korallenbleiche kommt es, wenn Korallenstöcke so stark belastet werden, dass sie weiß werden, jedoch nicht absterben: Sie stoßen allerdings die Algen ab, die auf ihnen leben. Untersuchungen legen nahe, dass bis zum Ende des Jahres 38 % der weltweiten Riffe betroffen sein werden. Etwa 5 % werden ganz abgestorben sein. Doch nicht nur in den Tropen, auch in der Arktis wirken sich die Veränderungen merklich aus: Verglichen mit den Werten von vor 40 Jahren hat die Dicke des Eises um ganze 85 % abgenommen, was Zahlen aus dem September zeigen. Arktisches Meer-Eis, das über fünf Jahre alt ist, hat sich seit den 1980er-Jahren von mehr als 30 % des gesamten Eisschilds auf heute nur noch 8 % verringert.

Kritische klimatische Punkte könnten bereits eintreten, bevor ein gefährlicher Grad der Erwärmung erreicht ist

Die größte Sorge bereitet möglicherweise ein kürzlich veröffentlichter Bericht;1 aus diesem geht hervor, dass nicht umkehrbare kritische Punkte („tipping points“) in regionalen Klimasystemen früher als gedacht auftreten können: Nämlich noch bevor die Temperaturen auf der Erde höher als 2 °C über das Niveau vor der Industrialisierung steigen (alles darüber sehen Experten als gefährlich an). Wie sehen solche kritischen Punkte konkret aus? Beispielsweise könnte im Amazonasbecken der Regenwald massenhaft absterben. Oder die Arktis im Winter eisfrei bleiben – dass sich das Meer-Eis im Sommer ausdünnt, könnte ein Vorbote dieser Situation sein.

Hochrangige Militärs: Globale Erwärmung schürt Sicherheitsrisiken

Das Militär sieht mit dem Klimawandel verbundene Risiken auch als wachsende Gefahr für bekannte Konfliktursachen an: „Der Klimawandel erhöht das Risiko gewalttätiger Konflikte, da er bekannte Konfliktursachen wie Armut und wirtschaftliche Erschütterungen verschärft – Zeit zu Handeln ist jetzt“2, betont Philippe Vitel, Sonderberichterstatter der Parlamentarischen Versammlung der NATO. Ähnliche Bedenken äußerten 48 ehemalige Außen- und Sicherheitspolitiker, Diplomaten und Militärvertreter. In einer ganzseitigen Anzeige im Wall Street Journal fordern sie parteiübergreifend die US-Führung zum verstärkten Kampf gegen den Klimawandel auf. In Australien erklärte unterdessen der ehemalige Oberbefehlshaber der Streitkräfte, dass diese nicht in der Lage sein werden, die Krisen zu bewältigen, die der Klimawandel verursacht.

Internationaler Währungsfonds: Ab 2016 Klimawandel im Weltwirtschaftsausblick

In diesem Monat veröffentlichte die Prudential Regulatory Authority der Bank of England ebenfalls einen Bericht. Sie hebt darin die Risiken hervor, die der Klimawandel für die Finanzstabilität und die Wirtschaft sowie für Versicherungsgesellschaften birgt. Letztere könnten sich zunehmenden Risiken des Klimawandels gegenübersehen; diese ergeben sich aus drei Schlüsselfaktoren:

  • den physischen Auswirkungen des Klimawandels: also einer steigenden Zahl von Forderungen aufgrund von Schäden durch extreme Wetterbedingungen
  • den Haftungsrisiken: Wer durch den Klimawandel geschädigt ist, könnte künftig Forderungen gegen mögliche Verursacher geltend machen; dies könnte auch Haftpflichtversicherer betreffen
  • den Umstellungsrisiken: CO2-intensive Vermögenswerte dürften im Zuge der Umstellung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft neu bewertet werden

Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, griff diese Besorgnisse auf. Sie bezeichnete den Klimawandel als „makro-kritisches Problem“ – einen Faktor, der beim Erreichen gesamtwirtschaftlicher Ziele eine entscheidende Rolle spielt. Nicht zuletzt deshalb wird der Internationale Währungsfonds die Auswirkungen des Klimawandels ab 2016 in seinen Weltwirtschaftsausblick (World Economic Outlook) mit einbeziehen.

Klimawandel beeinträchtigt Bruttoinlandsprodukt

Das Thema Wirtschaft greift ein weiterer Bericht auf, der diesen Monat erschien.3 Daraus geht hervor, dass der Klimawandel die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft weltweit bis zum Jahr 2100 um gut ein Viertel (23 %) verringern dürfte. Zudem dürften 43 % der Länder im Jahr 2100 ärmer sein als heute: Unter der Annahme allerdings, dass der Ausstoß von Treibhausgasen weiterhin so schnell wächst wie aktuell. Nicht zuletzt dürfte der Klimawandel auch die Unterschiede beim Wachstum von Industriestaaten im Vergleich mit Entwicklungsländern verschärfen (vgl. dazu Abbildung 2). Die Studie beantwortet zudem eine weitere Frage: Wie wirkt es sich kostenmäßig aus, wenn sich alle Länder an ihre Zusicherungen im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Paris halten würden? Dann würden die Kosten der globalen Erwärmung nur 15 % des sonst anfallenden Betrages ausmachen.

Politische Fortschritte ermutigen – weitere Anstrengungen nötig

Insgesamt ist die Analyse der Zusicherungen ermutigend: Die nationalen Klimaziele haben sich im Vergleich mit der letzten Analyse ganz wesentlich verbessert. Halten die Länder an ihren aktuellen Reduktionszielen auch nach 2030 fest, nehmen Experten bis 2100 einen weltweiten Temperaturanstieg um 2,7 °C an. Geht man allerdings nicht über diese Ziele hinaus, ergeben einige Modelle eine globale Erwärmung von bis zu 3,5 °C. Die OECD hat 44 nationale Klimaziele analysiert – und betrachtet, wie sich die durchschnittliche jährliche Reduktion im Vergleich mit historischen Werten auswirkt (vgl. Abbildung 3). Das klare Ergebnis: Der Kurs bei den Reduktionszielen muss sich drastisch ändern. So müssten die USA ihre Emissionen um 2,3 % bis 2,8 % jährlich senken, um ihre Ziele nach 2020 zu erreichen. Die Senkung lag zwischen 2005 und 2012 im Durchschnitt bei lediglich 1,6 %. Die EU müsste die Emission von Treibhausgasen um 2,8 % verringern – in der Vergangenheit lag die Senkung bei nicht mehr als 1,8 %. Insgesamt liegt deutlich auf der Hand: Einerseits müssen politische Rahmenbedingungen den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft fördern. Andererseits werden die Länder zum Erreichen ihrer Klimaziele das Vertrauen der Anleger stärken müssen.

[1] „ Catalogue of abrupt shifts in Intergovernmental Panel on Climate Change climate models“, Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, Ausgabe Oktober 2015
[2] http://www.climatechangenews.com/2015/10/12/nato-security-at-stake-from-climate-change-say-lawmakers/
[3] „Global non-linear effect of temperature on economic production“ Burke et al. Nature, Oktober 2015

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen vom ESG Team und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.