Marktausblick

Monatlicher Marktausblick September 2015

In diesem Monat werfen unsere Experten einen Blick auf das ins Schwanken geratene China sowie die Flüchtlingskrise, die Europa in Schach hält und die Entwicklung der Schwellenländer.

16.10.2015

Azad Zangana

Azad Zangana

Volkswirt

Craig Botham

Craig Botham

Schwellenländervolkswirt

Keith Wade

Keith Wade

Chefvolkswirt

Der Makro-Effekt einer Konjunkturverlangsamung in China

Zusammenfassende Betrachtung:

  • Die außergewöhnlich hohen Risiken in China sind gestiegen und stellen für die Investoren derzeit die größte Sorge dar. Die Schwellenländer wären von einer harten Landung in China am stärksten betroffen, obwohl auch entwickelte Volkswirtschaften wie etwa Japan und Deutschland gefährdet sind. Da es den Zentralbanken an weiteren Optionen fehlt, dürften die Zinssätze als Reaktion für längere Zeit niedrig gehalten werden. Wir rechnen mit der ersten Zinserhöhung der USA nun erst im März 2016.
  • Die Sorgen um China haben auch den europäischen Märkten zugesetzt, wobei Deutschland unter den vier großen Mitgliedstaaten am stärksten in China engagiert ist. Angesichts der Verteilung der Umsätze Deutschlands im Ausland sind Kapitalanlagen im Ausland für die Exporte entscheidend.
  • Die makroökonomischen Auswirkungen der europäischen Flüchtlingskrise sind positiv, da dadurch kurzfristig öffentliche Ausgaben initiiert werden und die Hilfen mittelfristig die demografische Herausforderung für Europa abmildern könnten.
  • Der Handel und die Währungen der Schwellenländer haben im vergangenen Jahr sehr gelitten. Eine Wiederbelebung des Handels beruht eher auf einem Wiederaufleben des Wachstums als auf weiteren Abwertungen, was in jedem Fall Risiken birgt.

Der makroökonomische Einfluss Chinas

Wir sind bezüglich Chinas weiterhin der Auffassung, dass die Wirtschaft zwar auch in den kommenden Quartalen unter Druck stehen, aber keinen plötzlichen Einbruch erleben wird. Das Risiko einer harten Landung ist dennoch gestiegen. Analyse von Makro-Modellen . Es zeigt, dass es vor allem die Schwellenländer sein werden, die die Hauptlast einer harten Landung Chinas zu tragen haben werden. Als Übertragungsmechanismus wirken dabei zunächst die niedrigeren Öl-und Metallpreise, wovon die Rohstoffexporteure betroffen sind. Dann werden Investitionen im Rohstoffsektor sowie staatliche Investitionen aufgrund von fiskalischen Zwängen zurückgefahren.

Betrachtet man die Länder im Einzelnen, so ist zu erkennen, dass größtenteils Investitionskürzungen für den Wachstumsrückgang in den rohstoffreichen Ländern Brasilien und Russland verantwortlich sind. In Indien hat vor allem der Exportrückgang starke Auswirkungen auf das BIP. Unter den Industrieländern ist Japan durch seine engen Handelsverbindungen zu China (18 % der Exporte) am meisten betroffen. Deutschland liegt jedoch nicht weit dahinter und auch Italien ist recht anfällig. Wohingegen die Auswirkungen auf Frankreich, Großbritannien und die USA weniger stark sind. Weitere Informationen zu den Auswirkungen auf Europa finden Sie im folgenden Abschnitt.

Die Neubewertung der künftigen Zinspolitik der Fed

Die Meinung, dass die Geldpolitik den Investoren Wachstum garantieren kann, verliert zunehmend an Glaubwürdigkeit. So fehlt es den Verantwortlichen an Optionen, um auf Negativschocks wie die Konjunkturverlangsamung Chinas zu reagieren, da sich die Zinsen bereits bei null oder kurz davor befinden.

Dies mögen sich die Anleger gedacht haben, als die US-Notenbank im September entschied, den Leitzins nicht zu erhöhen. Obwohl die Vorsitzende Janet Yellen gesagt hatte, sie erwarte noch in diesem Jahr eine Zinssatzanhebung, ist die Entscheidung von der Datenlage abhängig. Der Zeitraum erscheint in Ermangelung einer raschen Wende in China und den Schwellenländern unrealistisch. Wir haben nun unsere Prognose für die erste Zinsanhebung auf März des kommenden Jahres verlegt und die Zinskurve so abgeflacht, dass das Zinsniveau am Ende des Jahres 2016 die Ein-Prozent-Marke erreicht. Diese Änderung spiegelt den Anstieg des US-Dollars, höhere globale Risiken und die Erkenntnis wider, dass Yellens Fed schlichtweg zu gemäßigt ist.

Weltwirtschaft immer mehr wie im Jahre 1997

Es gab zuletzt viele Vergleiche mit dem Jahr 2013, als sich die Fed vor der Entscheidung drückte, als Reaktion auf den Druck der Märkte ihre Geldpolitik zu straffen. Das heutige Umfeld ähnelt allerdings eher dem der späten 1990er-Jahre, als die Finanzkrise Asiens Ängste vor einer globalen Deflation auslöste und über einen längeren Zeitraum hinweg zu niedrigen Inflationsraten und Zinsen führte. Auch die heutige niedrige Inflation führt dazu, dass die Zentralbanken die Zinsen für längere Zeit unverändert belassen werden. Selbst wenn, werden die Zinsen nicht so stark steigen wie erwartet. Dadurch wird es weiterhin zu einer Verzerrung des Wachstums der Industrienationen zugunsten von Dienstleistungen und Binnenaktivität kommen. Die Kehrseite ist, dass dadurch mehr Finanzmarktblasen entstehen könnten (so wie in den späten 1990er-Jahren) und dass in Anbetracht des niedrigen Zinsniveaus die Währungskriege anhalten. Das Risiko einer weiteren Abwertung des chinesischen Yuan sollte ernst genommen werden.

Eurozone: Chinesischer Wachstumsrückgang trifft auf Flüchtlingskrise

Um die unmittelbare Auswirkung einer harten Landung Chinas oder einer weiterreichenden Krise der Schwellenländer auf Europa bewerten zu können, müssen wir den Exportanteil in diese Länder untersuchen. 9,5 % des Nicht-EU-Handels der Europäischen Union geht in die sieben großen Schwellenländer , in denen unserer Meinung nach eine Konjunkturverlangsamung droht: beträgt 3,1 % des nominalen BIP. Deutschland ist in diesen Ländern, und vor allem in China, am stärksten engagiert. Insgesamt etwa 6,3 % der deutschen Exporte gehen nach China und Hongkong, was einem Äquivalent von 2,3 % des deutschen BIP entspricht. Frankreich, Italien und Spanien exportieren ebenfalls in erheblichem Umfang nach China und Hongkong, kommen aber lediglich auf einen BIP-Anteil von unter 1 %.

Europa insgesamt würde bei einer harten Landung Chinas schweren Schaden nehmen. Unsere grundlegende Meinung, dass es eher zu einer strukturellen Abschwächung anstatt zu einer harten Landung kommen wird, lässt uns jedoch darauf schließen, dass sich die Exporte insgesamt recht gut behaupten könnten, zumal die anderen Industrieländer immer noch den Löwenanteil der Gesamtexporte auf sich vereinen. Zudem verzeichnen bestimmte Märkte wie die USA und Großbritannien ein robustes Wachstum.

Europas Flüchtlingskrise

Aus Makro-Sicht betrachtet ist die Wirkung der ankommenden Flüchtlinge im Allgemeinen positiv. Kurzfristig stellen die zusätzlichen Staatsausgaben für Leistungen und Sozialhilfe für Zuwanderer eine fiskalpolitische Stimulation dar. Da die Flüchtlinge bei ihrer Ankunft zudem über nur wenig oder gar kein Vermögen verfügen, geben sie voraussichtlich alle Mittel, die sie erhalten, aus, wodurch der fiskalische Multiplikatoreffekt verstärkt wird. Die Kosten werden jedoch dem Staatshaushalt zufallen, sodass die Defizite etwas steigen werden. Mittel- und längerfristig führt die Migration zu einem höheren Bevölkerungsanteil im erwerbsfähigen Alter, wodurch das BIP-Wachstum angekurbelt wird. Auch kommt es zu einer bedeutenden Erleichterung bezüglich des in Europa gegenwärtigen Problems der Überalterung der Bevölkerung.

Retten Währungsabwertungen die Schwellenländer?

Der Einbruch des Handels hat Bedenken hinsichtlich des Zustands der globalen Nachfrage und insbesondere der Zukunft der Schwellenländer ausgelöst. Misst man den Handel jedoch am Volumen, so lässt sich feststellen, dass er zwar schwach, der Einbruch allerdings weniger ausgeprägt war. Der Unterschied zwischen beiden Größen unterstreicht die Bedeutung der schwächeren Rohstoffpreise und vor allem des viel stärkeren Dollars. Da diese Folgen aus den Jahresvergleichen herausfallen, sollte der Handel wertmäßig langsam besser aussehen. Die Handelsvolumina, die einen besseren Indikator für die Nachfrage darstellen, stehen momentan mehr oder weniger im Einklang mit dem globalen Wachstum. Jede Wiederbelebung der Volumina hängt von einem weltweiten Wiederaufschwung ab.

Der schwache Handel hat eine Rückkehr zu kompetitiven Abwertungen bewirkt, mit denen versucht wird, die Exporte anzukurbeln. Dies war bisher jedoch nur begrenzt erfolgreich. Die Auswirkungen der Abwertung auf die Exportleistung gehen mit der Zeit zurück, denn die globalen Versorgungsketten sind zunehmend integriert. Außerdem sind heute höhere Abschreibungen nötig, um eine ähnliche Stimulation des Handels zu erreichen. Damit ergeben sich Risiken für die Binnenwirtschaft, die Bedienung von auf US-Dollar lautenden Schuldtiteln wird zunehmend teurer und die Inflation nimmt zu, da die Kosten für importierte Waren steigen. Wir stellen allerdings fest, dass die Wirkung der Inflationsrate von Land zu Land sehr unterschiedlich ist.

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen vom Schroder Investment Managements Economics Team und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.