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Das Risiko einer unzureichenden Altersvorsorge

Sangita Chawla (Leiterin Retirement Savings) erklärt, wie wichtig es ist, die Verantwortung für die eigene Altersvorsorge zu übernehmen.

03.12.2019
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Authors

Sangita Chawla
Head of Retirement Savings

Es ist ganz einfach: Wir alle wissen, wie wichtig es ist, für den Ruhestand zu sparen. Aber wir sind uns auch der zahlreichen schwierigen Entscheidungen bewusst, die es zu treffen gilt, und haben Angst, ein falscher Schritt könnte den Unterschied zwischen einem wohlhabenden und einem weitaus weniger erfolgreichen Ruhestand ausmachen.

Die Altersvorsorge in die eigene Hand nehmen

Als meine Eltern in Rente gingen, war alles einfacher. Wie die meisten ihrer Generation hatten sie ihr ganzes Leben immer gespart und konnten auf ihr Erspartes robuste Zinseinkünfte verbuchen. Der Ruhestand war etwas, was einfach passierte. Sie mussten sich nicht groß darauf vorbereiten. Mein Vater, ein Arzt, erhielt die staatliche Grundrente und eine Pension des öffentlichen Diensts.

Heutzutage ist alles anders.

Die Verantwortung für den Ruhestand liegt nun weniger beim Staat und mehr bei jedem einzelnen. Wir haben keine andere Wahl, als zu verstehen, was es bedeutet, für unseren Ruhestand zu planen. Wir müssen frühzeitig Entscheidungen treffen und selbst unsere Altersvorsorge in die Hand nehmen.

Geht es nur darum, Risiken einzugehen?

In dieser offenbar neuen Welt der eigenverantwortlichen Altersvorsorge konzentrieren sich alle Fragen in der Regel auf: „Wie viel muss ich sparen?“ „Wie viel werde ich benötigen?“ und „Wie kann ich es mir bei all meinen Ausgaben eigentlich leisten, etwas zurückzulegen?“

Was indes weniger Aufmerksamkeit erhält und möglicherweise die wichtigste Frage in Bezug auf seine potenziellen Auswirkungen ist, ist auch am schwierigsten zu beantworten: Wie viel Risiko sollte man wann eingehen?

Geht man nicht genug Risiko früh genug ein, reichen die Ersparnisse für den Ruhestand möglicherweise nicht aus. Aber zu viel Risiko zu spät könnte den gleichen Effekt haben. Eine einfache Lösung gibt es nicht, und viel hängt von der eigenen Risikobereitschaft ab.

Einige von uns finden es aufregend, Risiken einzugehen. Wenn Sie Ihre Wochenenden gern mit Fallschirmspringen, Basejumping oder Bergsteigen verbringen, ist Risiko für Sie eine Selbstverständlichkeit, denn Sie leben für den Adrenalinschub. Andere dagegen finden das Risiko schrecklich. Schon die Vorstellung darüber, etwas, das man sein Eigen nennt, einer Gefahr auszusetzen, kann dazu führen, dass Sie sich ängstlich und unwohl fühlen. Gibt es eine goldene Mitte?

Risiken mit den eigenen Ersparnissen einzugehen, bedeutet in der Regel in Vermögenswerte und Märkte zu investieren, die stärkeren Kursschwankungen ausgesetzt sind. Riskantere Anlagen können wesentlich höhere Erträge zeitigen, aber auch beträchtliche Verluste mit sich bringen. Sie eignen sich also nicht für zu Nervosität neigende Anleger.

Diese kurzfristigen Hochs und Tiefs lassen sich möglicherweise überwinden, indem man an einer Anlage für lange Zeit festhält. Der ideale Anlagehorizont wären 20 bis 30 Jahre oder mehr für einen Pensionsfonds.

Wodurch wird unsere Einstellung zum Risiko beeinflusst?

Um einen Einblick zu erhalten, was unser Risikoverhalten beeinflusst, hat Schroders im Rahmen der jährlichen Global Investor Study 2019 25.000 Privatanleger an 32 Märkten weltweit befragt.

Geschlecht, Bildung, Familienstand sowie Einkommen und Vermögen sind nur einige der zu nennenden Faktoren. Unsere Einstellung zum Risiko ändert sich außerdem je nach Lebensphase.

Auch das Selbstvertrauen war ein Faktor, denn die Menschen, die sich mit ihrem Anlagewissen als „Experten“ einstufen, gingen nicht nur ein höheres Risiko ein, sie sparten auch am meisten (18,2 % ihres Einkommens).

Darüber hinaus gingen wir davon aus, dass die Anleger mit ihren persönlichen Ersparnissen mehr Risiken eingehen als mit ihrem Vermögen für die Altersvorsorge. Wir waren daher überrascht, als wir herausfanden, dass mehr als ein Drittel (35 %) der Befragten bei beidem den gleichen Risikoansatz verfolgt, was eventuell nahelegt, dass sie sich als kompetent erachten.

Was kann ich mir im Ruhestand leisten?

Eine sich herauskristallisierende Botschaft ist, dass die Anleger weltweit gerade einmal genug von ihrem Einkommen (15,3 %) für den Ruhestand sparen. Sie glauben allerdings auch, dass sie davon jährlich viel zu viel in Anspruch nehmen können (10,3 %), ohne dass ihnen das Geld ausgehen wird.

Das ist gelinde gesagt optimistisch, insbesondere im aktuellen Marktumfeld und in Anbetracht der Tatsache, dass in vielen Ländern die durchschnittliche Lebenserwartung im Ruhestand 20 Jahre beträgt.

Wer spart am meisten? (Tipp: jemand anders, als Sie denken)

Interessanterweise sind es die Millennials, die sich am meisten mit ihrer Ruhestandsplanung befassen, obwohl sie noch am weitesten von dieser Lebensphase entfernt sind.

Diese Altersgruppe spart nicht nur am meisten (15,9 % ihres Einkommens), die Mehrheit (79 %) ist auch zuversichtlich, genug gespart zu haben. Fast alle Millennials (97 %) sind zudem dafür offen, sich davon überzeugen zu lassen, noch mehr zu sparen.

Vielleicht sollten sie uns als Beispiel dienen, um Gleichaltrige oder sogar ihre Eltern zu ermutigen, es ihnen gleich zu tun.
Das wohl am zuversichtlichsten stimmende Ergebnis der Umfrage ist, dass fast alle Befragten (94 %) angeben, sie könnten sich überzeugen lassen, mehr zu sparen. Die Menschen werden sich allmählich dessen bewusst, dass ein Vorsorgedefizit besteht, und sie sind bereit, etwas dagegen zu unternehmen.

Die Herausforderung besteht nun darin, dass wir in der Branche den Menschen die Instrumente an die Hand geben, die sie brauchen, um zu erkennen, wo sie sich auf ihrem Weg zum Ruhestand befinden, und sie dabei unterstützen, die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Wenn wir darlegen können, wie sich der Ruhestand für einen individuellen Anleger gestalten wird, können wir vielleicht Zuversicht herstellen, um bessere Entscheidungen im Bereich der Altersvorsorge herbeizuführen.

Eines ist aber sicher: Es besteht Interesse und eine Bereitschaft, die eigene Altersvorsorge in die Hand zu nehmen. Für uns in der Branche ist es nun an der Zeit zuzuhören.

Im April 2019 beauftragte Schroders das unabhängige Institut Research Plus Ltd. mit einer Online-Umfrage von 25.743 Personen, die in 32 Märkten rund um die Welt investieren, darunter Deutschland, Österreich, Australien, Brasilien, Kanada, China, Spanien, die USA, Frankreich, Indien, Italien, Japan, die Niederlande und Großbritannien. Für diese Studie wurden Anleger befragt, die in den nächsten zwölf Monaten mindestens 10.000 Euro (oder den Gegenwert in einer anderen Währung) investieren wollen und in den vergangenen zehn Jahren Änderungen an ihren Anlagen vorgenommen haben.

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