IN FOCUS6-8 Min. Lesezeit

So wirkt sich der Putsch in Guinea auf China und die Energiewende aus

Guineas politische Unsicherheit hat die Aluminiumpreise noch weiter in die Höhe getrieben. So sieht eine Gefährdung der Energiewende und für die Netto-Null-Ziele aus.

18.10.2021
AdobeStock_249546920

Authors

Andrew Rymer
Investment-Redakteur
David Rees
Senior Emerging Markets Economist

Der Staatsstreich im westafrikanischen Guinea zum Monatsanfang stand möglicherweise nicht ganz oben auf der Liste der Bedenken aller Anleger. Dennoch hat die politische Unsicherheit in Guinea Folgen. In den Tagen nach dem Putsch stiegen die Aluminiumpreise um mehr als 7 %. Diese Preisveränderung bekam auch China zu spüren, denn über die Hälfte seines Bauxitbedarfs stammt aus Guinea. Bauxit ist der benötigte Rohstoff zur Aluminiumherstellung.

Wie lange die Übergangsregierung im Amt bleibt, ist unklar. Sie hat sich mit unterschiedlichen Stakeholdern, darunter auch Unternehmensführern, verständigt. Die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) hat Sanktionen gegen die Führer der Junta verhängt und Wahlen innerhalb von sechs Monaten gefordert. Man hofft auf eine schnelle Wiederherstellung der Stabilität, nicht zuletzt angesichts der möglichen Auswirkungen für den Einzelnen und ganze Existenzgrundlagen.

Es gibt jedoch ein längerfristiges Problem: Die von den meisten großen Volkswirtschaften der Welt bis Mitte des Jahrhunderts angestrebten „Netto-Null“-Emissionsziele könnten untergraben werden.

Unlängst veröffentlichten wir einen Research-Bericht, der die Gewinner und Verlierer der Energiewende in Schwellenländern unter die Lupe nahm. Fossile Brennstoffe sind ein Auslaufmodell. Daher nimmt die Nachfrage nach Basismetallen spürbar zu, denn sie sind für die Ausrüstung und Batterien unabdingbar, die für die Energiewende benötigt werden. Die Versorgung mit diesen Metallen ist ebenso wichtig, und deshalb sollten die Ereignisse in Guinea für uns alle eine Warnung sein.

Warum der Preisanstieg für Aluminium?

Nach der Meldung des Umsturzes stieg der Aluminiumpreis an der Londoner Metallbörse an, denn man befürchtete eine Beeinträchtigung des Bauxitexports. Zum 20. September 2021 betrug die Verteuerung 44 %.

Die folgende Abbildung zeigt, dass auf Guinea 60 % der weltweiten Bauxitexporte entfallen. Die unerwartete Machtübernahme des Militärs sorgt für Ungewissheit in Bezug auf die künftige Politik. Die Aluminiumexporte tragen mehr als 20 % zum BIP bei. Der Umsturz stellt außerdem bestehende vertragliche Vereinbarungen und damit den weltweiten Versorgungsausblick in Frage.

602486_SC_Guinea-Coup-Charts_DE-01_770px

In China gibt es noch einen anderen Aspekt zu diesem Thema. Das Land hat sich mit einem Netto-Null-Emissionsziel bis 2060 ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Insbesondere staatlich kontrollierte Unternehmen sind angehalten, Kohlenstoffemissionen zu reduzieren. Das silbrig-weiße Leichtmetall wird in China daher vermehrt in Aluminiumschmelzen gewonnen, die grüne Energie verwenden können, d. h. keine fossilen Brennstoffe wie Kohle. Im Grunde gibt es ein doppeltes Problem: einerseits bei der Versorgung mit Bauxit und andererseits aufgrund der Produktionsbeschränkungen in China. Man kann das als eine Problematik der Energiewende betrachten.

Eine Reihe von Technologien für saubere Energien, von Windenergie- und Solaranlagen über CO2-Abscheidung und -Speicherung bis hin zu Elektromotoren, benötigt Aluminium. Daher haben die Nachfrageprognosen deutlich angezogen. In der Folge trieb die Unterbrechung in der Versorgung den Gleichgewichtspreis von Aluminium in die Höhe.

Weshalb ist eine genaue Überwachung der Versorgungsprobleme erforderlich?

Wie wir in unserem jüngsten Forschungspapier erörtert haben, gibt es Probleme mit der Angebotskonzentration. Eine Reihe von Metallen, die als Schlüssel für die Energiewende und das Erreichen der Netto-Null-Ziele weltweit gelten, sind davon betroffen. Eines davon ist Aluminium. Die folgenden Abbildungen zeigen indes, dass auch bei Kupfer, Chrom und Mangan die globale Versorgung von einer Handvoll Schwellenländer dominiert wird. Dies sind Länder, in denen die politische Führung und Politik weniger stabil sein können.

602486_SC_Guinea-Coup-Charts_DE-02_770px

602486_SC_Guinea-Coup-Charts_DE-03_770px

602486_SC_Guinea-Coup-Charts_DE-04_770px

Nehmen wir beispielsweise Kupfer. Es ist neben vielen anderen sauberen Energietechnologien ein Schlüsselelement für Elektrofahrzeuge. Über 65 % der globalen Kupferexporte (Kupfererze und -Erzeugnisse zusammen) kommen aus Chile und Peru.

Peru wählte unlängst den linken Präsidenten Pedro Castillo. Er beabsichtigt vom Bergbausektor, größere Beiträge für die öffentlichen Haushalte zu erhalten. Die Einzelheiten der Politik müssen noch veröffentlicht werden. Es besteht jedoch die Gefahr, dass letztlich über höhere Kupferpreise höhere Steuern und Lizenzgebühren an die Verbraucher weitergegeben werden. Noch schlimmer wären Kürzungen bei den zur Sicherung der zukünftigen Versorgung notwendigen Investitionsausgaben. Dadurch würden die Preise ebenfalls nach oben getrieben.

In Chile stimmten die Wähler Anfang dieses Jahres einem Konvent zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung zu. Seine Zusammensetzung deutet darauf hin, dass sich Bergbauunternehmen künftig unter Umständen mit höheren steuerlichen und regulatorischen Belastungen auseinandersetzen müssen. Bei den Parlamentswahlen im November dürfte dies ein heißes Thema sein. Obwohl das Angebot in beiden Ländern nicht gefährdet zu sein scheint, könnte der Preisdruck durch höhere Steuern und zusätzliche Vorschriften durchaus zunehmen.

Die Versorgung mit Chrom, das u. a. in Atomkraftwerken, LED und der Kohlendioxidspeicherung zum Einsatz kommt, ist noch konzentrierter. Nahezu 75 % der weltweiten Chromexporte kommen aus Südafrika. Im Juli wurde das Land von großen sozialen Unruhen heimgesucht. Obwohl die Auswirkungen auf Chromexperte begrenzt waren, verdeutlichen diese Ereignisse die Gefahren.

Die Versorgungskette für Mangan, das für Elektrofahrzeuge, WEA und Kohlendioxidspeicherung genutzt wird, ist ebenfalls sehr eingeschränkt. Südafrika und Gabon bestreiten gemeinsam nahezu 80 % der weltweiten Exporte.

Hierbei handelt es sich um einige auffallende Beispiele. Es gibt jedoch noch andere Metalle, die für die weltweite Energiewende von entscheidender Bedeutung und hinsichtlich des Angebots konzentriert sind. Sie erstrecken sich von Kobalt über Lithium bis zu Nickel.

Energiewende und Schwellenländer untrennbar miteinander verbunden

Angesichts der Tragweite neuer Energietechnologien für die Umsetzung der Netto-Null-Emissionsziele ist die Versorgung mit vielen Industriemetallen von größter Relevanz. Ist das vorhandene Angebot oder die Produktion eingeschränkt, dürfte sich dies mit größter Wahrscheinlichkeit auf die Energiewende auswirken.

Da auf die Schwellenländer ein großer Anteil der weltweiten Metallexporte entfällt, ist die Versorgungssicherheit ebenso wichtig wie die wachsende Nachfrage. Die Ereignisse in Guinea stellen die größten Gefahren in den Vordergrund, mit denen Länder konfrontiert sind, die in den kommenden Jahrzehnten ihre Volkswirtschaften dekarbonisieren wollen.

Wichtige Informationen:

Die hierin enthaltenen Ansichten und Meinungen sind die der Autoren dieser Seite und repräsentieren nicht notwendigerweise die Ansichten, die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck gebracht oder reflektiert werden. Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ist in keiner Weise als Werbematerial gedacht. Das Material ist nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten gedacht. Das Material ist nicht als Buchhaltungs-, Rechts- oder Steuerberatung oder als Anlageempfehlung gedacht und sollte auch nicht als solche angesehen werden. Schroders geht davon aus, dass die hierin enthaltenen Informationen zuverlässig sind, übernimmt jedoch keine Gewähr für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Für Irrtümer in Bezug auf Fakten oder Meinungen kann keine Verantwortung übernommen werden. Bei individuellen Investitions- und/oder strategischen Entscheidungen sollte man sich nicht auf die Ansichten und Informationen in diesem Dokument verlassen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse, die Kurse von Aktien und die daraus erzielten Erträge können sowohl fallen als auch steigen, und Investierende erhalten möglicherweise nicht den ursprünglich investierten Betrag zurück.

Abonnieren Sie unsere Insights Artikel

Wählen Sie die Kategorien aus, die Sie am meisten interessieren und erhalten Sie unsere Insights Artikel direkt per E-Mail.

Wichtige Informationen:


Die hierin enthaltenen Ansichten und Meinungen sind die der Autoren dieser Seite und repräsentieren nicht notwendigerweise die Ansichten, die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck gebracht oder reflektiert werden. Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ist in keiner Weise als Werbematerial gedacht. Das Material ist nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten gedacht. Das Material ist nicht als Buchhaltungs-, Rechts- oder Steuerberatung oder als Anlageempfehlung gedacht und sollte auch nicht als solche angesehen werden. Schroders geht davon aus, dass die hierin enthaltenen Informationen zuverlässig sind, übernimmt jedoch keine Gewähr für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Für Irrtümer in Bezug auf Fakten oder Meinungen kann keine Verantwortung übernommen werden. Bei individuellen Investitions- und/oder strategischen Entscheidungen sollte man sich nicht auf die Ansichten und Informationen in diesem Dokument verlassen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse, die Kurse von Aktien und die daraus erzielten Erträge können sowohl fallen als auch steigen, und Investierende erhalten möglicherweise nicht den ursprünglich investierten Betrag zurück.

Authors

Andrew Rymer
Investment-Redakteur
David Rees
Senior Emerging Markets Economist

Themen

Im Fokus
Rohstoffe
Andrew Rymer
David Rees
Schwellenländer
China
Volkswirtschaftliche Analysen
Volkswirtschaft
Ihr Kontakt zu Schroders
Folgen Sie uns

Nur für professionelle Investoren. Diese Seite ist nicht für Privatanleger geeignet.

Die auf dieser Website und all unseren Social Media Kanälen gewählte männliche Form bezieht sich immer zugleich auf weibliche, männliche und diverse Personen.

Schroder Investment Management (Europe) S.A., German Branch Taunustor 1 (TaunusTurm) 60310 Frankfurt am Main Deutschland

Schroders ist ein weltweit führender Vermögensverwalter mit Standorten in 37 Märkten in Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika, Asien-Pazifik und im Nahen Osten.

Schroder ISF steht im gesamten Text für Schroder International Selection Fund. Schroder AS steht im gesamten Text für Schroder Alternative Solutions. Schroder SSF steht im gesamten Text für Schroder Special Situations Fund. Schroders hat in diesem Dokument eigene Ansichten und Meinungen zum Ausdruck gebracht. Diese können sich ändern.

Die in der Vergangenheit erzielte Performance gilt nicht als zuverlässiger Hinweis auf künftige Ergebnisse. Anteilspreise und das daraus resultierende Einkommen können sowohl steigen als auch fallen; Anleger erhalten eventuell den investierten Betrag nicht zurück.

Das dient nur zur Veranschaulichung und stellt keine Anlageempfehlung für die oben genannten Wertpapiere/Branchen/Länder dar.

Schroder Investment Management (Europe) S.A. unterliegt dem luxemburgischen Gesetz vom 17. Dezember 2010.

Schroder Real Estate KVG mbH, Taunustor 1 (Taunusturm), 60310 Frankfurt am Main Deutschland

Schroder Real Estate Asset Management GmbH, Maximilianstraße 31, 80539 München Deutschland

Schroder Real Estate stellt seinen Kunden eine breite Palette an Pan-Europäischen Immobilienprodukte wie offene und geschlossene Immobilienfonds, Spezialfonds und Dachfonds oder börsennotierte REITs und Immobilienaktienfonds zur Verfügung.

© Copyright 2024 Schroder Investment Management (Europe) S.A., German Branch. Alle Rechte in allen Ländern.