Trumps erste 100 Tage – so entwickelten sich die Märkte

Geht der „Trump Bump“ seinem Ende entgegen? Ein Blick auf die Entwicklung von Aktienmärkten, Währungen und Anleihen.

10.05.2017
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Authors

David Brett
Redakteur

Ist der „Trump Bump“ vorbei?

Der Aufwärtstrend bei den Aktienmärkten, beim US-Dollar und bei den Anleiherenditen im Zuge des Einzugs von Donald Trump ins Weiße Haus verliert nun, nach den ersten 100 Tagen im Amt, allmählich an Schwungkraft. Donald Trump ließ sich auf einer Welle der populistischen und unternehmensfreundlichen Politik direkt bis ins Weiße Haus tragen. Er versprach massive Investitionen, die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Sicherung der Grenzen des Landes und keine Einmischung in auswärtige Angelegenheiten.

Der vergangene Samstag – der 29. April 2017 – markierte für Trump den 100. Tag im Weißen Haus. Die ersten 100 Tage einer Präsidentschaft gelten als produktivste Zeit für die Umsetzung von Wahlversprechen in neue Gesetze. Der Begriff „Trump Bump“ entstand, als der Markt positiv auf seine unternehmensfreundlichen Ankündigungen reagierte – in der Hoffnung, dass diese Maßnahmen das Wachstum in den USA und weltweit ankurbeln würden. Zuletzt hat sich die Stimmung jedoch eingetrübt. Die Konjunkturdaten waren weniger positiv, Trump ist es nicht gelungen, wichtige Gesetzesvorhaben durchzusetzen, und sein unberechenbares politisches Vorgehen rief eine gewisse Nervosität am Markt hervor.

Könnte der „Trump Bump“ in einen „Trump Slump“ umschlagen? Und was bedeutet das für Ihre Anlagen? Warum sind „die ersten 100 Tage“ einer Präsidentschaft so wichtig?

Die ersten 100 Tage gelten als Schonfrist für einen Präsidenten, da er in der Regel mit einer hohen Zustimmungsquote ins Amt einzieht.Theoretisch sollte es dem Präsident dadurch leichter fallen, Gesetze zu verabschieden und in der Regierung den Ton anzugeben.Wie haben sich die Aktienmärkte in den 100 Tagen entwickelt? Die Aktienmärkte reagierten positiv auf den Wahlsieg von Trump im November, gefolgt von kräftigen Kursgewinnen in den ersten Tagen seiner Präsidentschaft. Nun lässt der Markt jedoch allmählich Zweifel erkennen.Trump versprach massive Infrastrukturinvestitionen, die das Wirtschaftswachstum ankurbeln könnten. Insbesondere sein Versprechen, die Steuerbelastung für Unternehmen zu senken, trieb die Aktienkurse in die Höhe. Als es Trump jedoch nicht gelang, seine Vorlagen durch den Kongress zu bringen und seine politischen Vorhaben damit in der Gesetzgebung zu verankern – insbesondere, als er mit der Aufhebung des Gesundheitsgesetzes von Obama scheiterte – kamen Zweifel an seinen Steuerplänen auf. Dies trug zur jüngsten Schwäche des Aktienmarktes bei. Wie die nachstehende Grafik veranschaulicht, begann der amerikanische Leitindex S&P 500 kurz vor dem Scheitern von Trumps gesundheitspolitischem Gesetzesentwurf im US-Kongress abzurutschen. Die Aktienmärkte werden jedoch von vielen Faktoren beeinflusst. Der Anstieg der vier Leitindizes – FTSE 100, S&P 500, Eurostoxx 50 und Nikkei 225 – am Ende des Zeitstrahls in der Grafik erfolgte am Tag nach der Bestätigung, dass Emmanuel Macron in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich gesiegt hatte.

Wie haben sich die einzelnen Sektoren entwickelt?

Trotz der Kursgewinne aufgrund der Rhetorik von Trump sind die Anleger nach wie vor defensiv ausgerichtet.
Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der wichtigsten Sektoren im S&P 500 während der ersten 100 Tage der Präsidentschaft von Donald Trump. Die Grafik startet vom gemeinsamen Ausgangswert 100. Sektoren mit einem Wert über 100 haben während Trumps ersten 100 Tagen zugelegt. Solche mit einem Wert unter 100 verzeichneten einen Rückgang. Bisher hatte die Wahl von Trump für neun der zehn Sektoren positive Auswirkungen. Aktien aus dem Gesundheitssektor und Versorgerwerte entwickelten sich mit am besten. Sie gelten als defensive Aktien, da sie in der Regel ungeachtet der allgemeinen Verfassung des Aktienmarktes konstante Erträge und stabile Gewinne bieten.

Kommentar von Chefökonom Keith Wade:

„Aus Marktperspektive machten sich die Auswirkungen größtenteils bereits vor dem Amtsantritt von Präsident Trump bemerkbar, da die Anleger mit einem stärkeren Wachstum und niedrigeren Steuern rechneten. Dies trieb die Aktienkurse und Anleiherenditen nach oben.Seither hat ein Realitätstest eingesetzt, da die Anleger die Gewaltenkontrolle innerhalb des Systems in ihre Rechnung einbeziehen mussten. Bisher ist es dem Kongress nicht gelungen, eine Gesetzesvorlage zum Gesundheitswesen zu verabschieden. Zudem muss der Präsident einen Kompromiss schließen, der die für Haushaltsdisziplin einstehenden Stimmen in der Republikanischen Partei zufriedenstellt, um Steuersenkungen zu realisieren. Infolgedessen haben Anleger ihre Erwartungen an ein umfassendes Konjunkturpaket heruntergeschraubt. Zusammen mit etwas durchwachsenen Konjunkturdaten führte dies zu einer Neueinschätzung der Aktienmärkte, insbesondere angesichts der hohen Erwartungen, die in den aktuellen Bewertungen in den USA eingepreist sind. Obwohl die mangelnden Fortschritte im US-Kongress bei den Anlegern eine gewisse Frustration hervorgerufen haben, sind die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetreten. Präsident Trump hat China nicht gleich am ersten Tag als Währungsmanipulator gebrandmarkt und seine Drohungen mittlerweile komplett zurückgenommen. Im Augenblick hat die Kooperation mit China in der Nordkorea-Frage höhere Priorität.

Ganz allgemein hat es mit Ausnahme punktueller Strafzölle keine Protektionismuswelle gegeben, die zu einem Handelskrieg geführt und den globalen Konjunkturaussichten geschadet hätte.Die Debatten über die Zukunft des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) werden fortgesetzt, und die Regierung scheint größeres Interesse daran zu haben, Exportchancen zu erschließen, als Importe zu stoppen.Vom Handel abhängige Regionen wie etwa die Schwellenländer atmeten erleichtert auf. Mit seiner Klage über die Stärke des US-Dollars hat der Präsident jedoch mit einer Tradition gebrochen. Allem Anschein nach hat er sich von der Politik des „starken Dollars“ verabschiedet, was in den nächsten 100 Tagen signifikante Auswirkungen haben könnte.“

Wie haben sich Anleihen in den ersten 100 Tagen entwickelt?

Wie die folgende Grafik zeigt, sind die Anleihekurse seit dem Einzug von Donald Trump ins Weiße Haus entgegen den Erwartungen gestiegen. Die Anleihekurse steigen, da die Renditen sinken.
Obwohl die Politik Trumps Aussicht auf höhere Inflation bietet, was normalerweise die Anleiherenditen in die Höhe treibt, sind diese seit seinem Amtsantritt wieder gesunken. Das heißt, dass die Kurse der Anleihen gestiegen sind. Trump hat massive Infrastrukturinvestitionen versprochen. Theoretisch sollten höhere Staatsausgaben Arbeitsplätze schaffen. Das wiederum sollte zu höheren Konsumausgaben und einer stärkeren Nachfrage nach Gütern führen und somit die Preise in die Höhe treiben. Um die Inflation einzudämmen, müssen die Zinssätze möglicherweise steigen. Angesichts steigender Erwartungen auf Zinserhöhungen steigen auch die Anleiherenditen. Deshalb kletterten die Anleiherenditen vor dem Amtsantritt von Trump auf einige ihrer höchsten Niveaus der vergangenen Jahre.Der Markt hat seine Position jedoch offenbar überdacht, da Trump Mühe hatte, Gesetzesentwürfe durch den Kongress zu bringen.

Wie haben sich die Währungen in den 100 Tagen entwickelt?

Mit Ausnahme des britischen Pfunds ist der US-Dollar gegenüber allen wichtigen Währungen gestiegen. Trumps inflationäre Politik, die zu höheren Zinsen in den USA führen sollte, macht Erträge in US-Dollar attraktiver.Aufgrund der Erholung der US-Wirtschaft könnten die Zinserhöhungen steiler verlaufen als in den meisten anderen Industrieländern. Wenn diese Entwicklung anhält, dürfte der US-Dollar stark bleiben. Wie auch beim Anstieg der Anleiherenditen ist fraglich, wie viel der Stärke des US-Dollar tatsächlich Trump zuzuschreiben ist und nicht anderen Faktoren.Das britische Pfund wurde zum Beispiel durch den Brexit belastet, während die Besorgnis über die Ergebnisse der Wahlen in Europa die Nachfrage nach dem Euro dämpft. In den vergangenen Wochen haben jedoch beide Währungen gegenüber dem US-Dollar angezogen, da die politische Situation sich klarer abzeichnete. Die einzige Währung, auf die Trump einen gewissen Einfluss hatte, ist der mexikanische Peso. Aufgrund der Haltung von Trump in Bezug auf den Handel mit Mexiko und die Einwanderung ist der Peso stark gefallen.

Was bedeutet das für Ihre Anlagen?

Käufe und Verkäufe aufgrund von kurzfristigen Ereignissen sind mit Risiken verbunden, insbesondere dann, wenn es dabei um Politik geht. Es ist unmöglich, genau vorherzusagen, wie die Märkte zu irgendeinem Zeitpunkt reagieren werden. Zum Beispiel nahmen die Märkte den Sieg von Trump bei den US-Wahlen zunächst negativ auf, bevor sie dann in den folgenden Monaten kräftig stiegen. Es ist wichtig, über eine klar definierte, langfristige Strategie zu verfügen und daran festzuhalten. Wenn Sie zum Beispiel der Ansicht sind, dass langfristige Anlagen in Unternehmen aus dem Bereich des Gesundheitswesens stabilere Erträge bieten, sollte ein neuer Präsident keine allzu große Rolle spielen. Wie sich in den USA gezeigt hat, werden die Wahlversprechen nicht immer in Gesetze umgesetzt, sobald ein Kandidat sein Amt antritt.

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von David Brett, Investment Writer, und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.

 

 

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