Wenn Sie mit Barmitteln 5 % verdienen können, warum dann das Risiko am Aktienmarkt eingehen?
Die Sparzinsen haben sich innerhalb von zwölf Monaten verdreifacht. Britische Sparer können auf einjährige Einlagen über 5 % verdienen. Wäre es dann nicht sinnvoll, keine unnötigen Risiken einzugehen und sich stattdessen auf die Sicherheit von Barmitteln zu verlassen?
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Sparer profitieren von den höchsten Renditen in nahezu 20 Jahren. Einige beliebte Konten, wie ISA-Bargeldkonten, zahlen derzeit über 5 %. Die Renditen sind sehr schnell gestiegen und liegen inzwischen um ein Vielfaches höher als noch vor einem Jahr. Kein Wunder also, dass mehr Sparer ihr Geld in ISA-Bargeldkonten einzahlen als zu jedem anderen Zeitpunkt in den vergangenen fünf Jahren*.
Nach einer langen Zeit, in der die Nominalrenditen auf Barmittel bei nahezu null lagen, überdenken Anleger nun die Rolle, die Einlagen in breiteren Portfolios spielen sollten. Die Umfrage von Schroders unter Finanzberatern im Mai 2023 (als die Bank of England die Zinsen zum 12. Mal seit Anfang 2022 anhob) ergab, dass neun von zehn Beratern mit ihren Kunden über „langfristige Anlagen im Vergleich zu Bareinlagen“ sprechen.
Haben die Anleger nicht Recht damit, die Rolle von Bargeld zu überdenken?Die Umstände jedes Sparers sind einzigartig, und manche haben sicher gute Gründe für das Halten von Barmitteln. Aber nur weil die Sparzinsen jetzt steigen, heisst das noch lange nicht, dass Bares mit der Inflation Schritt hält.
Beliebte Sparzinsen in Grossbritannien ggü. der Inflation
ISA-Barmittelkonten | Jan. 2022 | Juni 2022 | Jan. 2023 | 30. April 2023 |
Variabel verzinst | 0,3 % | 0,6 % | 1,7 % | 2,3 % |
Festverzinslich über 2 Jahre | 0,5 % | 1,6 % | 3,9 % | 4,1 % |
Inflation | 5,5 % | 9,4 % | 10,1 % | 8,7 % |
Quelle: Bank of England; ONS, Juni 2023
Wie Sie sehen, bleiben die Barmittelrenditen um die Inflation bereinigt (Realrenditen) negativ, obwohl die Zinsen deutlich gestiegen sind. Negative Renditen bedeuten einen Verlust. Und der sprunghafte Anstieg der Inflation Anfang 2022 bedeutet, dass der Wert von Barmitteln inzwischen schneller untergraben wird als zu grossen Teilen des vergangenen Jahrzehnts, selbst wenn man dabei von den besten derzeit verfügbaren Zinsen ausgeht.
Die Frage, worin man langfristig investierten sollte, ist also für viele Anleger auch heute noch relevant. Tatsächlich ist sie heute sogar relevanter denn je.
Barmittel oder Aktien: Was entwickelt sich besser als die Inflation?
Die Sicherheit, die Barmittel bieten, liegt ausschliesslich in ihrem Nominalwert. 100 Euro sind in hundert Jahren immer noch 100 Euro. Es ist jedoch nicht garantiert, dass sich auch die Kaufkraft nicht ändert. Eine niedrige Inflation bedeutet, dass das Geld zu einem gewissen Grad seine Kaufkraft beibehält. Eine hohe Inflation untergräbt die Kaufkraft jedoch sehr schnell.
Zeit ist hier der ausschlaggebende Faktor. Über einen kurzen Zeitraum entwickelt sich Bares wahrscheinlich besser als die Inflation. Über einen langen Zeitraum entwickeln sich Barmittel schlechter, selbst wenn die Inflation relativ niedrig ist.Die Abbildung unten zeigt die Renditen der Vergangenheit auf Barmittel und Aktienmarktanlagen über verschiedene Zeiträume, die auf Daten aus 96 Jahren basieren. Dann werden diese mit der Inflation über die selben Zeiträume verglichen.
Die Ergebnisse sind eindeutig. Die Abbildung zeigt, dass es bei sehr kurzen Zeiträumen (von bis zu drei Monaten) kaum Unterschiede bei der Wahrscheinlichkeit gibt, dass Barmittel oder Aktien die Inflation übertreffen. Bei längeren Zeiträumen weitet sich die Lücke jedoch eindeutig aus.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Barmittel die Inflation übertreffen, liegt bei etwa 60:40 für die Mehrheit dieser Zeiträume.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Aktienmarktanlagen die Inflation übertreffen, liegt bei 100 %, wenn die Anlagen für 20 Jahre gehalten werden.
Anders gesagt lieferten Aktien in jedem 20-Jahres-Zeitraum der vergangenen 96 Jahre Ergebnisse, die die Inflation übertrafen.
Während also Aktienmarktanlagen auf kurze Sicht riskant sein können, bieten sie auf lange Sicht wesentlich mehr Sicherheit, was die Inflation betrifft.
Der Aktienmarkt hat unter ganz unterschiedlichen Bedingungen hohe langfristige Renditen erzielt
Die jüngste Ära des Ultraniedrigzinsumfelds, das jetzt ein Ende gefunden hat, bedeutete, dass Barmittel für Anleger unattraktiv waren. Und dies trotz der Tatsache, dass die Inflation bis vor Kurzem niedrig war.
In den vergangenen 5, 10 und 20 Jahren haben Bargeldersparnisse nicht mit den steigenden Preisen Schritt gehalten, was für Einleger schlechte Nachrichten waren.
Über sehr lange Zeiträume – in denen sowohl die Inflation als auch die Zinsen gefallen und gestiegen sind – haben sich Barmittel zwar ihre Kaufkraft bewahrt, dies aber nur knapp.
Im Gegensatz dazu haben Aktienmarktanlagen in allen Zeiträumen, die in der Grafik dargestellt sind, Renditen erzielt, die die Inflation übertrafen.
Also eigentlich eine klare Sache: Aktienmarktanlagen sind für langfristige Renditen die bessere Wahl – oder?
Es gibt viele Gründe, um Barmittel zu halten, und Sparer haben sicher alle einen unterschiedlichen Zeithorizont. Für viele wäre eine Finanzberatung zu diesem Thema von grossem Vorteil.
„Die Barmitteldebatte ist ein perfektes Beispiel für den Mehrwert, den Berater ihren Kunden bieten können“, erklärt Gillian Hepburn, Schroders’ Leiterin UK Intermediary Solutions. „Die Frage, ob man in Barmittel investieren soll, lässt sich nicht ohne weiteres beantworten. Für längerfristig orientierte Sparer sprechen die Daten dafür, dass Anlagen für viele die beste Option darstellen.
Anleger sehen Vertrauen und Sicherheit als einen der grössten Vorteile einer Beratung“, ergänzt sie. „Dies ist ein klassischer Bereich, in dem Kunden ständig Unterstützung benötigen und wo Berater wirklich dieses Gefühl der Sicherheit geben können. Ausserdem können sie sicherstellen, dass die Anlagen ihrer Kunden so positioniert sind, dass sie die Kundenziele erreichen können.“
Langfristige historische Daten sprechen eindeutig dafür, dass Aktienmarktanlagen mit grösserer Wahrscheinlichkeit die Inflation übertreffen als andere Anlagen, allerdings kommt es am Aktienmarkt auch zu grossen Wertschwankungen.
Anleger, die sich für Aktienmärkte anstatt Barmittel entscheiden, müssen sich also auf eine holprige Fahrt gefasst machen.
In etwa der Hälfte der letzten 50 Jahre fielen die Märkte um mindestens 10 %.
In einem Viertel der letzten 50 Jahre fielen die Märkte um mindestens 20 %.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Barmittel und Aktien mit unterschiedlichen Risiken einhergehen. Barmittel sind keineswegs ein risikofreier Vermögenswert: Selbst mit den besten heute verfügbaren Sparzinsen verlieren Einlagen wahrscheinlich an realem Wert. Und wie unsere Daten zeigen, können Barmittel auf längere Sicht, unter anderem auch in den letzten 20 Jahren, zu realen Verlusten führen. Aber auch Aktien weisen Risiken auf, insbesondere wenn sie über kürzere Zeiträume gehalten werden.
* Quelle: Bank of England, ISA-Barmittelkonto, festverzinslich über 2 Jahre, Veränderung vom 30. April 2022 (1,19 %) bis zum 30. April 2023 (4,12 %). ISA-Einlagen basieren auf den Geld- und Kreditdaten von BoE. Daten veröffentlicht im Juni 2023.
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