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Infrastrukturanleihen: Warum ESG-Aspekte mehr sind als nur Werbung

Viele Anleger springen auf den ESG-Zug (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) auf. Wer berücksichtigt diese Werte bei der Analyse von Anleihen aber wirklich?

01.04.2019
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Authors

Jérôme Neyroud
Head of Infrastructure Debt

Die Infrastrukturmärkte lieferten jüngst ein Beispiel dafür, welchen Gefahren Anleger sich aussetzen, wenn ESG-Risiken nicht berücksichtigt werden. Die Meldung, dass auf den US-Versorger Pacific Gas & Electric Corporation (PG&E) unerwartete Kosten in Höhe von 30 Mrd. US-Dollar zukommen könnten, schockierte die Märkte.

Der regulierte kalifornische Gas- und Stromversorger mit Monopolstellung machte den Eindruck einer idealen und risikoarmen Investition, was sich auch in der Bewertung der Anleihen des Unternehmens mit ihrem soliden Investment-Grade-Rating widerspiegelte. Anfang 2017 boten die engen Spreads dieser Anleihen nur eine sehr begrenzte Risikoentschädigung, was sich als katastrophale Fehleinschätzung herausstellte, als das Unternehmen am 29. Januar 2019 Konkurs anmeldete.

Was war geschehen?

2017 und 2018 kam es in Kalifornien zu den verheerendsten Waldbränden seit Beginn der Aufzeichnungen. Obwohl die Ursache rechtlich noch nicht nachgewiesen ist, wird die Schuld PG&E zugeschoben. Trockene Böden, das Ergebnis mehrjähriger Dürre, ermöglichten die Ausbreitung des Feuers.

Falls nachgewiesen wird, dass die Brände auf PG&E zurückzuführen sind, müssen aufgrund einer Besonderheit des kalifornischen Gesetzes nicht die Versicherer für sämtliche Schäden aufkommen, sondern das Unternehmen. Dies gilt auch dann, wenn keine Fahrlässigkeit des Unternehmens festgestellt werden kann. Angesichts horrender Schadensersatzforderungen haben PG&E und seine primäre operative Tochtergesellschaft Pacific Gas and Electric Company Gläubigerschutz nach Chapter 11 des U.S. Bankruptcy Code beim United States Bankruptcy Court des Northern District of California beantragt.

Fitch schätzt, dass die Einbringungsquoten für die unbesicherten Schuldtitel des Unternehmens zwischen 51 % und 70 % betragen werden, was ein deutliches Defizit gegenüber dem Durchschnitt ausfallender Infrastrukturunternehmen darstellt. Gläubiger dieses vermeintlich risikoarmen Unternehmens könnten große Verluste machen.

Was hätte anders gemacht werden sollen?

Der Klimawandel erhöht das Risiko destruktiver wetterbedingter Ereignisse. Durch wärmeres, trockeneres Klima steigt die Gefahr, dass sich kleine Feuer ausbreiten und zu großen Verlusten führen. Die über mehrere Jahre andauernde Dürre hätte ein Warnzeichen sein sollen. Geisha Williams, bis zu ihrem Rücktritt im Januar 2019 Geschäftsführerin von PG&E, berief sich insbesondere darauf, dass das Unternehmen „klimabedingten extremen Witterungseinflüssen und einem Flächenbrand nach dem anderen“ ausgesetzt sei. Die Anleger haben es versäumt, dieses Umweltrisiko effektiv zu bewerten.

Wir glauben, dass die Prüfung von Umweltfaktoren und ihrer möglichen Auswirkungen für den Gläubiger zentraler Bestandteil jeder Kreditanalyse sein sollte. Die Umweltaspekte, die Schroders als europäischer Anleger prüft, können mitunter von denen abweichen, die US-Anlagen betreffen. Dennoch sind sie in Bezug auf ihre potenziellen Auswirkungen nicht weniger wichtig. 

So analysieren wir beispielsweise bei den skandinavischen Energieunternehmen, wie harte Winter das Energienetz beeinträchtigen könnten, und schätzen, wie viele Arbeitstage durch Ereignisse wie z. B. einen Kabelbruch infolge von Frost verloren gehen könnten. Jede Betriebsunterbrechung aufgrund von ungünstigen Wetterbedingungen wirkt sich auf den Umsatz eines Unternehmens aus. Für Gläubiger und Sponsoren sind sie letzten Endes wertvernichtend. Governance und Soziales sind ebenfalls ein integraler Bestandteil unseres Research. Als Anleger in Infrastrukturanleihen stehen solche ESG-Aspekte im Mittelpunkt unseres Handelns. 

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.

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