Multi-Asset-Kommentar

März 2016: Wie geht es mit dem US-Dollar weiter?

Der schwache US-Dollar sorgte neben weiteren Faktoren in den letzten 15 Jahren für Rückenwind. Die Aufwertung der vergangenen beiden Jahre hingegen bewirkte eine enorme Anspannung an den Märkten.

22.03.2016

Multi-Asset Investments

Wie geht es mit dem US-Dollar weiter?
In den letzten 15 Jahren kam der Weltwirtschaft der Rückenwind zugute, den drei Hauptfaktoren ausmachten: ein allgemein schwacher US-Dollar, das Reinvestieren von Handelsüberschussreserven und den Petrodollars aus dem Ölgeschäft sowie beträchtliche US-Dollar-Kreditaufnahme. Dass die Währung in den letzten zwei Jahren enorm aufgewertet hat, führte zu beträchtlicher Anspannung in der Weltwirtschaft.

Auswirkungen auf China
Der Einfluss des stärkeren US-Dollar war in China am unmittelbarsten und deutlichsten zu spüren. Schließlich importiert das Land wegen seiner Wechselkursanbin-dung die geldpolitischen Bedingungen der USA. Das chinesische Wachstum verlangsamte sich, weil sich das Exportwachstum abgeschwächt hatte. Grund hierfür wiederum war die gesunkene Wettbewerbs-fähigkeit (Abbildung 1).

Abbildung 1: Einfluss des Yuan auf das chinesische Exportwachstum

 Quelle: Bloomberg, Monatsdaten von April 2014 bis Januar 2016. Wechselkurs Euro–Yen; rechte Seite und um sechs Monate verzögert..

Da das Wachstum unter Druck geraten war, kam es in dem Versuch, gegenzusteuern, zu einer binnenwirt-schaftlichen Lockerung. Die geringeren Anlagechancen führten in Verbindung mit den niedrigen Zinsen zu Kapitalabflüssen (Abbildung 2). Diese wiederum setzten die Wechselkursanbindung des chinesischen Yuan unter Abwertungsdruck. Gleichzeitig exportierten sie den Druck auf die Preisniveaus in die Weltwirtschaft.

Abbildung 2: Kapitalabflüsse schwächen Yuan


Quelle: Bloomberg, Monatsdaten von Januar 2000 bis Februar 2016.

Auswirkungen auf die USA
Der stärkere US-Dollar trug zu schwierigeren Bedingungen in den USA bei. Denn die Stärke des US-Dollar schwächte die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft. Außerdem belastete die vormals blühenden Sektoren Produktion und Industrie. Das ist eine Folge rückläufiger Nachfrage nach US-Exporten. Diese geht wiederum sowohl auf den gestiegenen Wechselkurs wie auch auf Zölle oder Einfuhrobergrenzen in den Schwellenländern zurück. Dadurch sank das US-Handelsdefizit ohne Energieprodukte wieder auf die Niveaus der 2000er Jahre – dem Höhepunkt der Handelsbeziehungen zwischen den USA und China.

Abbildung 3: Dollarstärke schadet US-Handelsbilanz


Quelle: Bloomberg, Quartalsdaten von Q4 1992 bis Q4 2015.

Abschwächungspotenzial des US-Dollar
Ein schwächerer US-Dollar würde in vielerlei Hinsicht für eine Entspannung der Weltwirtschaft sorgen. Mögliche Effekte sehen wir bei

  • chinesischen Kapitalflüssen
  • der chinesischen Währung
  • Rohstoffen
  • Schwellenländern
  • der US-Wirtschaft

Der Spielraum oder die Bereitschaft dafür ist unseres Erachtens jedoch kaum vorhanden. Durch eine Aufwertung des Yen oder des Euro würden diese Volkswirtschaften nach unserem Dafürhalten rasch an Schwung verlieren. Aus diesem Grund sind weder die japanische Notenbank noch die Europäische Zentralbank offenbar gewillt, eine deutliche Stärke ihrer Währungen zuzulassen.

Fazit
Unseres Erachtens ist ein Punkt erreicht, an dem die unterschiedlichen Ansätze in der Geldpolitik sich schädlich auswirken. Denn jede weitere deutliche Aufwertung des US-Dollar infolge einer Erholung des US-Wachstums belastet wiederum das Wachstum der Weltwirtschaft. Wir sehen auch wenig Spielraum für eine Abschwächung des US-Dollar gegenüber anderen bedeutenden Währungen, da diese Volkswirtschaften nicht in der Lage oder gewillt sind, einen stärkeren Wechselkurs zu akzeptieren.

Wir gehen daher davon aus, dass die bedeutenden Währungen sich weiter seitwärts entwickeln. Zumindest, bis es mehr Anhaltspunkte gibt, dass sich die Volkswirtschaften anpassen konnten und dem Druck durch den stärkeren Dollar standhalten können.

Sollte sich die US-Konjunktur abschwächen und sich der Kurs der US-Notenbank zunehmend zurückhaltender, dürfte sich dies unterstützend auf Anlagen wie Gold auswirken. Zumindest, wenn der Spielraum oder die Bereitschaft fehlt, den Dollar gegen andere bedeutende Währungen abwerten zu lassen.


Wichtige Hinweise: Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von der Schroders’ Multi-Asset Group und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.