Marktausblick

Monatlicher Marktausblick: Juni 2017

Aktualisierung der Prognosen: Politische Risiken legen sich, makroökonomische Sorgen kehren zurück.

13.06.2017

Azad Zangana

Azad Zangana

Volkswirt

Craig Botham

Craig Botham

Schwellenländervolkswirt

Keith Wade

Keith Wade

Chefvolkswirt

Zusammenfassung:

Die globale Konjunkturerholung bleibt intakt und die Inflation hat offenbar den Höhepunkt überschritten, da der Energieschock nachlässt. Politische Risiken verringern sich, während traditionellere makroökonomische Sorgen wieder in den Vordergrund rücken und das Deflationsrisiko zunimmt.
Die Eurozone übertrifft die Erwartungen weiter. Die Inflation ist zwar gestiegen, dürfte aber in den kommenden Monaten zurückgehen, wodurch der Druck auf die Europäische Zentralbank EZB zur Straffung der Geldpolitik abnimmt.

In Großbritannien hat sich das Wachstum wie erwartet verlangsamt, dürfte sich aber später im Jahr wieder erholen, wenn die Inflation den Höhepunkt überschritten hat.

Wir haben die meisten BRIC-Länder Brasilien, Russland und Indien herabgestuft, da sich die Situation dort verschlechtert. China blieb davon verschont. Hier wird nach einem guten ersten Quartal allerdings eine Verlangsamung erwartet, da sich die restriktiveren Maßnahmen bemerkbar machen.

Aktualisierung der Prognosen: Politische Risiken legen sich, makroökonomische Sorgen kehren zurück

Die Erholung der Weltwirtschaft bleibt intakt, während die Inflation nach der Stabilisierung der Energiekosten offenbar den Höhepunkt überschritten hat. Nach einem globalen Wachstum von 2,6 % im Jahr 2016 prognostizieren wir für dieses Jahr nach wie vor 2,9 %, haben jedoch unsere Inflationsprognose von 2,7 % auf 2,4 % reduziert. Dabei berücksichtigten wir das niedrigere Ölpreisprofil und die verhaltenen Kerninflationsraten. Das Thema des unterschiedlichen Wachstums gewinnt an Bedeutung, denn der Verbesserung in der Eurozone steht eine Abschwächung in den USA und den Schwellenländern gegenüber. Im Jahr 2018 dürfte sich das globale Wachstum bei 3 % stabilisieren, wobei die leichten Abwärtskorrekturen bei den Industrieländern voraussichtlich durch eine leichte Aufwärtskorrektur in Japan ausgeglichen werden.

Die Inflation muss erst noch anspringen

Die anhaltend moderate Inflation hat entscheidenden Einfluss auf den Ausblick für die Geldpolitik und die Märkte. Wir rechnen nach wie vor mit einem allmählichen Anziehen der Kerninflationsrate im Jahr 2018, da die Arbeitslosigkeit in den USA weiter zurückgeht – wenn auch nicht stark genug, um eine aggressive geldpolitische Straffung durch die Zentralbank auszulösen. Wir gehen von einem Anstieg des Leitzinses der US-Notenbank Fed auf 1,5 % in diesem Jahr (drei Zinserhöhungen) und auf 2 % bis Ende 2018 (zwei Zinserhöhungen) aus. Dabei dürfte die Fed in der ersten Hälfte des nächsten Jahres eine Pause einlegen, wenn sie mit der Reduzierung ihrer Bilanz beginnt.

In anderen Regionen sollten die Zinssätze unverändert bleiben. In China ist in diesem Jahr keine Änderung der Zinsen zu erwarten, aber 2018 könnten sie weiter gesenkt werden, da die Wirtschaftsaktivität nachlässt. Wir gehen davon aus, dass die EZB ihre quantitative Lockerung im Prognosezeitraum fortsetzt, sie aber 2018 allmählich drosselt. Die Bank of Japan wird die Leitzinsen voraussichtlich unberührt lassen, aber die quantitative und qualitative Lockerung beibehalten, da sie nach wie vor eine Inflation von über 2 % anstrebt.

Szenarios: Nachlassende politische Risiken

Im Vergleich zu unserer letzten Aktualisierung der Prognosen im Februar hat sich die Risikobilanz in eine deflationärere Richtung verschoben, da die Besorgnisse über eine harte Landung in China und eine langfristige Stagnation zurückgekehrt sind. Das Risiko einer Stagflation hat abgenommen, da das Szenario eines „zunehmenden Protektionismus” unwahrscheinlicher erscheint. Die politischen Risiken im Zusammenhang mit der Regierung Trumps haben ebenfalls nachgelassen und das Szenario einer „fiskalischen Reflation“ verliert an Bedeutung. Unter dem Strich wurden die geringeren politischen Risiken in Europa und den USA durch traditionellere gesamtwirtschaftliche Risiken im Hinblick auf China, eine langfristige Stagnation, Inflation und das Auslaufen der quantitativen Lockerung der US-Notenbank abgelöst.

Europa: zunehmend stärker

Die Aussichten für die Eurozone sind gut. Wir haben die Wachstumsprognose von 1,5 % im Jahr 2017 auf 1,8 % nach oben korrigiert, womit unsere Prognose jetzt über der Konsenserwartung liegt (1,7 %). Die Inflationsprognose für 2017 hat sich nicht geändert (1,6 %). Infolgedessen haben wir unsere Prognose für die Zentralbankpolitik nicht geändert. Wir erwarten, dass die Zentralbank ihre monatlichen Wertpapierkäufe im Januar 2018 erneut zurückfährt (auf 40 Mrd. Euro pro Monat) und im dritten und vierten Quartal bis zum Ende des Jahres 2018 weiter auf 10 Mrd. Euro pro Monat senkt. Dies sollte den Weg für Zinserhöhungen Anfang 2019 ebnen.
Aktuelle Einschätzung der politischen Risiken
Im Hinblick auf das Risiko und die Gesamtwirtschaft begrüßen wir den Sieg Emmanuel Macrons bei den französischen Präsidentschaftswahlen. Auf die Aussicht vorgezogener Neuwahlen in Italien haben Anleger jedoch negativ reagiert. Dies liegt vermutlich an der Gefahr, dass eine von der Fünf-Sterne-Bewegung angeführte Regierung gewählt werden könnte. Wir vermuten, dass sich italienische Aktien und Anleihen weiter abschwächen, sobald der Wahltermin feststeht.

Großbritannien geht nun doch die Luft aus

Die von den meisten Ökonomen erwartete Verlangsamung der britischen Wirtschaft ist schließlich eingetreten. Deshalb haben wir unsere Prognosen für 2017 von 1,8 % auf 1,7 % gesenkt. Wir rechnen jedoch nach wie vor mit einer Verbesserung in der zweiten Jahreshälfte, da die Inflation den Höhepunkt überschreitet. Die Prognose für 2018 bleibt unverändert. Die Inflation dürfte von 0,7 % im Jahr 2016 auf 2,8 % im Jahr 2017 steigen und 2018 wieder auf 2,2 % sinken. Die Bank of England wird ihre Geldpolitik voraussichtlich unverändert lassen, wobei das Risiko einer weiteren Lockerung zunimmt.

Update zu den Wahlen: Von der Krönung zum Wettkampf?

Es sieht ganz so aus, als würde es jetzt zu einem echten Wettkampf um den Einzug in die Nummer 10 Downing Street kommen, anstatt zur „Krönung“ von Theresa May. In den Meinungsumfragen wird May allerdings immer noch als Favoritin gehandelt. Sie hat die größte Unterstützung der Altersgruppe der über 50-Jährigen, die ein bedeutendes Segment der Bevölkerung bildet und vor allem auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zur Wahl geht. Die Labour Party genießt die Unterstützung jüngerer Altersgruppen, aber die geringe Wahlbeteiligung ist ein signifikantes Handicap. Wenn die Partei jedoch ihre gegenwärtige Dynamik beibehalten und jüngere Wähler überzeugen könnte, ihre Stimme abzugeben, wäre ein Labour-Sieg durchaus möglich. 

Schwellenländer: Unterschiedliche Entwicklungen

Wir senken die Wachstumsprognosen für die meisten BRIC-Länder mit Ausnahme Chinas. Aufgrund der niedrigeren Rohstoffpreise, dem schwächeren Wachstum und der überraschend niedrigen Inflation im ersten Quartal rechnen wir mit einer geringeren Inflation als im letzten Quartal.

China: Werden die Schulden schließlich reduziert?

Das BIP-Wachstum im ersten Quartal übertraf die Erwartungen und insgesamt erkennen wir nach wie vor eine Verlagerung der Wachstumsbeiträge in die richtige Richtung, denn der Dienstleistungssektor ist immer noch der wachstumsstärkste Bereich der Wirtschaft. Die Bemühungen zur Eindämmung der Fremdfinanzierung wurden in diesem Jahr verstärkt, und es gibt definitiv erste Anzeichen eines Schuldenabbaus. Dennoch wächst die Verschuldung immer noch stärker als das Bruttoinlandsprodukt. Es besteht zwar Spielraum, um die restriktivere Geldpolitik durch eine gelockertere Fiskalpolitik zu kompensieren, aber es sieht zunehmend so aus, als wäre dies eine Aufgabe für die Zentralregierung. Wir prognostizieren für 2017 ein BIP-Wachstum von 6,6 % (keine Änderung zur letzten Prognose) und eine Inflationsrate von 2 % (gegenüber bisher 2,5 %).

Brasilien: Rückkehr der Turbulenzen

Nach Berichten, dass Präsident Temer ebenfalls in die brasilianische Korruptionssaga verstrickt ist, scheint eine indirekte Wahl (bei der der Kongress einen neuen Präsidenten für den Rest dieser Legislaturperiode wählt) am wahrscheinlichsten. Für die Reformfortschritte wäre dies jedoch negativ, und die zögerliche Konjunkturerholung seit der Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff scheint gefährdet. Infolgedessen reduzieren wir unsere Wachstumserwartungen (von 0,7 % auf 0,2 % im Jahr 2017), heben unsere Prognosen für eine geldpolitische Lockerung aber leicht an.

Russland: Ölpreis dürfte das Wachstum belasten

Wir rechnen zwar nach wie vor mit einer Beschleunigung des Wachstums gegenüber dem aktuellen Niveau. Doch ein schwächerer Ölpreis würde die Aktivität im Vergleich zu unserer letzten Prognose belasten. Deshalb prognostizieren wir ein BIP-Wachstum von 1,1 % im Jahr 2017 (bisher 1,6 %). Wir gehen von einem Zinssatz von 8,25 % zum Jahresende aus, da die Frontlastigkeit des Zyklus anhält. Für 2018 prognostizieren wir nach wie vor einen Zinssatz von 8 %. An der politischen Front kommt erneut vorsichtig Hoffnung im Hinblick auf die Reformaussichten auf. Nach den bisherigen Erfahrungen sollten sich die Anleger jedoch keine allzu großen Hoffnungen machen.

Indien: Effekt der Steueränderungen ungewiss

Nach vielen Jahren schickt sich Indien an, eine Waren- und Dienstleistungssteuer (GST) einzuführen. Für das mittel- bis langfristige Wachstum dürfte dies ein positiver Schritt sein, auch wenn er kurzfristig Störungen hervorrufen könnte. Wir rechnen mit unveränderten Zinssätzen, obwohl eine weitere Verbesserung der Inflation den Zinssenkungsdruck verstärken könnte.


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