FORESIGHT 8+ Min. Lesezeit

Die Dominanz der US-Superstar-Unternehmen und die Konsequenzen für Anleger

Einige „Superstar“-Unternehmen haben starken Einfluss auf die Investitionslandschaft. Sollte ihre dominierende Stellung bei den Anlegern die Alarmglocken klingeln lassen?

04.02.2020
san-fran-golden-gate

Authors

Sean Markowicz
Stratege, Team Research und Analytics

Der Wettbewerb ist die Grundlage der Marktwirtschaft. Er spornt Unternehmen dazu an, die Preise niedrig zu halten, bessere Produkte zu erwirtschaften und attraktive Löhne zu zahlen. In den vergangenen 20 Jahren ließen sich jedoch Anzeichen dafür erkennen, dass der Wettbewerb in der US-Wirtschaft nachgelassen hat.

Mehr als 75 % der US-Sektoren haben sich immer stärker konzentriert, denn einige wenige „Superstars“ dominieren ihre Branchen im Hinblick auf Umsätze, Gewinne und Aktienrenditen immer mehr. Obwohl dieser „Winner-takes-all“-Markt für die Investoren günstig war, kommen zunehmend Befürchtungen auf, dass er indirekt den Kunden schadet und die Einkommensungleichheit verstärkt. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit einer aufsichtsrechtlichen Intervention, die für Anleger in diesen Unternehmen schädlich sein könnte.

Wie kam es dazu?

Technologischer Fortschritt hat das Wettbewerbsumfeld in den USA grundlegend verändert. Die Verbreitung digitaler Produkte und immaterieller Vermögenswerte wie Daten und Software hat es Technologieunternehmen ermöglicht, schnell neue Kunden zu gewinnen und ihren jeweiligen Markt mit Grenzkosten von nahezu null zu dominieren. Einige Branchenführer haben auch von den Netzwerkeffekten sozialer Medienplattformen profitiert, wo der Wert ihres Angebots mit der Anzahl der Teilnehmer steigt.

Diese Entwicklung ist besonders im IT-Sektor ausgeprägt. Beispielsweise erhält Google 88 % aller Suchanfragen im US-Internet. Facebook kontrolliert 42 % der sozialen Medien in den USA, und nahezu alle mobilen Betriebssysteme stammen entweder von Apple (iOS) oder Google (Android). Die dominierende Position dieser digitalen Plattformen und Produkte sorgt für hohe Eintrittsbarrieren für Mitbewerber.

20200204_Marktkonzentration_USA_Branchen

Außerdem wurde der Wettbewerb durch die Flut von Fusionen und Übernahmen (M&A) geschwächt. In den vergangenen 30 Jahren stieg die Zahl an M&A-Transaktionen in den USA pro Jahr im Durchschnitt von 5.600 auf über 10.000. Eine laxe Kartellrechtsdurchsetzung war für diese Welle der Marktkonsolidierung günstig, da die Aufsichtsbehörden auf der Grundlage von Wettbewerbswidrigkeit weniger Transaktionen angefochten haben als in der Vergangenheit. Dadurch wurde in Branchen wie Telekommunikation, Pharmazeutika und Fluglinien der Weg für große Unternehmen geebnet, um ihre Marktanteile zu konsolidieren.

Wie wirkt sich das auf die Anleger aus?

Durch ihre steigende Marktmacht konnten sich US-Unternehmen ein größeres Stück am Kuchen verdienen. Seit den 1990er Jahren sind die Unternehmensgewinne als Anteil des BIP von rund 6 % bis 8 % auf 10 % bis 12 % gestiegen. Diese Entwicklung ist nahezu das Spiegelbild des Anteils des Arbeitseinkommens, das seit 30 Jahren zurückgeht und seit der Jahrtausendwende noch schneller im Sinken begriffen ist (von 64 % auf 57 %).

20200204_US-Gewinne_Arbeitslohn

Diese Umverteilung auf Superstar-Unternehmen und weg von den Arbeitnehmern hat zu einer steigenden Einkommensungleichheit beigetragen. Aktienrenditen sind gestiegen, als sich Sektoren zunehmend konzentrierten. Im Durchschnitt beziehen Niedrigverdiener einen wesentlich kleineren Anteil ihres Einkommens durch Aktien als Großverdiener. Obwohl die Branchenkonzentration die Aktionärsrenditen gesteigert hat, wurden die Vorteile nicht gleichmäßig auf die US-Bevölkerung verteilt.

Während die Superstars immer erfolgreicher wurden, hat sich die Führungsspitze am Aktienmarkt verkleinert. In den vergangenen 20 Jahren machten die 20 Aktien mit der besten Wertentwicklung im Russell 3000 Index (nur 0,7 % des Index) 25 % der Gesamtrendite des Index aus. Dadurch tendiert die Marktbreite, also der Anteil an Titeln, die sich besser entwickelten als der Index, seit mehreren Jahren unter dem langfristigen Durchschnitt.

20200204_Aktienrendite_Marktkonzentration

In der Praxis haben passive Anleger von der robusten Wertentwicklung der Superstars mehr profitiert als aktive. Das Problem ist jetzt, dass mit steigenden Konzentrationsniveaus am US-Aktienmarkt passive Anleger größere Risiken eingehen, als es ihnen bewusst ist. Somit sind sie einer potenziellen Kehrtwende der jüngsten Markttrends ausgesetzt.

Was könnte den Abstieg der Superstars einläuten?

Die wachsende Unzufriedenheit mit den stagnierenden Löhnen hat dem Populismus in den USA Auftrieb verliehen und äußert sich in Forderungen nach einem Eingreifen der Regierung. Sowohl das US-Justizministerium als auch die Federal Trade Commission haben Untersuchungen der Riesen Google, Apple, Facebook und Amazon in die Wege geleitet. Elizabeth Warren, eine der demokratischen Präsidentschaftskandidaten, hat sich ebenfalls für eine Verkleinerung dieser Unternehmen ausgesprochen.

Eine strengere Regulierung stellt beträchtliche Abwärtsrisiken für das Umsatzwachstum, die Gewinnmargen und die Bewertungen der Superstars dar. In der Vergangenheit fielen aufsichtsrechtliche Maßnahmen mit niedrigeren Bewertungskennzahlen und Aktienkursen zusammen und hatten ein rückläufiges Umsatzwachstum zur Folge. Eine erhöhte aufsichtsrechtliche Kontrolle könnte in den kommenden Jahren also zu einem Abwärtsdruck auf diese Titel führen.

Es ist außerdem keineswegs garantiert, dass diese Unternehmen an ihrer dominierenden Stellung für immer festhalten werden. Die dominierenden Unternehmen von heute könnten die Nokias und Blackberrys von morgen sein. Passive Anleger sind einem solchen Risiko besonders ausgesetzt. Eine rigorose Analyse individueller Unternehmen und ihrer Aussichten könnte den Anlegern helfen, die bevorstehenden Gefahren zu meistern.

 

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.

Abonnieren Sie unsere Insights Artikel

Wählen Sie die Kategorien aus, die Sie am meisten interessieren und erhalten Sie unsere Insights Artikel direkt per E-Mail.

Wichtige Informationen:


Die hierin enthaltenen Ansichten und Meinungen sind die der Autoren dieser Seite und repräsentieren nicht notwendigerweise die Ansichten, die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck gebracht oder reflektiert werden. Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ist in keiner Weise als Werbematerial gedacht. Das Material ist nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten gedacht. Das Material ist nicht als Buchhaltungs-, Rechts- oder Steuerberatung oder als Anlageempfehlung gedacht und sollte auch nicht als solche angesehen werden. Schroders geht davon aus, dass die hierin enthaltenen Informationen zuverlässig sind, übernimmt jedoch keine Gewähr für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Für Irrtümer in Bezug auf Fakten oder Meinungen kann keine Verantwortung übernommen werden. Bei individuellen Investitions- und/oder strategischen Entscheidungen sollte man sich nicht auf die Ansichten und Informationen in diesem Dokument verlassen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse, die Kurse von Aktien und die daraus erzielten Erträge können sowohl fallen als auch steigen, und Investierende erhalten möglicherweise nicht den ursprünglich investierten Betrag zurück.

Authors

Sean Markowicz
Stratege, Team Research und Analytics

Themen

Weitblick
Aktien
Sean Markowicz
Welt
USA
Marktansichten
Thought Leadership
Ihr Kontakt zu Schroders
Folgen Sie uns

Nur für professionelle Investoren. Diese Seite ist nicht für Privatanleger geeignet.

Die auf dieser Website und all unseren Social Media Kanälen gewählte männliche Form bezieht sich immer zugleich auf weibliche, männliche und diverse Personen.

Schroder Investment Management (Europe) S.A., German Branch Taunustor 1 (TaunusTurm) 60310 Frankfurt am Main Deutschland

Schroders ist ein weltweit führender Vermögensverwalter mit Standorten in 37 Märkten in Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika, Asien-Pazifik und im Nahen Osten.

Schroder ISF steht im gesamten Text für Schroder International Selection Fund. Schroder AS steht im gesamten Text für Schroder Alternative Solutions. Schroder SSF steht im gesamten Text für Schroder Special Situations Fund. Schroders hat in diesem Dokument eigene Ansichten und Meinungen zum Ausdruck gebracht. Diese können sich ändern.

Die in der Vergangenheit erzielte Performance gilt nicht als zuverlässiger Hinweis auf künftige Ergebnisse. Anteilspreise und das daraus resultierende Einkommen können sowohl steigen als auch fallen; Anleger erhalten eventuell den investierten Betrag nicht zurück.

Das dient nur zur Veranschaulichung und stellt keine Anlageempfehlung für die oben genannten Wertpapiere/Branchen/Länder dar.

Schroder Investment Management (Europe) S.A. unterliegt dem luxemburgischen Gesetz vom 17. Dezember 2010.

Schroder Real Estate KVG mbH, Taunustor 1 (Taunusturm), 60310 Frankfurt am Main Deutschland

Schroder Real Estate Asset Management GmbH, Maximilianstraße 31, 80539 München Deutschland

Schroder Real Estate stellt seinen Kunden eine breite Palette an Pan-Europäischen Immobilienprodukte wie offene und geschlossene Immobilienfonds, Spezialfonds und Dachfonds oder börsennotierte REITs und Immobilienaktienfonds zur Verfügung.

© Copyright 2024 Schroder Investment Management (Europe) S.A., German Branch. Alle Rechte in allen Ländern.