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Marktschock: Wie haben die Anleger auf die Auswirkungen von Covid-19 reagiert?

Das Coronavirus beendete eine zehn Jahre währende Hausse in den USA und führte zu einem plötzlichen Börsencrash. Ein überraschender Anteil der Anleger reagierte, indem er mehr Risiken einging.

04.08.2020
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Richard Dyson
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In Anbetracht eines der grössten jemals verzeichneten Wirtschaftsschocks verwundert es kaum, dass die überwältigende Mehrheit der Anleger mit Änderungen an ihren Portfolios reagierte. Was allerdings durchaus erstaunt, ist die Tatsache, dass mehr als ein Drittel der Anleger (35 %) dies als Gelegenheit nutzte, um ihr Engagement in riskanteren Anlagewerten zu erhöhen.

Die neueste Ausgabe der Global Investor Study von Schroders, eine richtungsweisende jährliche Umfrage unter mehr als 23.000 Anlegern weltweit, deutet darauf hin, dass ein beträchtlicher Anteil der Sparer die im Februar verzeichneten Kursverluste als Chance erachtete, mehr zu investieren.

Die Umfrage, die zwischen dem 30. April und 15. Juni 2020 in 32 Ländern und Regionen durchgeführt wurde, befragte die Sparer zu ihren Aktivitäten nach einer Zeit extremer Marktvolatilität. Zu diesen Schwankungen kam es, als die meisten massgeblichen Volkswirtschaften Lockdown-Massnahmen ergriffen, um die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie einzudämmen. Zwischen Mitte Februar und Mitte März verloren die weltweiten Aktienmärkte rund ein Drittel ihres Wertes*.

Fast 80 % der Befragten gaben an, dass sie angesichts dessen während dieses Zeitraums einige Änderungen an ihrem Portfolio vornahmen. Nur 19 % der Befragten blieben „untätig“. Ein kleiner Anteil von 3 % war sich der Marktturbulenzen gar nicht bewusst und unternahm deshalb nichts.

Unter den 78 %, die im Verlauf der Krise an ihren Beständen Änderungen vornahmen, kam es zu sehr unterschiedlichen Reaktionen. Insgesamt 53 % schichteten „einen Teil“ oder einen „erheblichen Teil“ ihres Portfolios auf weniger riskante Anlagen um. Unterdessen verlagerten 35 % ihren Angaben zufolge „einen Teil“ oder einen „erheblichen Teil“ ihres Portfolios auf riskantere Anlagen.

„Der Instinkt diktiert uns, dass wir nach einem derart grossen Schock in Deckung gehen sollten“, meint Rupert Rucker, Leiter der Abteilung Income von Schroders, „und daher ist es nicht verwunderlich, dass einige Anleger im Zuge von Covid-19 ihre Investments verkaufen wollten. Bemerkenswert ist indes, dass ein so grosser Anteil genau das Gegenteil tat und die Anlagerisiken aufstockte.“

Rucker interpretiert dies als Anzeichen, dass die Anleger ein zunehmendes „Bewusstsein für Bewertungen“ entwickeln.

„Wir dürfen nicht vergessen, dass sich Covid-19 nach einer langen Hausse an den Aktienmärkten ereignete, und ich habe das Gefühl, dass viele Investoren wussten, dass die Bewertungen allmählich überzogen waren“, sagt Rucker. „Sie erachteten daher die Korrektur im Februar/März als Chance. Wir können also meines Erachtens eine grosse Gruppe von Anlegern beobachten, die den Aktienmärkten nicht nur treu bleibt, sondern sie immer genauer verfolgt und nach Bewertungschancen Ausschau hält.“

Kurzfristig dürften sich die Massnahmen einiger optimistischer Umfrageteilnehmer ausgezahlt haben, da sich die Aktienmärkte seit ihren Tiefstständen trotz eines nicht abreissen wollenden Stroms an beunruhigenden Wirtschaftsdaten stark erholt haben. „Unter Umständen gewöhnen sich die Anleger auch an die Tatsache, dass sich die Aktienmarktperformance und die Wirtschaftsleistung voneinander entkoppeln“, fügt Rucker hinzu.

Sind ältere Anleger stärker an Schocks gewöhnt als jüngere?

Alter oder Erfahrung – oder beides – scheinen ein klarer Faktor dahingehend zu sein, wie Anleger auf Turbulenzen reagieren. Laut Analysen nahmen die Millennials unter den Anlegern (im Alter von 18–37) fast doppelt so oft Änderungen an ihren Portfolios vor als ihre Eltern, die sogenannten „Baby Boomer“ (im Alter von 51–70).

Die ältesten unter den Anlegern, diejenigen im Alter von 71 und darüber, nahmen die wenigsten Änderungen vor.

„Dies könnte an verschiedenen Faktoren liegen“, meint Rucker. „Zum einen verfolgen ältere Anleger mit ihrer Portfoliostrukturierung am wahrscheinlichsten einen langfristigen Anlageplan. Dies erleichtert es ihnen, in Zeiten der Krise Ruhe zu bewahren und ihre Anlagen unverändert zu belassen.“

 

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Ersparnisse werden im Zuge von Covid-19 zu einem grösseren Anliegen…

Der Ausblick für ihre Ersparnisse und Anlagen ist für die Anleger seit der Pandemie ein grösseres Anliegen geworden.

Vor Ausbruch des Coronavirus dachten 35 % der Befragten mindestens einmal wöchentlich über ihre Anlagen nach. Im Zuge von Covid-19 ist dieser Anteil sprunghaft auf 49 % angestiegen. Auf monatlicher Basis denken nun insgesamt 83 % der Anleger mindestens einmal über ihre Portfolios nach.

…dagegen zeigen sich die Anleger zu den negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie generell optimistisch

Die Mehrheit der Anleger rechnet damit, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus innerhalb von zwei Jahren überwunden sein werden. Darin kommt eine Zuversicht zum Ausdruck, die den offiziellen Prognosen vieler Länder widerspricht.

So prognostiziert das Office of Budget Responsibility (OBR) in Grossbritannien derzeit jahrzehntelange Folgen im Hinblick auf die nationale Verschuldung und hinterfragt das Ausmass, in dem „die resultierenden wirtschaftlichen und fiskalischen Schäden sich als dauerhaft erweisen [könnten]“.**

Auch hier könnte die vergleichsweise optimistische Reaktion der Anleger auf ein Jahrzehnt solider Aktienmarktrenditen zurückzuführen sein, während die Weltwirtschaft vor grossen Herausforderungen stand.

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Anlageertrag: Erwartungen der Sparer sind „unrealistisch“

Ein Bereich, bei dem sich die Anleger negativer äusserten, waren die Anlageerträge für ihre Portfolios in den kommenden zwölf Monaten.

Im Jahr 2019 gingen die Anleger davon aus, dass ihre Bestände beträchtliche 10,3 % an Erträgen abwerfen würden.

Im Zuge von Covid-19 ist dies 2020 auf 8,8 % gesunken.

Selbst dieser Wert ist aber immer noch äusserst unrealistisch. Die „natürliche Rendite“ vieler Anlagen, etwa die an die Aktionäre ausgeschütteten Dividenden oder Zinszahlungen an Anleihegläubiger, ist wesentlich geringer als 8,8 %. Eine Folge der Covid-19-Krise war, dass diese Renditen noch weiter sanken.

Viele Unternehmen haben im Zuge des Virusausbruchs ihre Dividendenzahlungen gekürzt oder storniert. Darüber hinaus sind die Renditen auf Anleihen gefallen, was teilweise auf die Zinssenkungen von Zentralbanken wie die US-Notenbank Fed und deren Verpflichtungen zu langfristig niedrigen Zinssätzen zurückzuführen ist. Dieses Umfeld extrem niedriger Zinssätze ist eine weitere mögliche Erklärung dafür, weshalb Anleger in Aktien investiert bleiben oder ihr Engagement gegenüber riskanteren Anlagebeständen erhöhen.

 

Die Rolle von Barmitteln nach Covid-19: Wer hält sie und für welche Zwecke?

Während einige Anleger meinten, sie würden einen Teil ihres Portfolios auf weniger riskante Anlagen verlagern, gingen andere noch weiter, indem sie angaben, auf Barmtitel umgeschichtet zu haben.

Auf die Frage, welche Massnahmen sie nach Beginn der Pandemie ergriffen hätten, gaben 18 % an, „einen beträchtlichen Teil“ ihres Portfolios auf Barmittel umgeschichtet zu haben.

Dies wirft laut Rupert Rucker interessante Fragen zu den künftigen Absichten der Anleger auf.

„Die Umfrage vermittelt eine faszinierende Momentaufnahme zur Einstellung der Anleger gegenüber Barmitteln. Offensichtlich gibt es einige, die Barmittel als sicheren Hafen in Zeiten der Krise erachten, und einige der Befragten gaben an, sie hätten Aktien verkauft, um in Barmittel umzuschichten“, meint Rucker. „Die Antworten zeigten allerdings auch, dass ein grosser Teil – mehr als ein Drittel – sich auf riskantere Investments verlagerte. Dies deutet für mich darauf hin, dass einige Anleger derzeit Barmittel und andere Anlagen von geringerer Volatilität auf opportunistischer Basis halten, um diese Gelder zu investieren, sobald die Aktienkurse attraktive Niveaus erreicht haben.

„Die Geschichte zeigt uns indes, dass es in der Praxis sehr schwierig ist, den besten Zeitpunkt für eine Anlage zu erwischen. Das grösste Problem für diejenigen, die sich auf Barmittel verlagerten, dürfte wohl darin bestehen, den richtigen Zeitpunkt für einen Wiedereintritt am Markt zu erraten.“

*Der MSCI WORLD gab zwischen dem 12. Februar und dem 23. März um 34 % nach. Quelle: Refinitiv

**Office for Budget Responsibility Grossbritanniens,

Anlageertrag: Erwartungen der Sparer sind „unrealistisch“

Ein Bereich, bei dem sich die Anleger negativer äusserten, waren die Anlageerträge für ihre Portfolios in den kommenden zwölf Monaten.

Im Jahr 2019 gingen die Anleger davon aus, dass ihre Bestände beträchtliche 10,3 % an Erträgen abwerfen würden.

Im Zuge von Covid-19 ist dies 2020 auf 8,8 % gesunken.

Selbst dieser Wert ist aber immer noch äusserst unrealistisch. Die „natürliche Rendite“ vieler Anlagen, etwa die an die Aktionäre ausgeschütteten Dividenden oder Zinszahlungen an Anleihegläubiger, ist wesentlich geringer als 8,8 %. Eine Folge der Covid-19-Krise war, dass diese Renditen noch weiter sanken.

Viele Unternehmen haben im Zuge des Virusausbruchs ihre Dividendenzahlungen gekürzt oder storniert. Darüber hinaus sind die Renditen auf Anleihen gefallen, was teilweise auf die Zinssenkungen von Zentralbanken wie die US-Notenbank Fed und deren Verpflichtungen zu langfristig niedrigen Zinssätzen zurückzuführen ist. Dieses Umfeld extrem niedriger Zinssätze ist eine weitere mögliche Erklärung dafür, weshalb Anleger in Aktien investiert bleiben oder ihr Engagement gegenüber riskanteren Anlagebeständen erhöhen.

 

Die Rolle von Barmitteln nach Covid-19: Wer hält sie und für welche Zwecke?

Während einige Anleger meinten, sie würden einen Teil ihres Portfolios auf weniger riskante Anlagen verlagern, gingen andere noch weiter, indem sie angaben, auf Barmtitel umgeschichtet zu haben.

Auf die Frage, welche Massnahmen sie nach Beginn der Pandemie ergriffen hätten, gaben 18 % an, „einen beträchtlichen Teil“ ihres Portfolios auf Barmittel umgeschichtet zu haben.

Dies wirft laut Rupert Rucker interessante Fragen zu den künftigen Absichten der Anleger auf.

„Die Umfrage vermittelt eine faszinierende Momentaufnahme zur Einstellung der Anleger gegenüber Barmitteln. Offensichtlich gibt es einige, die Barmittel als sicheren Hafen in Zeiten der Krise erachten, und einige der Befragten gaben an, sie hätten Aktien verkauft, um in Barmittel umzuschichten“, meint Rucker. „Die Antworten zeigten allerdings auch, dass ein grosser Teil – mehr als ein Drittel – sich auf riskantere Investments verlagerte. Dies deutet für mich darauf hin, dass einige Anleger derzeit Barmittel und andere Anlagen von geringerer Volatilität auf opportunistischer Basis halten, um diese Gelder zu investieren, sobald die Aktienkurse attraktive Niveaus erreicht haben.

„Die Geschichte zeigt uns indes, dass es in der Praxis sehr schwierig ist, den besten Zeitpunkt für eine Anlage zu erwischen. Das grösste Problem für diejenigen, die sich auf Barmittel verlagerten, dürfte wohl darin bestehen, den richtigen Zeitpunkt für einen Wiedereintritt am Markt zu erraten.“

*Der MSCI WORLD gab zwischen dem 12. Februar und dem 23. März um 34 % nach. Quelle: Refinitiv

**Office for Budget Responsibility Grossbritanniens, Fiscal Sustainability Report 2020

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