Ausblick 2020: Japanische Aktien
Wir gehen davon aus, dass sich das Marktumfeld wieder etwas normalisiert und die langfristigen Renditen wieder vorrangig von Einzeltitel-spezifischen Faktoren bestimmt werden.

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- Politische Stabilität wird sich fortsetzen
- Der zyklische Gegenwind an der Ertragsfront dürfte 2020 nachlassen
- Die Bewertungen sind attraktiv – ausländische Anleger dürften zu einer positiveren Einschätzung gelangen
Es gibt eine endlose Debatte darüber, ob die „Abenomics“ Japan den gewünschten Nutzen gebracht hat. Der Begriff „Abenomics“ bezieht sich auf die aggressive Politik, die der Premierminister zur Wiederbelebung der Wirtschaft verfolgt. Aus politischer Sicht müssen wir anerkennen, dass die Amtszeit von Shinzō Abe ausgesprochen erfolgreich war. Er ist seit Kurzem der japanische Premierminister mit der längsten Amtszeit und erfreut sich einer ungebrochenen Beliebtheit, die all seinen unmittelbaren Amtsvorgängern verwehrt geblieben ist.
Das ist ein wichtiger Aspekt, denn wenn im August 2020 die Olympischen Spiele in Tokio ausklingen, rückt auch das Ende der Amtszeit von Premierminister Abe (2021) in den Zeithorizont der meisten Anleger.
Politische Kontinuität
Auch wenn die Nachfolge des Premierministers noch unklar ist, besteht praktisch kein Zweifel daran, dass die Liberaldemokratische Partei, deren Vorsitz Abe innehat, an der Macht bleibt – denn die Opposition ist durchweg zerstritten. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass sich die Fiskal- und Geldpolitik auch unter einem neuen Premierminister durch eine hohe Kontinuität auszeichnen wird, wenngleich „Abenomics“ dann mit einem neuen Begriff ersetzt werden muss.
Mit Blick auf 2020 herrscht eine gewisse Ungewissheit darüber, was der Premierminister in seiner verbleibenden Amtszeit erreichen möchte. Es ist allseits bekannt, dass eine Reform der japanischen Verfassung zu seinen persönlichen Ambitionen gehört. Bislang gibt es jedoch kaum Anzeichen dafür, dass er den dafür erforderlichen Konsens erreichen wird.
Als Aktieninvestoren würden wir uns wünschen, dass er sich stärker auf die dringender benötigten Wirtschaftsreformen konzentriert und alles andere als Ablenkung betrachtet. Auf kurze Sicht werden sich die wirtschaftlichen Entscheidungen hauptsächlich um den Umfang zusätzlicher fiskalpolitischer Impulse drehen, denn in den nächsten Monaten wird sich herauskristallisieren, welche Auswirkungen die Verbrauchssteuererhöhung vom 1. Oktober hat.
Da Haruhiko Kuroda Gouverneur der japanischen Notenbank bleibt, erwarten wir, dass der geldpolitische Kurs beibehalten wird. Möglicherweise wird eine weitere geldpolitische Lockerung vorgenommen, wobei auch die kurzfristigen Zinsen weiter in den negativen Bereich gesenkt werden könnten. Dies ist insbesondere dann eine Option, wenn die Inflation aufgrund einer etwaigen Aufwertung des Yen erneut unter Abwärtsdruck gerät.
Die Notenbank weiß jedoch zu gut, welchen Schaden negative Zinsen im Finanzsektor anrichten können. Deshalb wird sie möglicherweise versuchen, diese Auswirkungen zu mildern, indem sie eine gewisse Versteilerung der Renditekurve in die Wege leitet. Wir gehen auch davon aus, dass die Bank of Japan im Jahr 2020 am angestrebten Umfang ihrer Aktienkäufe über börsengehandelte Fonds (ETF) festhalten wird.
Während der jüngsten Rallye ist die Bank aus dem Markt ausgestiegen und könnte deshalb hinter ihrem für 2019 festgelegten Kaufziel zurückbleiben. Folglich hat sich die Marktdynamik in den vergangenen Monaten geändert, auch wenn Unternehmen 2019 Aktienrückkäufe vorgenommen und sich damit als große Nettokäufer erwiesen haben. Ausländische Anleger haben die Bank of Japan als dominante Anlegergruppe ersetzt.
Mehr Aktivismus und Engagement
Wir sind der Ansicht, dass 2020 erneut zahlreiche Aktienrückkäufe vorgenommen werden, denn der Trend geht weiterhin zu einer stärkeren Unternehmensführung und einer höheren Rechenschaftspflicht gegenüber den Aktionären. Dies wirkt sich allmählich auf die Unternehmensaktivitäten aus. So waren 2019 einige besonders interessante Konzernrestrukturierungen und Versuche feindlicher Übernahmen zu beobachten.
Hierbei könnte es sich natürlich um Einzelfälle handeln. Dass wir diese Ereignisse für ungewöhnlich halten, legt nahe, dass wir es hier noch nicht mit einem nachhaltigen Trend zu tun haben könnten. Gleichwohl könnten sich die Jahre 2019 und 2020 in der Retrospektive als eine Zeit erweisen, in der wichtige Weichen gestellt wurden und Japan ein Maß an Aktivismus und Engagement erreicht hat, das in anderen Industrienationen als selbstverständlich gilt.
Leider schien im Oktober der Trend zu einer besseren Unternehmensführung unterbrochen, als strengere Auflagen für ausländische Investitionen in einem sehr breit gesteckten Spektrum an Branchen mit „Wertpapierbezug“ angekündigt wurden. Die neue Regulierung zielt zwar darauf, diese Branchen vor übermäßigem Einfluss ausländischer Anleger zu schützen. Doch war klar, dass Maßnahmen wie diese für ausländische Vermögensverwalter beträchtliche Begleitschäden bedeuten könnten, was auch negative Auswirkungen auf den Aktienmarkt hätte.
Aus Gesprächen mit den Behörden und einer Reihe von Erklärungen geht hervor, dass diese Veränderung letztendlich weitaus weniger Folgen für den Markt haben wird, als wir ursprünglich befürchtet hatten. Trotzdem müssen aktivistische Anleger aus dem Ausland mit einigen Beeinträchtigungen und zusätzlichem Verwaltungsaufwand rechnen.
Wir stehen bezüglich dieser Angelegenheit weiterhin im Dialog mit den Behörden, müssen jedoch abwarten, wie sich die regulatorischen Rahmenbedingungen letztendlich gestalten und welche Unternehmen auf der endgültigen Liste stehen, bevor die Maßnahmen umgesetzt werden (voraussichtlich im April 2020).
Trotz dieses unerwarteten Zwischentiefs gehen wir davon aus, dass ausländische Anleger auch 2020 ein höheres Interesse bekunden werden. In den vergangenen 12 bis18 Monaten litten die japanischen Aktienkurse unter der Risikoaversion der Anleger, die auf den globalen zyklischen Abschwung zurückzuführen war. Da der Abwärtsdruck auf die Gewinnrevisionen allmählich nachlässt, dürften ausländische Anleger eine positivere Haltung einnehmen.
Angemessene Bewertungen
Im Vergleich zu vergangenen Niveaus erscheinen die Marktbewertungen in Japan angemessen. Wir glauben jedoch, dass das kurzfristige Gewinnwachstum mit einer höheren Sicherheit behaftet sein muss, bevor es am Markt zum nächsten Aufschwung kommt. Im Vergleich zu anderen Industrienationen erscheint Japan jedoch weiterhin äußerst attraktiv – auch wenn dies bereits schon so lange der Fall ist, dass wir diesen Zustand scheinbar als „normal“ betrachten.
Gleichwohl sind wir davon überzeugt, dass der Trend zu besserer Unternehmensführung und Kapitalallokation dazu führen wird, dass die Unternehmen höhere Eigenkapitalrenditen verzeichnen und das Land nicht mehr mit einem Abschlag gehandelt wird, so wie dies in den vergangenen Jahren durchweg der Fall war.
Darüber hinaus sind wir der Ansicht, dass sich die Bedingungen auf dem Markt 2020 normalisieren werden. Die Anleger hegten in den vergangenen Jahren eine starke Präferenz für Qualitätswerte und stabile Wachstumsaktien. Dadurch wurden die Bewertungsunterschiede verzerrt. Diese Stilfaktoren tendierten zu maßgeblichem Einfluss auf die Aktienkurse.
Auch wenn es zu keiner drastischen Umkehr kommt und faktorbasierte Anlagen weiterhin den Markt anführen, gehen wir davon aus, dass sich das Umfeld wieder etwas normalisiert und die langfristigen Kursrenditen wieder vorrangig von Einzeltitel-spezifischen Faktoren angetrieben werden.
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