Multi-Asset-Kommentar

Juli 2015: Sind die Schwellenländer für die baldige Zinsanhebungen in den USA gewappnet?

Im vergangenen Monat legten wir dar, wie wirtschaftlich anfällig die Schwellenländer in einer Umgebung mit steigenden US-Zinsen sein können. In Anknüpfung an dieses Thema gehen wir nun noch detaillierter auf die Risikoaufschläge dieser Staaten ein.

28.07.2015

Multi-Asset Investments

Die Schwäche der Schwellenländer zwingt zu einem Fokus auf Qualität

Im vergangenen Monat legten wir dar, wie wirtschaftlich anfällig die Schwellenländer in einer Umgebung mit steigenden US-Zinsen sein können.

In Anknüpfung an dieses Thema gehen wir nun noch detaillierter auf die Risikoaufschläge dieser Staaten ein.

Unserer Ansicht nach leiden die Schwellenländer allgemein an einer Konjunkturschwäche, die von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird. Hier könnte eine jahrelanger Heilungsprozess vonnöten sein.

Aktien

Aktien der Schwellenländer sind, gemessen am MSCI Emerging Markets Index, auf ein Vierjahrestief gefallen, nachdem sie im Mai auf den höchsten Stand in 12 Monaten geklettert waren.

Beim Blick über die Performance des Indexes hinaus erkennt man, dass ein großer Teil der unterdurchschnittlichen Wertentwicklung bei diesen Titeln den rohstoffbezogenen Sektoren zuzuschreiben ist.

Daraus lässt sich Folgendes schließen: Zur Werteinschätzung in den Schwellenländern muss man sich die Rohstoffpreise und die Aussichten auf eine Konjunkturerholung in China anschauen.

Allerdings ist unsere Expertengruppe für Risikoaufschläge bei Rohstoffen generell weiter vorsichtig. Wir scheuen so lange eine positivere Einschätzung von Schwellenländeraktien, bis wir in diesem ganzen Universum mehr Wert erkennen.

Abbildung 1 zeigt die relative Wertentwicklung des Schwellenländeruniversums (gegenüber dem S&P 500 Index) über 12 Monate im Vergleich und hebt die krasse Underperformance in den Rohstoffsektoren dieser Länder hervor.

Die jüngsten Maßnahmen der chinesischen Zentralbank sind ein Indikator dafür, dass die Gefahr eines ernsthaften Abschwungs in China gestiegen ist. Dieses Warnsignal zeigt ebenfalls, dass die erhoffte Konjunkturerholung in diesem Land möglicherweise noch weit entfernt ist.

Daher bleiben wir gegenüber Aktien der Schwellenländer allgemein negativ eingestellt.

Fixed Income

Die Schwellenländeranleihen haben seit April zu kämpfen und das sowohl in harten Währungen als auch in Landeswährungen.

Zwar wird ihre Wertentwicklung zum einen durch das beschränkte Wachstum dieser Staaten und zum anderen durch Sorgen über die Geldflüsse in den Sektoren behindert.

Doch eine relativ zahme Zinserhöhung seitens der Fed dürfte durch die anhaltend akkommodative Geldpolitik in der Eurozone und in Japan teilweise kompensiert werden.

Gestützt durch gesunde Fundamentaldaten und stabile Zuflüsse haben sich Anleihen der Schwellenländer in Fremdwährung im Laufe dieses Jahres als relativ robust erwiesen.

Wir ziehen Anleihen in harter Währung immer noch denen in Landeswährung vor. Außerdem gehen wir davon aus, dass sich bonitätsstarke Papiere in dieser Phase der gestiegenen Volatilität besser entwickelt werden.

Wir bewahren eine neutrale Haltung in Bezug auf die Spreads der Schwellenländer in harter Währung gegenüber US-Staatsanleihen. Die attraktive Rendite dürfte die zukünftige Performance begünstigen.

Das Thema lokale Zinsen in den Schwellenländern wird zunehmend interessanter, dürfte allerdings unter Druck geraten, sobald die Fed mit ihrer Zinsnormalisierung beginnt.

Angesichts der sehr viel billigeren Währungen und der hohen Nominalrenditen dürften Schwellenländeranleihen in Lokalwährung unserer Ansicht nach allerdings sehr viel besser für die kommende Zinserhöhung aufgestellt sein als vor dem „Taper Tantrum“ 2013.

Derzeit werden Schwellenländeranleihen in Landeswährung bei Spreads von rund 4,70 % gegenüber US-Staatsanleihen gehandelt, d. h. am höheren Ende der historischen Spannweite. Entsprechend bleiben wir gegenüber Schwellenländeranleihen in Landeswährung vereinzelt vorsichtig.

So sehen wir beispielsweise Polen und Südafrika negativ. Das liegt an dem potenziellen Druck, den die schwachen Währungen von unten auf die Inflationserwartungen ausüben.

Devisen

Wir beziehen nach wie vor eine relativ vorsichtige Haltung, was Schwellenländeranleihen gegenüber dem US-Dollar anbelangt.

Wie bereits im vergangenen Monat erläutert, dürfte die Zinsnormalisierung der US-Notenbank mit höherer Volatilität einhergehen, wenn Anleger ihr Kapital aus höherrentierlichen Währungen wieder abziehen werden.

Unserer Ansicht sind der südafrikanische Rand, die türkische Lira und der brasilianische Real am stärksten von diesem Risiko bedroht.

Besonders negativ sehen wir hierbei den südafrikanischen Rand. Er wurde diesen Monat von unserer Gruppe für Währungsrisikoaufschläge auf einfaches Minus herabgestuft. Verstärkt wird diese Einstufung durch die Doppelminus-Bewertung von südafrikanischen Anleihen in Landeswährung durch unsere Gruppe für Durationsrisikoaufschläge.

Positiver stehen wir jetzt der türkischen Lira gegenüber. Denn unserer Überzeugung nach werden die negativen Meldungen schon jetzt eingepreist. Allerdings besteht die Möglichkeit für Volatilität im Rahmen der anstehenden Wahlen.

Negativ sehen wir auch nach wie vor die asiatischen Währungen wie den Singapur-Dollar und den koreanischen Won. Grund dafür ist der Deflationsdruck in der ganzen Region.

Fazit

Angesichts der großen Unterschiede bei der Wachstums- und Inflationsdynamik im gesamten Schwellenländeruniversum ist es wichtig, die Schwellenländer sowohl aus der Bottom-up- als auch aus der Top-down-Perspektive zu betrachten.

Wenn die Fed die Zinswende einleitet, dürften sich höherwertige Länder besser entwickeln als die Schwellenländer allgemein.Denn diese könnten durch eine Reihe von Risikoaufschlägen unter erheblichen Druck geraten.

Unsere Research-Gruppen für Risikoaufschläge behalten die Anlageklassen der Schwellenländer und ihre Rolle in unseren Portfolios weiter aufmerksam im Auge.

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von der Schroders’ Multi-Asset Group und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders odere anderen Marktteilnehmer ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.