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Die chinesische Wirtschaft: Licht am Ende eines langen Tunnels?

Die neuesten Daten zeigen ein weiteres Quartal mit nachlassendem Wachstum in China. Die Wirtschaftstätigkeit könnte sich jedoch später in diesem Jahr verbessern.

03.02.2022
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Authors

David Rees
Senior Emerging Markets Economist

Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft verlangsamte sich im vierten Quartal 2021 auf 4 % im Jahresvergleich. Dies ist ein Rückgang gegenüber 4,9 % im dritten Quartal. Gemeinsam mit sinkenden Exporten und anhaltenden Problemen im Immobiliensektor dürfte dies die Konjunktur kurzfristig belasten.

Die gute Nachricht ist, dass die Frühindikatoren anscheinend ihren Tiefpunkt erreicht haben, was für eine zyklische Konjunkturverbesserung im Sommer spricht. Unterdessen trägt die heutige Zinssenkung zu den Anreizmassnahmen bei, die von den Behörden eingeführt werden. Das sollten letztlich gute Nachrichten für die Märkte sein.

Chinas Wirtschaft im vierten Quartal 2021

Offiziellen Daten zufolge verlangsamte sich das BIP-Wachstum von 4,9 % im dritten Quartal auf 4 % im Jahresvergleich im vierten Quartal des vergangenen Jahres. Die Daten waren besser als erwartet: Die Konsensprognose lautete auf einen Anstieg von 3,6 %, während wir mit einem Wachstum von unter 3 % gerechnet hatten. Die monatlichen Wirtschaftsdaten deuten darauf hin, dass ein Grossteil der positiven Überraschung im vierten Quartal aus der Industrie stammte, wo das Wachstum im Dezember auf 4,3 % im Jahresvergleich stieg, wozu ein robustes Exportwachstum beitrug. Das bedeutete, dass Chinas Wirtschaft 2021 insgesamt um 8,1 % wuchs. Starke Basiseffekte hatten die jährliche Wachstumsrate in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres angekurbelt.

Drei Gründe für eine kurzfristig schwache Wirtschaftsentwicklung

Wir sind seit einiger Zeit besorgt über eine Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft. Es gibt mindestens drei gute Gründe zu der Annahme, dass die Konjunktur kurzfristig gedämpft sein wird.

1.  Die Industrieexporte, die während der Pandemie der wichtigste . wirtschaftliche Impulsgeber waren, dürften sinken. Das Wachstum der nominalen Exporte blieb im Dezember stabil und verzeichnete einen Zuwachs von 20,9 % im Jahresvergleich, was nur leicht unter dem Anstieg von 22 % im Jahresvergleich im November liegt. Wie die nachstehende Grafik zeigt, deutet das niedrige Niveau neuer Exportaufträge jedoch auf eine Verlangsamung in den kommenden Monaten hin. Wir sind der Ansicht, dass sinkende Exporte zu einer Abwertung des Renminbis führen, der im vergangenen Jahr handelsgewichtet stark aufwertete. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Möglichkeit einer schwächeren Währung nun auf offiziellen Regierungskanälen diskutiert wird.

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2. Die Probleme im Immobiliensektor dürften sich noch eine Weile hinziehen. Trotz einiger geringfügiger Lockerungen bleibt die Regierungspolitik gegenüber dem Sektor restriktiv. Und die Verkäufe neuer Wohnungen, die der Bautätigkeit in der Regel um sechs bis neun Monate vorangehen, müssen sich erst noch überzeugend stabilisieren. Wir gehen davon aus, dass sich die Umsätze bald stabilisieren und im Laufe des Jahres sogar leicht anziehen werden. Weitere Schwierigkeiten in der Branche stellen jedoch ein klares Abwärtsrisiko für unsere Erwartungen dar.

3. Covid-19-Wellen werden wahrscheinlich zu periodischen Unterbrechungen der Wirtschaftstätigkeit führen. Aufgrund der Null-Toleranz-Politik der Regierung wurden kürzlich Beschränkungen in Tianjin eingeführt. Die grössere Übertragbarkeit von Omikron bedeutet, dass in naher Zukunft mit ziemlicher Sicherheit weitere Städte betroffen sind.

Licht am Ende des Tunnels?

Ganz hoffnungslos ist es jedoch nicht. Die gute Nachricht lautet, dass es Licht am Ende des Tunnels gibt. Der Kreditimpuls (der das Kreditwachstum als Anteil des BIP misst) und die reale M1 (die den Wert der liquidesten Komponenten der Geldmenge wie Bargeldumlauf und täglich fällige Einlagen abbildet) stiegen beide im Dezember. Diese Indikatoren gingen der Wirtschaftsentwicklung in der Vergangenheit um etwa neun Monate voraus, was darauf hindeutet, dass sich gegen Ende des Sommers auf der Nordhalbkugel eine zyklische Verbesserung der Wirtschaftsaktivität abzeichnen wird.

Wir erwarten in den kommenden Monaten weitere allmähliche Anstiege beider Frühindikatoren durch eine grössere fiskal- und geldpolitische Unterstützung. Die People’s Bank of China gab heute bekannt, dass sie den Zinssatz sowohl für ihren siebentägigen Reverse-Repo-Satz als auch für ihre einjährige mittelfristige Kreditfazilität um jeweils 10 Basispunkte (Bp.) auf 2,1 % bzw. 2,85 % senkt. Diesen Kürzungen folgte eine Senkung des Leitzinses für einjährige Kredite um 5 Bp. im Dezember, auf die nächste Woche wahrscheinlich eine weitere Senkung um 10 Bp. folgen wird. Unsere Basisprognose legt Kürzungen von insgesamt 20 Bp. zugrunde, die die Konjunktur zusammen mit steigenden öffentlichen Ausgaben unterstützen dürften. Dementsprechend prognostizieren wir eine leichte Erholung des BIP-Wachstums von etwa 4,7 % in diesem Jahr auf 5 % im Jahr 2023.

Was bedeutet das für die Finanzmärkte?

Hinweise auf einen Umschwung für Chinas Konjunkturzyklus dürften schliesslich die Finanzmärkte auf dem chinesischen Festland und auch in den Schwellenländern stützen. Wie bei der Wirtschaftstätigkeit haben sich die Entwicklungen der Frühindikatoren in der Vergangenheit mit Verzögerung auf die Finanzmärkte ausgewirkt, sodass in Zukunft noch mit weiteren Stolpersteinen zu rechnen ist.

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