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Troika, Reformen, Rettungsschirm: Operation gelungen?

Darum schneiden nur einige der Länder, die unter dem Rettungsschirm der Troika standen, heute besser ab als die anderen.

11.04.2016

Azad Zangana

Azad Zangana

Volkswirt

Die europäische Staatsschuldenkrise zwang viele Länder, notwendige Steuer- und Strukturreformen anzugehen. Die sogenannte Troika war eine Gruppe aus Institutionen, die finanzielle Hilfe leistete – und im Gegenzug die Umsetzung einiger dieser Reformen forderte. Heute lautet nun die Frage:

Waren die Reformen erfolgreich?

Es gibt gute genauso wie auch schlechte Beispiele, wie sich die Beteiligung der Troika ausgewirkt hat. Irland und Portugal etwa schnitten im Anschluss an die Hilfsmaßnahmen sehr gut ab. Griechenland hingegen hatte trotz seiner aktuellen Verbesserungen zu kämpfen. Spanien gehörte in den letzten Jahren zu den führenden Volkswirtschaften und war nicht Teil eines Troika-Programms.

​Mit Blick auf die Reformen selbst lässt sich zusammenfassen, dass einige von ihnen das Wachstum positiv beeinflusst haben – darunter das Senken ineffizienter Ausgaben genauso wie das Verringern von nutzlosen Aufwänden. Hat ein Land die öffentlichen Ausgaben beschnitten, wirkte sich dies auch negativ auf das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes aus. Gleichzeitig dämpfen Steuererhöhungen fast immer auch die wirtschaftliche Aktivität. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass der Aufschwung ausschließlich auf Steuerreformen zurückzuführen ist.

Ohne Reformen kein Wachstumsschub

Steuerreformen waren grundlegend für den Aufschwung: Denn ohne die Sanierung der Staatsfinanzen wäre das Vertrauen der Anleger nicht wieder zurückgekehrt, man hätte weiterhin eine Prämie für den Kauf von Staatsanleihen verlangt und damit wären die Kapitalbeschaffung der Staaten weiterhin teuer geblieben. Es stimmt natürlich, dass die Europäische Zentralbank ihren Teil dazu beigetragen hat, dass die Renditen auf Staatsanleihen zurückgegangen sind. Länder wie Irland und Portugal profitierten allerdings am meisten von der Kehrtwende der Staatsfinanzen.

Die Steuerreformen waren nur eine Voraussetzung. Das Wachstum wurde jedoch am stärksten von den strukturellen Reformen auf den Produkt-, Dienstleistungs- und Arbeitsmärkten angetrieben. Die Aufhebung von Eintrittsbarrieren hat die Märkte für den Wettbewerb geöffnet. Dadurch entstand ein zusätzliches Angebot, das zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Einkommen beitrug und gleichzeitig niedrigere Preise und ein höheres verfügbares Haushaltseinkommen zur Folge hatte.

In Portugal und Spanien hat sich dies sehr stark ausgewirkt. In Italien und Frankreich hingegen ging der Reformprozess langsamer, was wiederum zu geringeren Verbesserungen führte.

Wie können Arbeitskräfte von den Reformen profitieren?

Aus der Perspektive des Einzelnen ist der Nutzen dieser Reformen nur schwer erkennbar. Viele Beschäftigte erscheinen gut geschützt. Sie profitieren von sicheren Branchen und Arbeitsverträgen sowie einem schwerfälligen Arbeitsrecht. Hebt man diese Schutzmechanismen auf, können Unternehmen ohne hohe Kosten Mitarbeiter einstellen und entlassen. Dies ermöglicht es den Unternehmen, ihre Produktivität zu steigern und riskantere Investitionen zu tätigen. Letztendlich haben eine höhere Rentabilität und Produktivität eine sinkende Arbeitslosigkeit und ein besseres Lohnwachstum zur Folge.

Strukturreformen sind tendenziell für junge Menschen fantastisch, wenn sie gut ausgebildet sind, nachrangige befristete Arbeitsverträge abschließen mussten und hungrig nach beruflichem Erfolg sind. Deshalb sind Reformen möglicherweise das einzige Mittel, um in den fraglichen Ländern mittelfristig die Abwanderung dieser jungen Talente zu verhindern.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Azad Zangana, Senior European Economist & Strategist, und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.

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