Märkte

US Arbeitsmarktbericht lässt Zinswende im September weiter offen

Der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht zeichnete heute ein gesundes Bild der Beschäftigungslage in den USA. Trotz des Geschehens in China sind wir immer noch überzeugt, dass die US-Notenbank (Fed) den Leitzins am 17. September anheben wird.

04.09.2015

Keith Wade

Keith Wade

Chefvolkswirt

Zwar blieb die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft mit einem Anstieg von 173.000 hinter den Erwartungen von 215.000 zurück. Unterm Strich wurden die Zahlen der letzten Monate aber um 40.000 nach oben korrigiert. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote auf 5,1 %, während die durchschnittlichen Stundenlöhne mit 2,2 % Zuwachs gegenüber dem Vorjahr die Erwartungen leicht übertrafen. Erstere liegt nun nach offiziellen Schätzungen im Gleichgewicht bzw. bei NAIRU (non-accelerating inflation rate of unemployment), d. h. der Quote, bei der die Löhne in der Wirtschaft beschleunigt steigen.

Obwohl offizielle Stimmen forderten, die Fed möge ihre Zinswende angesichts der Unruhen in China und einigen Schwellenländern noch aufschieben, gehen wir weiter davon aus, dass die Bank den Schritt am 17. September einleiten wird. Die Ereignisse in China lassen den Deflationsdruck in der Weltwirtschaft steigen und haben über einen stärkeren Dollar sowie rückläufige Aktien- und Rentemärkte die finanziellen Bedingungen verschärft. Doch diese Entwicklungen sind im Zusammenhang mit einer US-Wirtschaft zu sehen, die stetes, überdurchschnittliches Wachstum genießt und das Tief größtenteils hinter sich gelassen hat.

Die Volatilität an den Finanzmärkten verschafft der Fed Zeit zum Nachdenken. Doch wie schon 2013 spiegeln sich in dieser Volatilität frühere Erwartungen der Zinswende. Anleger haben ihre Beteiligungen in den Schwellenländern schon lange vor den jüngsten Entwicklungen in China abgebaut. Es ist durchaus möglich, dass sich der Volatilitätsanstieg bei Passivität der US-Notenbank in Grenzen hält, da die Positionen bereits angepasst wurden.

Trotzdem könnte eine Zinsanhebung am 17. September die Unruhe an den Märkten erhöhen, wenn sie nicht mit einem klaren Zeichen für eine sehr graduelle Vorgehensweise verbunden ist. Aus Angst vor einer zu schnellen allgemeinen Straffung der finanziellen Bedingungen wird die politische Seite großes Interesse daran haben, laufende Zinsanhebungen, wie beispielsweise in früheren Zyklen, zu vermeiden. Die Botschaft, die dem heutigen Arbeitsmarktbericht zu entnehmen ist, lautet schließlich: Die USA hat den Notzinssatz nicht mehr nötig und kann im weiteren Verlauf des Monats zur Tat schreiten.