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Active Ownership Q&A: Wie Investoren Veränderungen fördern können

Was bedeutet Active Ownership in der Praxis wirklich? Experten aus unserem Sustainable Investment-Team erklären.

04.04.2022
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Authors

Jo Marshall
Investment Writer

Active Ownership (aktive Eigentümerschaft) ist ein wichtiges Instrument nachhaltiger Investoren.

Kimberley Lewis, Leiterin Active Ownership bei Schroders, meint dazu: „Wenn Schroders die Entscheidung getroffen hat, im Auftrag von Kunden in ein Unternehmen zu investieren, glauben wir, dass wir den Wert dieser Investition schützen und steigern können, indem wir aktive Eigentümer sind und mit diesem Unternehmen zusammenarbeiten. Dies ist ein zentraler Bestandteil unserer Anlagephilosophie.“

Aber was ist das genau? Wie sieht es in der Praxis aus? Wie drängt Schroders beim Management von Unternehmen auf Veränderungen?

Was ist Active Ownership?

KL: „Active Ownership bedeutet unter anderem, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, um das Unternehmensverhalten in Bezug auf langfristige Nachhaltigkeitsthemen zu beeinflussen.

Durch den kontinuierlichen Dialog lernen wir die Unternehmen besser kennen und fordern sie gegebenenfalls dazu auf, ihre Praktiken zu ändern. Einmal im Jahr haben wir zudem die Möglichkeit, auf der Hauptversammlung eines Unternehmens abzustimmen.“

Was meinen wir mit „Engagement“, wenn wir von Active Ownership sprechen?

Hannah Simons, Leiterin der Nachhaltigkeitsstrategie, meint dazu: „Wenn in der Branche von „Engagement" (also Zusammenarbeit) die Rede ist, ist damit wirklich die Interaktion mit den Unternehmen gemeint, in die wir das Geld unserer Kunden investiert haben.

Diese Interaktion ist entscheidend für unsere Einschätzung, was eine gute Investition ist. Aus diesem Grund treibt nicht nur unser Sustainable Investment-Team diese Aktivitäten voran, sondern auch die Portfoliomanager und Finanzanalysten.“

Warum ist die aktive Zusammenarbeit mit Unternehmen wichtig?

KL: „Weil uns der Austausch mit Unternehmen einerseits dabei hilft, diese besser zu verstehen, und uns andererseits die Gelegenheit gibt, unsere Erwartungen deutlich zu machen.

Letztendlich sind diese Verbindung und dieses gemeinsame Verständnis entscheidend, wenn es im Dialog um Veränderungen geht, die unserer Ansicht nach notwendig sind, um den Wert von Investitionen, für die wir verantwortlich sind, zu sichern und sogar zu steigern.“

Wie funktioniert das in der Praxis?

KL: „Zusammenarbeit beginnt im Allgemeinen damit, die Grundlage für dieses gemeinsame Verständnis zu schaffen und dem Unternehmen zu helfen, unsere Position zu einem Thema zu verstehen.

Zu den Mitteln, deren wir uns dazu bedienen, gehören Einzelgespräche mit Unternehmensvertretern wie Vorstandsmitgliedern oder Leitern von Fachbereichen, Telefonate oder schriftliche Korrespondenz mit Unternehmensberatern und Stakeholdern sowie gemeinsame Engagements mit anderen Unternehmen, beispielsweise zu Rahmenwerken für die Berichtserstattung.“

Fallstudie Recruit Holding: Eine Personalberatungsagentur zum Besseren verändern

Von Katherine Davidson, Portfoliomanagerin und Nachhaltigkeitsspezialistin

Wir investieren seit mehreren Jahren in Recruit Holdings mit Hauptsitz in Tokio und halten fast 1 % des Unternehmens. Seine wichtigsten Aktivposten sind die Stellenvermittlungsseiten Glassdoor und Indeed.

Das Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, den sozialen Wert in den Vordergrund zu stellen, indem es den Arbeitsmarkt effizienter gestaltet und Diversität fördert.

2019 gaben wir Feedback zur Führung des Unternehmens und zur Vergütung von Führungskräften. Im Jahr 2020 berief Recruit zum ersten Mal eine Frau in den Vorstand.

Im März 2021 ermutigten wir Recruit, sich Netto-Null-Ziele zu setzen, und im Mai 2021 kündigte das Unternehmen erstmals unternehmensweite Emissionsreduktionsziele an, einschließlich Plänen, bis 2030 Netto-Null zu erreichen.

Unsere anschließenden Gespräche mit dem Unternehmen konzentrierten sich auf die Umsetzung, einschließlich Best Practices für den CO2-Ausgleich. Das Unternehmen kündigte außerdem Ziele für die Gleichstellung der Geschlechter auf allen Ebenen der Organisation bis 2030 an.

Recruit plant, dies zu erreichen, indem die Agentur die Entwicklung jüngerer Frauen beschleunigt, und hat vor, mehr ausländische Frauen einzustellen, um seinen Pool an weiblichen Talenten zu erweitern.

Diversity-Ziele sind nun in der Vergütungsstruktur für Führungskräfte verankert. Wir werden den Fortschritt von Recruit weiterhin beobachten, wenngleich wir das bisher Erreichte bereits als sehr positiv betrachten.
Das Unternehmen hat kürzlich die Nominierung einer weiteren unabhängigen Direktorin für den Vorstand ab 2022 angekündigt, wodurch der Frauenanteil auf ganze 30 % steigen wird.

Bei welchen Themen engagiert sich Schroders?

HS: „Wir konzentrieren uns auf Themen, die nach gründlicher Prüfung unserer Meinung nach für den langfristigen Wert unserer Positionen wesentlich sind. Dabei berücksichtigen wir die Verbindungen eines Unternehmens mit seinen wichtigsten Stakeholdern – Angestellten, Kunden, Gesellschaftsgruppen, Umwelt, Lieferanten und Aufsichtsbehörden – und den Einfluss, den es auf sie ausübt.

Die Governance-Struktur und die Qualität des Managements, die für diese Beziehungen zu den Stakeholdern bestimmend sind, sind ebenfalls ein wichtiger Schwerpunkt der Zusammenarbeitsgespräche.“

Was macht eine erfolgreiche Zusammenarbeit aus?

KL: „Wir glauben, dass vier Elemente für erfolgreiche Zusammenarbeit entscheidend sind: Wissen, Beziehungen, Einfluss und Anreize.

Wir stützen uns nicht nur auf die Expertise des Sustainable Investment-Teams, sondern nutzen auch die Sichtweise unserer Portfoliomanager, Analysten, externen Partner und Kunden, um wirklich zu verstehen, welche Nachhaltigkeitsaspekte für die langfristige Weiterentwicklung wichtig sind.

Schroders hat mit vielen der Unternehmen, in die es investiert, solide, langjährige Beziehungen aufgebaut, wobei unser Engagement bis ins Jahr 2000 zurückreicht.

Die durch die Zusammenarbeit mit den Unternehmen gewonnenen Erkenntnisse können den Investment Case direkt beeinflussen.

Denn letztlich liegt es in unserer Macht, eine Position zu reduzieren oder gar zu verkaufen, wenn die Zusammenarbeit nicht erfolgreich ist, oder wir haben die Möglichkeit, eine Anlage erst gar nicht zu vorzunehmen. Bei börsennotierten Aktien üben wir unser Stimmrecht aus.“

Wie berichten Sie über Fortschritte?

KL: „Wir berichten vierteljährlich über alle Aspekte unserer Engagement-Aktivitäten. Dazu führen wir fortlaufend Aufzeichnungen über unsere Tätigkeit in diesem Bereich und überprüfen den Fortschritt anhand der von uns festgelegten Ziele. Doch ein robuster Mechanismus zur Fortschrittsbewertung ist nicht nur für die Berichterstattung wichtig.

Für uns ist es auch ein Weg, dazuzulernen und herauszufinden, welcher Ansatz unter welchen Umständen bessere Erfolgsaussichten hat.“

HS: „Unsere Kunden fragen uns häufig nach Berichterstattung über Fortschritte. Transparenz in Hinblick auf den Prozess ist auch für andere, denen wir als Investoren Rechenschaft schulden, von entscheidender Bedeutung.“

Unsere Vision für die Zukunft

Schroders blickt auf eine lange Geschichte des Engagements und Active Ownerships zurück. Wir haben unsere erste Governance-Ressource im Jahr 1998 ernannt und haben ESG-Engagements über mehr als 20 Jahre aufgezeichnet und überwacht.

Unser schnell wachsendes Team für aktive Eigentümerschaft setzt auf dieser Grundlage die Arbeit fort und hat seine Vorstellung in einem kürzlich veröffentlichten Engagement Blueprint dargelegt. Sie finden den Blueprint im Abschnitt „Active Ownership“ auf unserer Website.

KL: „Unsere Bemühungen für die künftige aktive Beteiligung ist in den langfristigen Ergebnissen verwurzelt, die wir in den Betrieben sehen wollen. Wir werden sie als Kompass für unsere künftigen Engagements nutzen.“

 

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Die hierin enthaltenen Ansichten und Meinungen sind die der Autoren dieser Seite und repräsentieren nicht notwendigerweise die Ansichten, die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck gebracht oder reflektiert werden. Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ist in keiner Weise als Werbematerial gedacht. Das Material ist nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten gedacht. Das Material ist nicht als Buchhaltungs-, Rechts- oder Steuerberatung oder als Anlageempfehlung gedacht und sollte auch nicht als solche angesehen werden. Schroders geht davon aus, dass die hierin enthaltenen Informationen zuverlässig sind, übernimmt jedoch keine Gewähr für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Für Irrtümer in Bezug auf Fakten oder Meinungen kann keine Verantwortung übernommen werden. Bei individuellen Investitions- und/oder strategischen Entscheidungen sollte man sich nicht auf die Ansichten und Informationen in diesem Dokument verlassen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse, die Kurse von Aktien und die daraus erzielten Erträge können sowohl fallen als auch steigen, und Investierende erhalten möglicherweise nicht den ursprünglich investierten Betrag zurück.

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