Anleger erwarten sich in den nächsten Jahren noch höhere Renditen von den Aktienmärkten – trotz des Corona-Schocks
Sparer gehen davon aus, dass sie mit ihren Anlagen am Aktienmarkt jährliche Renditen von 10,9 % erzielen werden. Dabei hat Covid-19 die längste wirtschaftliche Expansionsphase überhaupt gestoppt und die Welt in eine tiefe Rezension gestürzt.

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Laut der jüngsten Ausgabe der Global Investor Study von Schroders hoffen die Anleger immer noch darauf, mit ihren Portfolios jährliche Gesamtrenditen in zweistelliger Höhe zu erzielen, auch wenn die Covid-19-Pandemie der Weltwirtschaft einen enormen Schlag versetzt hat.
Der anhaltende Optimismus der Anleger dürfte in der Entwicklung des Aktienmarkts in den vergangenen Jahren begründet liegen. Im Durchschnitt sind die Renditeerwartungen im Jahr 2020 etwas höher als 2019. Dies ist das dritte Jahr, in dem die Anleger höhere Renditen auf dem Aktienmarkt prognostizieren. Es war bislang jedoch auch ein außergewöhnliches Jahr, da die Anleger ihre Prognosen in einer Phase extremer Unsicherheit anstellten. Covid-19 hat der längsten Expansionsphase der globalen Wirtschaft ein Ende gesetzt und der Welt stattdessen den größten Abschwung seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre beschert.

Interessanterweise scheinen die Marktturbulenzen Anfang 2020 – als das Ausmaß der Pandemie deutlich wurde und die meisten globalen Volkswirtschaften Ausgangssperren verhängten – den Optimismus der Sparer nicht erschüttert zu haben.
Die unabhängige Online-Studie von Schroders, an der sich mehr als 23.000 Anleger in 32 Ländern und Regionen beteiligten, wurde zwischen dem 30. April und dem 15. Juni 2020 durchgeführt. Zum Vergleich: Zwischen Mitte Februar und Mitte März gaben die weltweiten Aktienmärkte um über 30 %* nach. In diesen Wochen wurden in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und in der Mehrzahl der US-Bundesstaaten Kontaktsperren verhängt, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.
Im April – als einige Länder Teile der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens wieder öffneten – setzte an den weltweiten Aktienmärkten zwar eine Erholungsrallye ein. Gleichwohl verharrten die Märkte deutlich unter dem Stand, der Anfang des Jahres verzeichnet worden war.
Gibt es Hoffnung auf robuste Anlagerenditen? Das kommt ganz darauf an, wo Sie leben
Die Studie von Schroders lässt darauf schließen, dass der Renditeausblick der Anleger in einem hohen Maße davon abhängt, wo sie leben.
In den USA, wo Aktien einige der höchsten Zugewinne der letzten Jahre verzeichneten, gehen die Anleger inzwischen davon aus, dass sich die jährlichen Renditen auf über 15 % belaufen werden. Von allen 32 Ländern und Regionen, die in der Umfrage von Schroders vertreten waren, werden hier die höchsten zukünftigen Renditen erwartet. In Märkten, in denen die Renditen in der Vergangenheit schwächer ausfielen, wie beispielsweise Japan, sind die Renditeprognosen moderater und liegen bei unter 6 %.

Nach Land: erwartete durchschnittliche jährliche Gesamtrenditen von Anlageportfolios in den nächsten fünf Jahren
US-Anleger zeigen sich optimistischer ...
Die USA sind ein Beispiel dafür, dass der Optimismus der Anleger im Vorjahr dem Anschein nach deutlich gestiegen ist. Bei der Umfrage im Mai 2019 hofften die US-Sparer, künftig jährliche Renditen von 10,3 % zu erzielen – damit befanden sie sich weitgehend in der Mitte des Spektrums. In der Zwischenzeit scheinen sie jedoch wesentlich zuversichtlicher geworden zu sein. Könnte dies in der Tatsache begründet liegen, dass US-Aktien im Jahr 2019 kräftig zugelegt haben (so stieg der S&P500 um rund 25 %)?**
Ansonsten blieben die regionalen Unterschiede zwischen 2019 und 2020 weitgehend konstant. Anleger in einer Reihe von Schwellenländern, darunter Indonesien, Argentinien, Brasilien, Indien und Chile, hegen nach wie vor die größten Hoffnungen, wenn es um die Ergebnisse ihrer Portfolios in den nächsten Jahren geht – alle gehen davon aus, dass die jährlichen Renditen bei über 12 % liegen werden.
... die Hoffnungen der Europäer sind jedoch nach wie vor gedämpft
Die Erwartungen in Europa fallen weitaus bescheidener aus – so rechnen die Anleger in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz im Jahr 2020 mit den niedrigsten Renditen. Dies steht weitgehend im Einklang mit ihren Prognosen für 2019.
Die Renditeerwartungen von Anlegern in Großbritannien sind nach wie vor durchschnittlich. Ihre Prognose für die zukünftigen jährlichen Renditen stieg von 9,3 % im Jahr 2019 auf 11,1 % in diesem Jahr.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Prognosen der Anleger und den finanziellen Renditen in der Vergangenheit?
Im Jahr 2019 entwickelten sich die weltweiten Aktienmärkte im Allgemeinen gut. Das könnte teilweise erklären, warum sich die Anleger bei der diesjährigen Umfrage insgesamt optimistischer zeigten.
Bei vorherigen Untersuchungen, die auf den Ergebnissen der Global Investor Study basierten, wurde jedoch kein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Marktentwicklung in der Vergangenheit und den erhofften Renditen festgestellt.
Ein Beispiel: Die weltweiten Märkte durchliefen im Jahr 2018 weitgehend eine enttäuschende Entwicklung. Bei einer Umfrage im Mai 2019 pendelten die prognostizierten Renditen der Sparer jedoch zwischen einem Höchststand von 15,8 % (Argentinien) und einem Tiefststand von 6,5 % (Belgien). Fakt ist, dass 2019 nur in drei von 32 Ländern die von den Anlegern erhofften künftigen Renditen von den im vorherigen Zwölfmonatszeitraum tatsächlich erzielten Renditen übertroffen wurden. Die Schlussfolgerung lautete, dass die Renditeprognosen der Anleger unrealistisch und möglicherweise überzogen waren, und dass „die Renditeerwartungen für die nächsten fünf Jahre insgesamt höher waren als die Aktienmarktrenditen, die in fast allen Ländern in den vorherigen fünf Jahren erzielt wurden.“
Selbst wenn sich die vergangenen Aktienmarktrenditen möglicherweise auf die Prognosen der Anleger auswirken, dürften auch die Zinssätze und die Inflation in regionalen Volkswirtschaften eine Rolle spielen.
Bei den Umfragen 2019 und 2020 stammten die Anleger mit den höchsten Renditeerwartungen tendenziell aus Ländern mit höherer Inflation und Zinsen. Diese Faktoren haben im Allgemeinen höhere Nominalrenditen auf Barmittel und andere Ersparnisse zur Folge.
In Europa und Japan scheinen die weitaus niedrigeren Zinsen den langfristigen Erwartungen der Sparer dagegen einen Dämpfer zu versetzen. Bei der jüngsten Umfrage fielen die Prognosen von Anlegern aus der Schweiz und Japan am niedrigsten aus. Interessanterweise gehören die Zinssätze in beiden Ländern zu den niedrigsten weltweit. So haben ihre jeweiligen Zentralbanken vor mehr als vier Jahren den Zinssatz auf unter null gesenkt.
Rupert Rucker, Leiter Income bei Schroders, merkt hierzu an: „Die Aussagekraft dieser einzigartigen Studie besteht darin, dass wir uns mit jedem neuen Jahr ein besseres Bild von den Hoffnungen der Anleger machen können und weitere Einblicke erhalten, was ihre Erwartungen antreibt.“
„Es ist äußerst interessant, dass die Anleger trotz der Auswirkungen von Covid-19 – und all der dramatischen Folgen für unser Privat- und Berufsleben – nach wie vor zuversichtlich sind, mit ihren Ersparnissen positive Renditen zu erzielen. Man könnte dagegenhalten, dass einige dieser Erwartungen unrealistisch sind. Man könnte jedoch auch so argumentieren: Die Anleger haben erkannt, dass Aktienmarktrenditen nicht dasselbe sind wie Wirtschaftswachstum."
„Wir sind fest davon überzeugt, dass rückläufige Zinsen auch in Zukunft zu den vorherrschenden Trends gehören werden. Diese Ansicht vertraten wir bereits lange vor der Pandemie. Auf längere Sicht dürften auf den Märkten disruptivere Kräfte am Werk sein, sodass es insgesamt schwieriger wird, Renditechancen ausfindig zu machen. In den Jahren nach der Finanzkrise hat sich jedoch immer wieder gezeigt, dass mit bestimmten Anlagen selbst in einem schwierigen Umfeld Renditen erwirtschaftet werden können.“
*Der MSCI WORLD gab zwischen dem 12. Februar und dem 23. März um 34 % nach. **Der S&P500 legte 2019 um 29,7 % zu. Quelle: Refinitiv
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