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Kurswechsel bei Chinas Covid-Politik: ein Lichtblick

Aufgrund Chinas Kehrtwende in der Null-Covid-Politik wird ein Anstieg der Infektionsfälle befürchtet. Künftig dürfte jedoch die Konjunktur von der Wiedereröffnung der Wirtschaft profitieren.

13.12.2022
Woman in Covid-19 mask

Authors

David Rees
Senior Emerging Markets Economist

Viele Beobachter Chinas überraschte die plötzliche Abkehr von der Null-Covid-Politik in den vergangenen Wochen. Sie löste eine kräftige Rallye an den lokalen Märkten aus.

Man war sich generell einig, dass strenge Maßnahmen zur Infektionsbekämpfung noch mindestens bis zum Frühjahr gültig blieben. Nach dem Parteitag im Oktober sowie sozialer Aufruhr hat die Regierung viele der restriktivsten Auflagen aufgehoben.

In den kommenden Wochen werden daher als Folge der Aufhebung der Beschränkungen die Infektionsfälle zunehmen. In vielen Ländern, in denen die Beschränkungen aufgehoben wurden, kam es anschließend zu einer Infektionswelle.

Inwieweit sich die steigenden Infektionsfälle auf die Konjunktur des Landes auswirken, bleibt ungewiss. Der Tonfall der Regierung hat sich mit Blick auf die Gefahr der Omicron-Variante geändert. Die Impfrate unter der älteren Bevölkerung ist verhältnismäßig niedrig. Zudem geht die Angst einer Ansteckung um. Es besteht daher ein deutliches Risiko, dass eine große Infektionswelle die Wirtschaftstätigkeit beeinträchtigen könnte. Ein Rückgang der diversen Einkaufsmanagerindizes im November erfolgte gleichzeitig mit einem kräftigen Anstieg der Infektionsfälle, von dem insbesondere der Dienstleistungssektor betroffen war. Die Lage könnte sich kurzfristig verschlechtern.

Der Dienstleistungssektor ist im November offenbar stark von Infektionsfällen betroffen

In der jüngsten Aktualisierung der Prognose haben wir die Wachstumserwartungen aus diesen Gründen für das vierte Quartal nach unten korrigiert. Dadurch schrumpfte unsere Prognose für das Wachstum des BIP für 2022 auf nur 3 %.

Zu diesem Zeitpunkt waren wir allerdings in Bezug auf die Aussichten noch relativ optimistisch. Wir gingen davon aus, dass die Volkswirtschaft von einer zyklischen Erholung profitieren und das Wachstum des BIP etwa 5 % für 2023 und 4,2 % für 2024 betragen würde.

Der Umschwung in der Covid-Politik bringt unsere Prognose mittlerweile stärker ins Wanken. Diesen Umstand haben wir im Zusammenhang mit der schnellen Wiedereröffnung von Chinas Wirtschaft beobachtet.

Umfang und Ausmaß der Marktstörung durch die Infektionswelle sind bisher ungewiss. Die Lockerung der Covid-Beschränkungen wird schließlich die Wirtschaftstätigkeit beleben und einen besseren politischen Kurswechsel ermöglichen. Jede weitere Unterstützung des Wohnungsmarkts wäre selbstverständlich nützlich.

Das folgende Diagramm zeigt, wie reflationär das rasche Szenario einer raschen Wiedereröffnung für die Weltwirtschaft ist. Chinas wirtschaftliche Macht bedeutet, dass ein schnelleres Wachstum dort automatisch das weltweite BIP-Wachstum ankurbeln würde. Doch die Vorteile werden nicht überall zu spüren sein. Chinas große Außenhandelsüberschüsse (das Land exportiert mehr als es importiert) zeigen, dass es keine bedeutende Endnachfrage nach Waren hat. Klar ist jedoch, dass der Konsum sich größtenteils auf Rohstoffe konzentriert.

Szenarioraster - Wachstums- und Inflationsabweichungen vom Basisszenario

Rohstoffproduzenten dürften demzufolge in gewisser Weise von einer stärkeren Wirtschaftsaktivität in China profitieren, andere Volkswirtschaften möglicherweise nicht. Die USA haben beispielsweise ein gewaltiges Handelsdefizit mit China und erzielen aus dem bilateralen Handel nicht viel Wachstum. Eine stärkere Nachfrage bei einer Wiedereröffnung der Volkswirtschaft dürfte im Dienstleistungssektor festzustellen sein. Dies war ein Umstand, der sich weltweit abzeichnete. Daraus ließe sich ableiten, dass das Wachstum Chinas weniger rohstoffintensiv sein wird als bei der Erholung der Wirtschaft in der Vergangenheit. Eine mögliche Grenzöffnung Chinas könnte sowohl dem Tourismus als auch den Rohstoffproduzenten zugutekommen.




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