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Zusammenfassung der COP27: Ein historischer Deal wurde geschlossen, aber wie soll es weitergehen?

Hier finden Sie eine Zusammenfassung dessen, was auf der COP27 in Ägypten passiert ist und womit bei der COP15 zu rechnen ist.

28.11.2022
COP27 sign

Authors

Irene Lauro
Ökonomin

Die COP27-Konferenz sollte am Freitag enden, doch die Verhandlungsführer erzielten erst am Sonntagmorgen eine endgültige Einigung. Und wenngleich ein historischer Deal geschlossen wurde, bleibt noch viel zu tun.

Diese Weltklimakonferenz war geprägt von kritischen Diskussionen über die Einrichtung eines neuen Fonds zur Bewältigung von Verlusten und Schäden. Darunter werden die Kosten des Klimawandels verstanden, die über das Mass hinausgehen, an das sich die Länder anpassen bzw. das sie abfedern können.

Seit mehr als 30 Jahren fordern die Entwicklungsländer von den Industrieländern eine Entschädigung für die Schäden, die die globale Erwärmung ihrer Wirtschaft zugefügt hat.

Diese Forderung sorgte schon seit jeher für heftige Kontroversen, denn reichere Länder fürchten sich vor etwaigen Haftungsansprüchen aus Klimaschäden, die durch ihre Emissionen verursacht wurden.

Nach zwei Wochen intensiver Verhandlungen wurde letztlich ein historisches Abkommen über Verluste und Schäden geschlossen. So haben die Nationen beschlossen, „in Antwort auf Verluste und Schäden neue Finanzierungsmöglichkeiten zu schaffen, um jenen Entwicklungsländern zu helfen, die für negative Auswirkungen des Klimawandels besonders anfällig (‚vulnerabel') sind.“  

Diese Einigung ist sehr wichtig, denn sie trägt der Tatsache Rechnung, dass die Kosten der globalen Erwärmung viel sichtbarer und schwerwiegender geworden sind. Wir glauben, dass das Abkommen das Potenzial hat, die geopolitische Stabilität zwischen armen und reichen Ländern zu stärken und gleichzeitig die Wachstumsaussichten für die Entwicklungsländer zu verbessern.

Doch viele Details sind noch zu klären. Beispielsweise schweigt sich der Text der Vereinten Nationen darüber aus, wie viel Geld in den Fonds eingezahlt werden soll. Ein Ausschuss aus Vertretern von 24 Ländern muss nun entscheiden, wer in den Fonds einzahlt – und wer davon profitiert.

Doch in Scharm el-Scheich gab es noch weitere positive Entwicklungen. So wurde von der G7-Gruppe der wohlhabenden Nationen ein neuer Finanzierungsmechanismus – das globale Schutzschild – ins Leben gerufen, das von den Finanzministern der V20 (der Gruppe der 20 für Klimaschäden anfälligen Nationen des Climate Vulnerable Forums) unterstützt wurde.

Dabei handelt es sich um einen neuen, versicherungsbasierten Mechanismus, der armen und gefährdeten Menschen bei Katastrophen besseren finanziellen Schutz bietet.

Bisher beläuft sich die zugesagte Gesamtsumme auf rund 282 Mio. USD, wobei Deutschland mit 178 Mio. USD der grösste Beitragszahler ist. Frankreich wird 20,8 Mio. USD beitragen. Irland hat auch 10 Mio. USD zugesagt, Kanada 7 Mio. USD. Belgien, Österreich und Neuseeland haben ebenfalls Mittel zugesagt. Dies ist ein bedeutender Schritt zur Verbesserung der Aussichten für für Klimaschäden anfällige und Entwicklungsländer.

Dabei kommen wir jedoch nicht umhin zu betonen, dass die bisher versprochenen Beträge im Vergleich zu den wirtschaftlichen Kosten des Klimawandels sehr gering erscheinen. Allein in Pakistan verursachten die diesjährigen Überschwemmungen schätzungsweise Schäden in Höhe von rund 30 Mrd. USD.

Ein weiteres positives Ergebnis der COP27 war die Entscheidung, es vulnerablen Ländern zu gestatten, auf den internationalen Kapitalmärkten gehandelte Anleihen mit neuen, klimaresilienten Schuldenklauseln (Climate Resilient Debt Clauses, CRDCs) zu versehen.

Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt, der armen Ländern helfen kann, die wirtschaftlichen Auswirkungen von Klimakatastrophen zu bewältigen, da sie nun ihre Staatsschuldentilgungen für maximal zwei Jahre einfrieren dürfen.

Nachdem die aktuelle Politik nicht mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens im Einklang ist, waren die Hoffnungen auf grössere Ambitionen gering.

Die Länder wurden gebeten, ihre national festgelegten Beiträge für 2030 zu aktualisieren und zu verstärken, um die globale Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen.  Nur fünf Länder haben laut einer Analyse der Forschungseinrichtung Climate Action Tracker ehrgeizigere Ziele angepeilt. Daher sollte es nicht überraschen, dass die COP27 keine nennenswerten Fortschritte bei den Zielen zur Reduzierung der Emissionen erzielt hat.

Indien wollte mit der Unterstützung von mehr als 80 Ländern die letztjährige Vereinbarung zum schrittweisen Abbau von Kohle durch andere fossile Brennstoffe verlängern. Die endgültige Erklärung von Scharm el-Scheich enthält keinen ausdrücklichen Hinweis auf die Reduzierung der Erdöl- und Erdgasförderung. Gefordert wird darin jedoch der Ausbau erneuerbarer sowie emissionsarmer Energie.

Dies wird wahrscheinlich mehr Investitionen in den Sektor der erneuerbaren Energien, aber auch in Gas fördern, da diese Energiequelle viel weniger kohlenstoffintensiv ist als Kohle und Erdöl.

Forderungen nach ehrgeizigeren Gegenmassnahmen, die für das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels unerlässlich sind, bleiben bestehen. Naturbasierte Lösungen, die ein wichtiges Klimaschutzinstrument darstellen, werden ein entscheidendes Thema sein, wenn sich die führenden Politiker der Welt erneut in Montreal zur 15. Vertragsstaatenkonferenz (COP15) des UN-Übereinkommens zum Schutz der biologischen Vielfalt treffen.

Klima und Biodiversität sind eng miteinander verbunden. Die COP15 wird für das nächste Jahrzehnt voraussichtlich neue Ziele setzen und einen Aktionsplan für die Natur entwickeln. Auf der COP15 soll ein neuer Biodiversitätsrahmen fertig gestellt werden, um den weltweiten Rückgang der Artenvielfalt anzugehen und den Trend umzukehren.

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