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Der „3D Reset“: Demografie

Die Demografie ist eines der drei „Ds“, von denen wir glauben, dass sie die neue wirtschaftliche Realität prägen werden, die durch eine höhere Inflation gekennzeichnet sein wird. Wir erklären, wie.

01.07.2023
robot regime shift

Authors

Simon Keane
Investment specialist

Die globale Pandemie hat die Verletzlichkeit der Arbeitsmärkte deutlich gemacht, und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Regierungen vieler großer Volkswirtschaften bereits an ihre Grenzen gestoßen waren, um die negativen Auswirkungen des demografischen Wandels auszugleichen. Es wird erwartet, dass bis zum Ende dieses Jahrzehnts die erwerbsfähige Bevölkerung in den größten Volkswirtschaften der Welt insgesamt schrumpfen wird.

Dies wird zu einem Rückgang des Arbeitskräfteangebots führen, was das Wachstum belasten und die Inflationstendenzen in der Weltwirtschaft verschärfen wird, solange Arbeitskräftemangel und Lohndruck bestehen.

Darüber hinaus wird dies höchstwahrscheinlich zu verstärkten Investitionen in Technologien führen, die sich auf Automatisierung, Robotik und künstliche Intelligenz (KI) konzentrieren, da die Unternehmen bestrebt sind, steigende Arbeitskosten durch Produktivitätssteigerungen auszugleichen.

Demografischer Wandel wirkt sich langsam, aber sicher auf die Arbeitsmärkte aus

Vor der Pandemie trug die Anhebung des Rentenalters dazu bei, einige der negativen demografischen Trends auf den Arbeitsmärkten auszugleichen.

Covid-19 hat jedoch die Bereitschaft der Menschen im erwerbsfähigen Alter, weiterhin am Erwerbsleben teilzunehmen, auf eine harte Probe gestellt, ganz zu schweigen von der Bereitschaft älterer Arbeitnehmer, länger auf dem Arbeitsmarkt zu bleiben.

Der drastische Rückgang der Erwerbsquoten in den großen Volkswirtschaften im Zuge der Gesundheitskrise verdeutlicht den Verlust des Interesses, beruflich aktiv zu bleiben.

Inzwischen steigen die Erwerbsquoten wieder an, und auch der erwartete Anstieg der Arbeitslosenquoten wird zu der dringend benötigten Erhöhung des Arbeitskräfteangebots führen.

Aber selbst wenn die Preisstabilität wiederhergestellt wird – wahrscheinlich um den Preis einer Rezession und teilweise deutlich höherer Arbeitslosenquoten – werden die Unternehmen mittelfristig mit einem Arbeitskräftemangel konfrontiert sein. Dazu wird die Alterung der Bevölkerung mit Sicherheit beitragen.

Dies wird wahrscheinlich zu einer höheren Inflation führen, als es sonst der Fall gewesen wäre. Denn die Unternehmen müssen stärker um Arbeitskräfte konkurrieren, was die Löhne in die Höhe treibt. Angebotsseitige Lösungen zur Kompensation der ungünstigen demografischen Entwicklung, zu denen auch eine Lockerung der Einwanderungskontrollen gehören könnte, sind begrenzt.

Tatsächlich sind Maßnahmen zur Verbesserung der Migrationsentwicklung häufig an wachsendem politischen Widerstand gescheitert.

Das Ergebnis sind weniger flexible Arbeitsmärkte, die einen Aspekt der umfassenderen, weniger förderlichen Globalisierungstendenzen in Verbindung mit zunehmendem Protektionismus darstellen (siehe „Der 3D Reset: Deglobalisierung“).

Azad Zangana, Senior European Economist & Strategist, kommentiert:

„Der Aufstieg populistischer Bewegungen hat dazu geführt, dass die Bevölkerung weniger bereit ist, Migranten aufzunehmen und Arbeitsplätze zu besetzen, was die Unternehmen dazu zwingt, über alternative Lösungen für den Arbeitskräftemangel nachzudenken.“

„Der Arbeitskräftemangel wird die Unternehmen zwingen, verstärkt auf Robotik, Automatisierung und künstliche Intelligenz zu setzen, um die steigenden Kosten in den Griff zu bekommen. Diese Maßnahmen werden jedoch den aus dem Strukturwandel resultierenden höheren Inflationsdruck nur geringfügig ausgleichen können.“

Einen Überblick darüber, wie sich der Strukturwandel auf die Wirtschaftsaussichten auswirken könnte, finden Sie im Artikel „Der 3D Reset: Wie sich die Inflationsaussichten verändern“.

Könnte eine „vierte industrielle Revolution“ die Antwort sein?

Obwohl all diese Trends zweifellos Herausforderungen für die Unternehmen darstellen, gibt die Geschichte des technologischen Wandels auch Anlass zur Hoffnung.

Im 20. Jahrhundert hat die Technologie zu enormen Produktivitätssteigerungen geführt, die den Lebensstandard für alle verbessert haben.

Die Möglichkeit, durch die Kombination von Robotik und künstlicher Intelligenz Maschinen zu schaffen, die autonom arbeiten und miteinander kommunizieren können, wurde von einigen als „vierte industrielle Revolution“ gefeiert.

Das ist einer der Gründe, warum „intelligente Robotik“ wahrscheinlich ein Schwerpunkt neuer Investitionen sein wird, da künstliche Intelligenz verspricht, die Automatisierung auf ein ganz neues Niveau zu heben. Für Investoren stellt sich die Frage, ob dies die Lösung zur Steigerung der Produktivität und zum Ausgleich ungünstiger demografischer Entwicklungen sein könnte.

Für eine Erläuterung der hervorgehobenen Wörter siehe: Der „3D Reset“: die Wirtschaftsbegriffe, die Sie kennen müssen.

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