Weshalb Anleger in erneuerbare Infrastruktur Private Debt nicht ignorieren sollten

Der steigende Wettbewerb hat dazu geführt, dass der Druck auf die Private-Equity-Seite der Finanzierung von Infrastruktur für erneuerbare Energien zugenommen hat – Private Debt ist jedoch weiterhin attraktiv.

08.02.2022
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Die sinkenden Kosten für erneuerbare Energien sind ein Anlass zum Feiern und tragen dazu bei, dass wir der Bekämpfung des Klimawandels mit mehr Optimismus entgegensehen können. Da die Projektkosten jedoch gesunken sind und die Regierungen ihre Herangehensweise an die Projektbeschaffung angepasst haben, hat sich der Wettbewerb verschärft.

Dies setzt die Renditen von Private-Equity-Investoren in Infrastrukturprojekten unter Druck. Tatsächlich ist die durchschnittliche Rendite von Private-Equity-Investitionen in erneuerbare Energien in den Schwellenländern und Frontier-Märkten seit etwa einem Jahrzehnt stetig gesunken. Dies gilt jedoch nicht für Unternehmensanleihen bei Finanzierung von Infrastrukturprojekten.

Woher kommt der Druck auf das Eigenkapital, warum sind Unternehmensanleihen weniger betroffen und wo ergeben sich die besten Chancen?

Der Ausbau der erneuerbaren Energien in den Schwellenländern hat in den letzten zehn Jahren enorm zugenommen. Während dieser Zeit sind die Kosten für die Installation der Infrastruktur und damit auch die Kosten für die Stromerzeugung erheblich gesunken.

Die Auswirkungen der Programme für erneuerbare Energien sind in ganz Afrika erstaunlich. In Südafrika bestand der Energiemix im Jahr 2010 zu 85 % aus Kohlekraftwerken und zu 4,9 % aus erneuerbaren Energien. Inzwischen ist der Kohleanteil auf 74 % gesunken, während der Anteil erneuerbarer Energien mit rund 16 % um mehr als das Dreifache gestiegen ist.

Darüber hinaus gab der südafrikanische Energieminister im Oktober 2021 die Gewinner der fünften Runde des Auktionsverfahrens für erneuerbare Energien bekannt. Damit kommen weitere 2.583 MW saubere Energie ins Netz[1].

Tabelle 1: Energiekapazität nach Quelle, Südafrika (Megawattstunden, MW)[2]

 

2010

%

2020

%

Kohle

34.658

85 %

37.945

74 %

Wasserkraft

600

1 %

600

1 %

Pumpspeicher

1.400

3 %

2.732

5 %

Gas

2.409

6 %

3.409

7 %

Kernkraft

1.800

4 %

1.860

4 %

Wind

3

0 %

2.495

5 %

Solarenergie

-

0 %

2.032

4 %

CSP

-

0 %

500

1 %

Sonstige

-

0 %

22

0 %

GESAMT

40.870

100 %

51.595

100 %

Quelle: Schroders 2021

In Asien sind ähnliche Entwicklungen im Gange. Im Jahr 2000 verfügte die Region über eine installierte Kapazität von etwa 157 GW an erneuerbaren Energien, von denen 95 % durch grosse Wasserkraftwerke erzeugt wurden. Bis 2018 war die installierte Kapazität an erneuerbaren Energien auf 988,9 GW angewachsen, wovon 51 % aus Photovoltaik (PV) und Windkraftanlagen stammten.

Druck auf Kosten und Renditen

Mit zunehmender Reife dieser Märkte für erneuerbare Energien sind die Kapitalkosten und die Kosten pro Kilowattstunde erneuerbarer Energie – der Tarif – allgemein gesunken. Entwickler konnten Skaleneffekte nutzen, verbesserte Bedingungen mit Lieferanten aushandeln und Finanzstrukturierungen anwenden, um niedrige Tarife zu erreichen. 

Beispielsweise ist in den vergangenen zehn Jahren der Windtarif in Südafrika um ca. 37 % und der PV-Tarif um ca. 70 % in Lokalwährung gesunken. Angesichts der Wettbewerbsfähigkeit des Marktes hat Südafrika in seinem Auktionsverfahren inzwischen sogar die Tarifobergrenzen abgeschafft.

In der oben erwähnten fünften Runde des Auktionsverfahrens für erneuerbare Energien erreichte Südafrika rekordniedrige Tarife mit einer gewichteten durchschnittlichen Preisspanne von nur 2,7 bis 3,1 USD-Cent pro kWh (für Wind und PV).

Ein wichtiges Ergebnis der Reifung und Wettbewerbsfähigkeit des Marktes ist seine zunehmende Autonomie. Dies hat dazu geführt, dass immer mehr Schwellenländer ihre Auktionsprozesse überarbeiten.

  • Südafrika, Ägypten und Marokko haben wichtige Beschaffungsprogramme für erneuerbare Energien eingeführt, die über „offene Ausschreibungen“ durchgeführt werden.
  • Die Internationale Finanz-Corporation (IFC) hat unter anderem gemeinsam mit den Regierungen von Sambia, Senegal und Äthiopien einen Auktionsprozess mit dem Namen „Scaling Solar“ ausgearbeitet und eingeführt. Das Programm zielt darauf ab, das Beschaffungsrisiko und die Umsetzungsrisiken sowohl für Regierungen als auch für unabhängige Stromerzeuger bei der Beschaffung von PV-Kapazität zu reduzieren.
  • Ferner haben viele Regierungen ihre eigenen Auktionsverfahren eingeführt, um die Beteiligung von unabhängigen Stromerzeugern zu erhöhen. Dies hat auch in vielen anderen afrikanischen Ländern zu einer Verschiebung der installierten Kapazität und des Erzeugungsmixes geführt.

Auktionen für erneuerbare Energien werden auch in Asien immer beliebter, wobei einige Länder auf Einspeisevergütungsprogramme zugunsten von Auktionen verzichten. Die Philippinen, Malaysia, Thailand und Vietnam sind relativ neu, was Auktionsverfahren für erneuerbare Energien betrifft. In Indien hingegen werden jedes Jahr mehrere Auktionen durchführt. 

Tabelle 2: Auktionsergebnisse zu Kapazitäten für erneuerbare Energien in Indien, 2012–2020[3]

 

Zusätzliche Kapazitäten

Durchschn. Tarif

2012

0,3

13,14

2013

1,5

14,85

2014

2,6

9,72

2015

2,4

8,35

2016

4,8

7,03

2017

7,7

4,75

2018

10,8

3,93

2019

10,3

3,78

2020

8,3

3,62

Quelle: Schroders Januar bis August 2021

Wie bereits erwähnt, tragen diese Entwicklungen zur Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens von 2015 bei. Allerdings haben sie auch die Renditen für die Anleger gedrückt. Um das Problem anzugehen, haben einige Investoren das Entwicklungsrisiko übernommen.

Grosse versorgerähnliche Entwickler und Investoren profitieren von ihren vertikal integrierten Strukturen (Beschaffung, Betriebs- und Wartungsdienste, Managementdienste usw.) bei der Risikostreuung und Steigerung der effektiven Renditen. Einige Entwickler machen jedoch aggressive Annahmen zu den wichtigsten Projekteingaben, die möglicherweise nicht eintreten. Das kann zusätzliche Risiken für ein Projekt bedeuten und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die prognostizierte Eigenkapitalrendite nicht erreicht wird.

Chancen bei Private Debt

Der Private-Debt-Markt hingegen ist weniger stark geschrumpft.

Die Spreads vorrangiger Infrastrukturanleihen in den Schwellenländern liegen zwischen 400 und 650 Basispunkte (Bp.) über dem Basiszinssatz. Dies entspricht einem Aufschlag von etwa 200 bis 400 Bp. gegenüber vorrangigen Infrastrukturanleihen in den Industrieländern.

Mezzanine-Infrastrukturanleihen aus Schwellenländern folgen einem ähnlichen Muster. Spreads zwischen 600 und 1.000 Bp. über dem Basiszinssatz – etwa 200 bis 400 Bp. über dem entsprechenden Instrument in Industrieländern[5] - are not uncommon.

Im Gegensatz dazu liegen die Verlustquoten in den Schwellenländern bei 1,3 % bis 2,2 %, verglichen mit den Raten in den Industrieländern von 0,9 % und 1,7 %. Infrastrukturanleihen aus Schwellenländern bieten einen erheblichen Aufschlag gegenüber ihren Pendants der Industrieländer, jedoch mit einem ähnlichen oder geringfügig höheren Risikoprofil.

Alles in allem glauben wir, dass Private Debt attraktiver ist

Insgesamt sind wir der Meinung, dass vor diesem Hintergrund eine Investition in den Sektor der erneuerbaren Energien der Schwellenländer über Fremdkapital derzeit eine angemessenere risikobereinigte Rendite für unsere Anleger liefert. Ein Fremdkapitalgeber zu sein, bietet unter anderem Vorrang in der Kapitalstruktur, Sicherheit der Vermögenswerte und Unternehmensgarantien, die dazu beitragen, das Risikoprofil der Investition zu reduzieren. Der zusätzliche Spread von 200 bis 400 Bp., der in den Schwellenländern erreichbar ist – bei einem ähnlichen oder geringfügig höheren Risiko als bei vergleichbaren Anlagen in den Industrieländern –, unterstützt diese Strategie.

 

[1] Mitteilung des Ministers für Bodenschätze und Energie vom 28. Oktober 2021, www.ipp-renewables.co.za 

[2] Integrierter Jahresbericht von Eskom, 2010, und Integrierter Jahresbericht von Eskom, 2020

[3] Ergebnisse der PV-Auktion in Indien, 2012 bis 2020 – Diagramme – Daten & Statistik: IEA

[4] Mercer 2018, Spreads von Infrastrukturanleihen

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