IN FOCUS6-8 min read

Südostasiatische Aktien: Gute und schlechte Nachrichten für Anleger

Die südostasiatischen Volkswirtschaften befanden sich dieses Jahr im Erholungsmodus. Aber ist das mittlerweile auch in den Marktbewertungen eingepreist? Und welche Möglichkeiten bieten sich?

30.09.2022
malaysia

Authors

Robert Davy
Emerging Market Equities Fund Manager
Andrew Rymer
Investment-Redakteur

Eine Reihe südostasiatischer Schwellenländer (EM) erzielt momentan einige der stärksten Wirtschaftswachstumsraten weltweit. Die Wirtschaft Malaysias wuchs im zweiten Quartal um 8,9 % im Vorjahresvergleich, während die Wirtschaft der Philippinen im gleichen Zeitraum um 7,4 % zulegte.

Die vier Länder Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Thailand aus dem Verband Südostasiatischer Staaten (ASEAN) bilden eine Gruppe gegensätzlicher Länder mit unterschiedlichen Wachstumstreibern. Was sie alle in diesem Jahr gemeinsam haben, war der Vorteil der wirtschaftlichen Wiedereröffnung nach der Pandemie, die sie später erreichte als andere Regionen.

Die Aktienmärkte der ASEAN-Staaten haben sich besser gehalten als die der Schwellenländer im Allgemeinen (gemessen am MSCI Emerging Markets Index). Sie sind in Dollar gerechnet seit Jahresbeginn um 18,6 % gefallen (Stand: 13. September). Die Entwicklung war dabei jedoch sehr unterschiedlich: Indonesien verzeichnete ein Plus von 12 %, während die Philippinen um 13,5 % verloren – dies trotz Währungsschwäche in allen vier Märkten.

All das wirft die Frage auf, ob es derzeit innerhalb der ASEAN-Region Anlagegelegenheiten gibt.

Wie gestaltet sich der weitere Ausblick für das Wirtschaftswachstum?

Während die im Zuge von Covid-19 eingeführten Beschränkungen für die Aktivitäten allmählich aufgehoben werden, erholt sich das Wirtschaftswachstum in den ASEAN-Ländern. Indonesien und Malaysia profitierten auch von den hohen Rohstoffpreisen zu Beginn dieses Jahres. Thailand war eher ein Nachzügler, da das BIP-Wachstum im zweiten Quartal nur sehr bescheiden um 2,5 % im Vorjahresvergleich anstieg.

Mit der Lockerung der Einreisebestimmungen erholt sich allerdings der Tourismus und die Anzahl der ankommenden Reisenden überstieg im Juli zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie wieder eine Million. Der Tourismus machte vor der Pandemie mehr als 20 % des BIP aus, und der Anstieg der Besucherzahlen wirkt sich auf das Verbrauchervertrauen aus.

web_charts_template_606000_de-01_770px

Die Wachstumsaussichten sind indes komplexer und werden zunehmend von der steigenden Inflation überschattet, die nun die Zentralbanken zu Zinserhöhungen veranlasst. Höhere Energie- und Lebensmittelpreise wirken sich auch auf die Fiskalpolitik aus. So kündigte Indonesien im Vorfeld einer Kraftstoffpreiserhöhung von 30 % vor kurzem eine kompensierende Barzulage für Familien und Arbeiter mit niedrigem Einkommen an. Auch wenn Malaysia keine Energiesubventionen in seinem Haushalt vorsieht, dürften die Energiekosten angesichts des Anstiegs der Ölpreise höher ausfallen.

Die Rohstoffpreise, insbesondere für Industriemetalle, fallen mittlerweile wieder. Dies könnte Auswirkungen auf die Zahlungsbilanzen in Indonesien und Malaysia haben. Unterdessen haben sich die Aussichten für die Exporte von Industrieerzeugnissen infolge einer erwarteten Verlangsamung des Welthandels eingetrübt.

In Indonesien sind langfristige Reformen im Rahmen des Omnibus-Gesetzes – ein Paket von Änderungen der Steuer- und Arbeitsmarktgesetzgebung – eine wichtige Unterstützung und sollten zur Verbesserung von Produktivität und Wirtschaftsleistung beitragen. Es gibt bereits Anzeichen dafür, dass diese Reformen Wirkung zeigen, da die ausländischen Direktinvestitionen zunehmen. Der Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen ist auch mit einer gewissen Verlagerung der Fertigung aus China verbunden, da Unternehmen ihre Lieferketten diversifizieren. Auch Malaysia profitiert von diesem Trend.

Politische Risiken

Ein weiterer zu berücksichtigender Faktor ist die Politik.

Die Philippinen wählten im Mai einen neuen Führer: Ferdinand „Bongbong“ Marcos kam an die Macht. Ungeachtet einiger populistischer Rhetorik im Wahlkampf scheinen die politischen Prioritäten bisher marktfreundlich zu sein. Dennoch muss die Lage genau im Auge behalten werden.

In Malaysia, wo im Juli 2023 Parlamentswahlen anstehen, könnte es zu größerer Unsicherheit über den politischen Ausblick kommen, und es gibt Spekulationen, dass diese unmittelbar bevorstehen könnten. Der frühere Premierminister Najib Razak verlor im August sein letztes Revisionsverfahren und trat eine zwölfjährige Haftstrafe wegen kriminellen Vertrauensbruchs, Geldwäsche und Machtmissbrauchs an. Er hat nun eine königliche Begnadigung beantragt und bleibt bis zu einer Entscheidung ein Abgeordneter des Parlaments.

Die politische Landschaft ist zunehmend fragmentiert und es besteht die Sorge, dass ohne ausreichenden politischen Konsens bei den dringend benötigten Strukturreformen nur begrenzte Fortschritte erzielt werden könnten. Obwohl Aussicht auf eine gewisse Verbesserung der politischen Aussichten besteht, herrscht noch Unsicherheit vor.

In Thailand sollen bis März 2023 Parlamentswahlen stattfinden. Nach einem Staatsstreich im Jahr 2014 hielt Thailand 2019 Wahlen ab, allerdings bei einem von der Junta ernannten Senat. Vor der Covid-19-Pandemie hatte Thailand Proteste gegen die Regierung erlebt, und jüngste Meinungsumfragen zeigen, dass die oppositionelle Pheu-Thai-Partei mit Paetongtarn Shinawatra als Spitzenkandidatin für das Amt des Premierministers einen großen Vorsprung hat.

Paetongtarn ist die Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, der 2006 bei einem Militärputsch abgesetzt wurde, und die Nichte der ehemaligen Premierministerin Yingluck Shinawatra, die 2013 vom Verfassungsgericht ihres Amtes enthoben wurde. Das Verfassungsgericht hat kürzlich den derzeitigen Ministerpräsidenten Prayut Chan-o-cha suspendiert, weil er die verfassungsrechtlich vorgeschriebene Amtszeit von acht Jahren überschritten hat. Je nach der diesbezüglich endgültigen Entscheidung könnte es nun zu vorgezogenen Neuwahlen kommen.

Geldpolitische Straffung

Wie in den meisten Volkswirtschaften weltweit ist die Inflation in der ASEAN-Region gestiegen, wenn auch von einem niedrigeren Niveau aus. Am deutlichsten wird dies in Thailand, wo die Gesamtinflation im August 7,9 % im Jahresvergleich erreichte, was weit über dem Ziel von 2 % lag. Auch in den Philippinen liegt die Teuerungsrate über dem Zielwert und in Indonesien am oberen Ende des Zielbereichs. Die Zentralbank Malaysias nennt kein explizites Inflationsziel.

web_charts_template_606000_de-02_770px

Um die Inflation unter Kontrolle zu halten, haben die ASEAN-Zentralbanken in diesem Jahr begonnen, Straffungsmaßnahmen zu ergreifen. Die philippinische Zentralbank hat den Leitzins bereits um insgesamt 175 Basispunkte (Bp.) auf 3,75 % angehoben, während die malaysische Zentralbank ihren Leitzins in diesem Jahr um 75 Bp. auf 2,5 % erhöht hat. Die Zentralbanken von Thailand und Indonesien reagierten langsamer und begannen erst im August mit einer zinspolitischen Straffung. Dies waren die ersten Zinserhöhungen seit 2018.

Es ist jedoch erwähnenswert, dass trotz dieser Schritte die realen Leitzinsen in Malaysia und Thailand fest im negativen Bereich verharren.

web_charts_template_606000_de-03_770px

Bewertungen

Die aggregierten Bewertungen für jeden ASEAN-Indexmarkt variieren und spiegeln zum Teil einige Nuancen in den jeweiligen Aussichten sowie die verfügbaren sektor- und aktienspezifischen Chancen in jedem Markt wider.

web_charts_template_606000_de-04_770px
Auf kombinierter Basis (Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buch-Verhältnis und Dividendenrendite) liegen die Bewertungen in Thailand, den Philippinen und Indonesien leicht hinter ihrem historischen Median, sind aber im Vergleich zu anderen Schwellenländern nicht günstig. Die Rentabilität in Malaysia und Thailand ist zudem die niedrigste in den Schwellenländern, während sich Malaysia seit 2019 kaum verbessert hat, wobei sich die Eigenkapitalrenditen in Thailand etwas verschlechtert haben.Malaysia ist ein Markt, der günstig erscheint, vor allem, wenn die Gewinnsteuer für Banken im Jahr 2023 ausläuft. In makroökonomischer Hinsicht bestehen jedoch verschiedene langfristige Herausforderungen, was zumindest teilweise für die niedrigen Bewertungen verantwortlich ist.
web_charts_template_606000_de-05_770px

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den ASEAN-Währungen. Alle vier Währungen sind günstig, aber im Vergleich zu anderen Schwellenländern weniger attraktiv.

Ein gemischtes Bild für die Schwellenländer Südostasiens

Die gute Nachricht für die Schwellenländer Südostasiens ist, dass sich diese Volkswirtschaften erholen, da sie allmählich von der breiteren wirtschaftlichen Wiedereröffnung profitieren. Dies ist nach den schwierigen Zeiten der Pandemie sehr zu begrüßen.

Die schlechte Nachricht ist indes, dass ein Großteil dieser Wiedereröffnung bereits eingepreist ist und sich in den Bewertungen widerspiegelt. Darüber hinaus gibt es verschiedene Herausforderungen, die den Ausblick belasten könnten. Auf Marktebene favorisieren wir die ASEAN EM nicht. Es gibt jedoch einige interessante aktienspezifische Gelegenheiten in der Region, und für jedes Land der Region ASEAN EM ist daher eine spezifischere, ganzheitliche Bewertung angebracht.

Obwohl die Reformen in Indonesien langfristig unterstützend wirken, fallen die Bewertungen insgesamt nicht allzu attraktiv aus. In Malaysia sind die Bewertungen angemessen, aber die politische Unsicherheit trübt weiterhin den Ausblick ein. In Thailand ist die Wiedereröffnung des Tourismussektors positiv, aber die Binnenwirtschaft bleibt durch Trägheit gekennzeichnet. Zudem steigt im Vorfeld der Parlamentswahlen das politische Risiko. Gleichzeitig gibt es in allen drei Märkten einige attraktive Unternehmen.

Die Philippinen sind vielleicht unser am wenigsten favorisiertes südostasiatisches Schwellenland. Die dienstleistungsorientierte Wirtschaft erholt sich, aber die Bewertungen sind nicht attraktiv und die Gelegenheiten auf aktienspezifischer Ebene sind begrenzt.

Wichtige Informationen:

Die hierin enthaltenen Ansichten und Meinungen sind die der Autoren dieser Seite und repräsentieren nicht notwendigerweise die Ansichten, die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck gebracht oder reflektiert werden. Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ist in keiner Weise als Werbematerial gedacht. Das Material ist nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten gedacht. Das Material ist nicht als Buchhaltungs-, Rechts- oder Steuerberatung oder als Anlageempfehlung gedacht und sollte auch nicht als solche angesehen werden. Schroders geht davon aus, dass die hierin enthaltenen Informationen zuverlässig sind, übernimmt jedoch keine Gewähr für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Für Irrtümer in Bezug auf Fakten oder Meinungen kann keine Verantwortung übernommen werden. Bei individuellen Investitions- und/oder strategischen Entscheidungen sollte man sich nicht auf die Ansichten und Informationen in diesem Dokument verlassen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse, die Kurse von Aktien und die daraus erzielten Erträge können sowohl fallen als auch steigen, und Investierende erhalten möglicherweise nicht den ursprünglich investierten Betrag zurück.

Wichtige Informationen:
Die hierin enthaltenen Ansichten und Meinungen sind die der Autoren dieser Seite und repräsentieren nicht notwendigerweise die Ansichten, die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck gebracht oder reflektiert werden. Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ist in keiner Weise als Werbematerial gedacht. Das Material ist nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten gedacht. Das Material ist nicht als Buchhaltungs-, Rechts- oder Steuerberatung oder als Anlageempfehlung gedacht und sollte auch nicht als solche angesehen werden. Schroders geht davon aus, dass die hierin enthaltenen Informationen zuverlässig sind, übernimmt jedoch keine Gewähr für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Für Irrtümer in Bezug auf Fakten oder Meinungen kann keine Verantwortung übernommen werden. Bei individuellen Investitions- und/oder strategischen Entscheidungen sollte man sich nicht auf die Ansichten und Informationen in diesem Dokument verlassen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse, die Kurse von Aktien und die daraus erzielten Erträge können sowohl fallen als auch steigen, und Investierende erhalten möglicherweise nicht den ursprünglich investierten Betrag zurück.

Authors

Robert Davy
Emerging Market Equities Fund Manager
Andrew Rymer
Investment-Redakteur

Themen

Asien ohne Japan
Aktien
Schwellenländer
Article
Coronavirus
Alpha
Ihr Kontakt zu Schroders
Folgen Sie uns

Schroders ist ein weltweit führender Vermögensverwalter mit Standorten in 35 Märkten in Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika, Asien-Pazifik und im Nahen Osten.

Die auf dieser Website und all unseren Social Media Kanälen gewählte männliche Form bezieht sich immer zugleich auf weibliche, männliche und diverse Personen.

Schroder ISF steht im gesamten Text für Schroder International Selection Fund. Schroder AS steht im gesamten Text für Schroder Alternative Solutions. Schroder SSF steht im gesamten Text für Schroder Special Situations Fund. Schroders hat in diesem Dokument eigene Ansichten und Meinungen zum Ausdruck gebracht. Diese können sich ändern.

Schroder Investment Management (Europe) S.A. unterliegt dem luxemburgischen Gesetz vom 17. Dezember 2010.

© Copyright 2022. Schroder Investment Management (Europe) S.A., German Branch. Alle Rechte in allen Ländern.