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Anleger wollen jährlich 10,3 % ihrer Ersparnisse für den Ruhestand in Anspruch nehmen

Anleger glauben, dass sie von ihrem Ersparten für den Ruhestand viel Geld in Anspruch nehmen können, ohne dass ihnen das Kapital ausgeht. Dies zeigt die Schroders Global Investor Study 2019.

19.11.2019
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Authors

David Brett
Redakteur

Einer neuen weltweiten Studie zufolge glauben Anleger, dass sie im Durchschnitt 10,3 % pro Jahr von ihren Ersparnissen für den Ruhestand in Anspruch nehmen können, ohne dass ihnen das Geld ausgeht.

Dieser Wert liegt deutlich über dem seit Langem empfohlenen Betrag, den man pro Jahr abziehen kann, um damit sein Einkommen zu bestreiten. In den USA beispielsweise wird seit mehreren Jahrzehnten die „4-Prozent-Regel“ als Grundlage für die Finanzplanung herangezogen. Inzwischen halten einige Experten aber auch diese Zahl für zu hoch gegriffen. 

Dies zeigt die Schroders Global Investor Study 2019, in der die Ansichten von mehr als 25.000 Anlegern aus 32 Regionen weltweit erfasst wurden.

Sangita Chawla, Head of Retirement Savings bei Schroders, kommentiert: „Eine so hohe Zahl im aktuellen Marktumfeld ist erschreckend. 

Unsere Berechnungen [siehe unten] zeigen, dass eine Rate von 10,3 % die Ersparnisse eines Ruheständlers innerhalb von zehn Jahren aufzehren könnte.

Warum also sind die Anleger so optimistisch? Es könnte daran liegen, dass viele Menschen ihre Lebensdauer unterschätzen. Laut Daten der Vereinten Nationen ist die durchschnittliche Lebenserwartung für 65-Jährige in den vergangenen zehn Jahren von 80 auf 82 Jahre gestiegen.

Hierbei gibt es geschlechterbedingte Unterschiede und man sollte mit einem weiteren Anstieg in der Zukunft rechnen. Es sind aber vor allem die Schwellenländer, in denen die Bevölkerung immer älter wird.

Möglich ist auch, dass Menschen glauben, viel Geld in Anspruch nehmen zu können, weil sie sich auf andere Ertragsquellen oder Vermögen verlassen können.

Selbst wenn man von diesen Faktoren einmal absieht, lässt sich nicht bestreiten, dass man nur schwer berechnen kann, wie lange die Ersparnisse reichen werden, da insbesondere die Inflation, Gebühren und schwankende Anlagerenditen berücksichtigt werden müssen. Wir empfehlen grundsätzlich die Beratung durch einen unabhängigen Finanzberater.“ 

Wie lange werden meine Ersparnisse im Ruhestand reichen?

Die „4-Prozent-Regel“ stammt aus den frühen 1990er-Jahren. Von ersparten 100.000 US-Dollar würde ein Anleger 4.000 US-Dollar pro Jahr nutzen. Diese Rate würde im Schritt mit der Inflation jedes Jahr steigen. Hebt man mehr ab, besteht die Gefahr, dass das Geld dieser Regel zufolge nach 30 Jahren ausgeht.

Die unten stehende Tabelle basiert auf Analysen von Schroders und zeigt die Auswirkungen von Inanspruchnahmen von 10,3 % auf ein Portfolio.

Nehmen wir ein Portfolio an, das (nach Abzug der Inflation) eine Realrendite von 4 % erwirtschaftet. Unter Berücksichtigung von Gebühren von 1 % pro Jahr würde einem Rentner nach zehn Jahren das Geld ausgehen.

Ein Rentner, der 20 Jahre lang lebt und pro Jahr 10 % in Anspruch nehmen will, müsste diese 100.000 US-Dollar in Vermögenswerte investieren, die pro Jahr mit 10 % rentieren (nach Abzug von Gebühren und Inflation). 

Es ist nicht nur sehr unwahrscheinlich, dass der Ruheständler ein derartiges Risiko eingehen würde. Ferner ist es auch sehr schwierig, Portfolios zu finden, die solche Renditen über einen 20-Jahres-Zeitraum abwerfen.

Um für einen Ruhestand von 20 Jahren auszureichen, wäre eine jährliche Rendite von 10 % nach Kosten und Inflation erforderlich.

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Regionale Unterschiede

Die Schroders Global Investor Study 2019 zeigte auch regionale Unterschiede darin, welchen durchschnittlichen Anteil Anleger ihres Erachtens jedes Jahr von ihren Ersparnissen abziehen können, ohne dass ihnen das Geld ausgeht. Anleger in Indien wiesen den größten Durchschnitt auf (15,0 %), Anleger in Japan hingegen den niedrigsten (7,3 %).

Nach Regionen wiesen Anleger aus Asien den höchsten Durchschnitt auf (10,8 %). Am niedrigsten lag der Durchschnitt in Europa (9,8 %). In Nord- und Südamerika waren es 10,4 %.

Eine Liste mit den vollständigen Ergebnissen finden Sie weiter unten.

Sangita Chawla bei Schroders kommentiert: „Man sollte berücksichtigen, dass die Zinsen in manchen Ländern, beispielsweise Indien, höher sind, und dass die Anleger mit höheren Renditen rechnen können.

Dennoch sind die Beträge, die Anleger weltweit in Anspruch nehmen wollen, sehr hoch, insbesondere wenn man bedenkt, dass die niedrigste angegebene Zahl etwas über 7 % lag. 

Da sollte man wirklich die Alarmglocken schrillen hören, insbesondere angesichts negativer Realzinsen in den Industrieländern. Zwar sind die Realzinsen in manchen Schwellenländern höher, aber auch dort fallen sie inzwischen.“

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Im April 2019 beauftragte Schroders das unabhängige Institut Research Plus Ltd. mit einer Online-Umfrage von 25.743 Personen, die in 32 Märkten rund um die Welt investieren, darunter Deutschland, Australien, Brasilien, Kanada, China, Spanien, die USA, Frankreich, Indien, Italien, Japan, die Niederlande und Großbritannien. Für diese Studie wurden Anleger befragt, die in den nächsten zwölf Monaten mindestens 10.000 Euro (oder den Gegenwert in einer anderen Währung) investieren wollen und in den vergangenen zehn Jahren Änderungen an ihren Anlagen vorgenommen haben.

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