Post aus Amerika – Teil 2: Was werden Trumps größte Prioritäten bei der Gesetzgebung sein?

David Docherty, Fondsmanager für britische Aktien, besuchte vor Kurzem die USA, um mehr über die neue Regierung Donald Trumps und ihre möglichen Auswirkungen auf die Märkte zu erfahren. Im Teil 2 seiner Ergebnisse bespricht er Deregulierung, Steuerreform und Gesundheitswesen.

24.02.2017
Hospital-Operating-room-monitors

Authors

David Docherty
Fondsmanager Britische Aktien

Trupss Gesetzespläne auf einen Blick

  • Die ganz entschiedene Befürwortung einer Deregulierung auf Seiten Trumps ist für den Markt und die Wirtschaft sehr erfreulich. Umgesetzt werden soll sie durch Exekutivanordnungen und die Ernennung reformfreundlicher Kabinettsmitglieder.
  • Die Steuerreform wird ohne Zweifel eintreten. Ihre Vorteile wurden vom Markt noch nicht eingepreist.
  • Die Reform des Gesundheitswesens wird komplex und zeitaufwendig sein und Risiken für das Preisumfeld für Pharmaaktien mit sich bringen.

Das Wichtigste zuerst – Deregulierung

Trotz der Herausforderungen, die im Teil 1 dieses Briefes dargelegt wurden, hat Präsident Trump (mithilfe des für die Regulierungsreform zuständigen Carl Icahn) einen beträchtlichen Spielraum, um seinen Schwerpunkt auf Deregulierung weiter auszuweiten – nicht zuletzt durch den Erlass von Exekutivanordnungen. Noch am selben Tag seiner Amtseinführung machte Trump dies bekannt und blockierte alle ausstehenden Bestimmungen der Obama-Regierung.

Die Deregulierung dürfte wirtschafts- und marktfreundlich sein und soll ausgeführt werden, indem viele der Exekutivanordnungen von Präsident Obama rückgängig gemacht und neue erlassen werden. Exekutivanordnungen bedürfen nicht der Zustimmung des Kongresses und könnten erhebliche Auswirkungen haben.

trump_letter2-1

Die Deregulierungsagenda wird die Genehmigung von etwa 20 Mrd. US-Dollar für nicht fertiggestellte Pipelineprojekte wie Keystone XL und Dakota Access und das Oregon LNG Exportterminal umfassen und Produktionsbeschränkungen auf staatlichem Land lockern.

Der Wirkungskreis der Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) wird eingeschränkt werden und viele Beobachter glauben, dass eine Reihe anderer Behörden, wie Commodity Futures Trading Commission (CFTC), Securities and Exchange Commission (SEC) und Consumer Financial Protection Bureau (CFPB), eine größere Zurückhaltung an den Tag legen werden.

Paul Atkins, ehemaliger Kommissar der Börsenaufsicht SEC und Mitglied des Übergangsteams von Trump, gab an, dass US-Bundesbehörden in den letzten acht Jahren 392 bedeutende Bestimmungen ausgegeben hätten, deren wirtschaftliche Auswirkungen auf jeweils über 100 Mio. USD pro Jahr geschätzt würden.

Wenn, wie der private Think-Tank Mercatus angibt, Bestimmungen pro Jahr 0,8 % des US-amerikanischen BIP kosten, könnte ihr Widerruf bedeutsame und sehr positive Auswirkungen auf die Wirtschaft und Aktienmärkte haben.  Trumps Wahlversprechen, dass Behörden für jede neue Regel zwei alte fallen lassen müssen, zeugt davon, wie ernst es ihm mit der Deregulierung ist.

Außerdem scheinen auch die Kandidaten Trumps pro Deregulation und Reform zu sein: Scott Pruitt (EPA), Rick Perry (Energie), Betsy DeVos (Bildung), Ben Carson (Wohnungsbau und städtische Entwicklung) und Andy Puzder (Arbeit) werden von vielen als „Füchse im Hühnerhaus” gesehen.

Den Code knacken – Steuerreform

Es sieht danach aus, als habe die Steuerreform für Trump und republikanische Abgeordnete größte Priorität, sodass ihre Umsetzung sehr wahrscheinlich ist. Wie jedoch ein ehemaliges Mitglied des House Ways and Means Committee kommentierte, wird der Prozess „entsetzlich kompliziert” sein.

Der lange Weg zur Reform könnte Anleger durchaus enttäuschen. Denn die Befürworter des Gesetzentwurfs stehen hier vor einer komplexen Aufgabe, z. B. was den Prozess oder den Umfang der Reform angeht, so zum Beispiel die Frage, ob geschäftliche und persönliche Veränderungen kombiniert oder nacheinander angegangen werden sollten.

Tatsächlich hat selbst Trump den Vorschlag der Republikaner zum steuerlichen Grenzausgleich, mit dem die US-Produktion angekurbelt werden soll, indem eine Mehrwertsteuer auf Importwaren erhoben wird, als „zu kompliziert” beschrieben.

Die Abzugsfähigkeit von Zinsen und Anlagenabschreibungen werden auf Unternehmerseite ebenfalls umstrittene Punkte sein, während die Personenbesteuerung in ein Wespennest aus Themen wie die steuerliche Absetzung von Hypothekenzinsen und andere Zuwendungen sticht.

trump_letter2-2

Obwohl die Körperschaftsteuer letzten Endes wohl eher 25 % als die von Trump versprochenen 15 % betragen wird, so ist die allgemeine Richtung jedoch klar – die Regierung strebt einen weltweit wettbewerbsfähigen Steuersatz an.

Insofern scheinen die Anleger recht weit davon entfernt, die positive Auswirkung niedrigerer Steuersätze, höherer Anlagenabschreibungen und den Vorteil einer Rückführungsbestimmung für ausländische Barmittelbestände, welche die Wirtschaft stimulieren könnte, wahrzunehmen.

Die Vorsicht der Anleger könnte auf Befürchtungen zum steuerlichen Grenzausgleich zurückgehen, sowohl was wirtschaftliche Auswirkungen betrifft, wenn er verabschiedet wird, als auch im Hinblick auf das Erreichen von Einkommensneutralität, wenn seine Verabschiedung durch Widerstand des Senats und Bedenken des Präsidenten scheitert.

Aus Anlegerperspektive sind wir sicher, dass Chancen auf Aktien- und Sektorebene während des Steuerreformprozesses und solange Märkte die Kosten oder Vorteile für Unternehmen auf Basis hypothetischer Gesetzesformulierungen falsch einpreisen, entstehen werden.

Ein komplizierter Prozess – Gesundheitsreform

Eine Reform des Gesundheitswesens hat für Trump und seine Partei besondere Priorität, da das Thema während des Wahlkampfs im Scheinwerferlicht stand. Aus diesem Grund unterzeichnete Trump am ersten Tag eine Exekutivanordnung, die von Bundesbehörden verlangt, die „Belastung durch Obamacare” zu reduzieren.

Der Kongress hat den Ball für die Widerrufung bereits ins Rollen gebracht, und Trump verkündete auf Twitter triumphierend, dass der „Unaffordable Care Act” bald der Geschichte angehören würde. Der Ersatz von Obamacare wird sich als schwierige Aufgabe erweisen. Grund sind die inhärente Komplexität des Themas, ein fehlender Konsens unter den Republikanern und die Tatsache, dass der neue Vorschlag von genug demokratischen Senatoren unterstützt werden muss, um die notwendigen 60 Stimmen („Supermajority”) zu gewinnen.

Was diese Zusammenarbeit der beiden Parteien betrifft, so haben einige Demokraten den neuen Schwerpunkt Trumps auf Arzneimittelpreise begrüßt, so z. B. sein Statement, dass neue Bieterverfahren erforderlich seien, da die Pharmakonzerne „sich alles erlauben können”.

Somit ist es durchaus möglich, dass Medicare-Preisverhandlungen gesetzlich festgelegt werden – dies trotz der Zweifel, die von republikanischen Vorsitzenden und Tom Price, Trumps Wahl für das Amt des Gesundheitsministers, geäußert wurden.

Vor diesem Hintergrund empfehlen wir, angesichts der Risiken für große Pharmakonzerne selbst nach einer aktuellen Underperformance vorsichtig zu bleiben.

Abonnieren Sie unsere Insights Artikel

Wählen Sie die Kategorien aus, die Sie am meisten interessieren und erhalten Sie unsere Insights Artikel direkt per E-Mail.

Wichtige Informationen:
Die hierin enthaltenen Ansichten und Meinungen sind die der Autoren dieser Seite und repräsentieren nicht notwendigerweise die Ansichten, die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck gebracht oder reflektiert werden. Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ist in keiner Weise als Werbematerial gedacht. Das Material ist nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten gedacht. Das Material ist nicht als Buchhaltungs-, Rechts- oder Steuerberatung oder als Anlageempfehlung gedacht und sollte auch nicht als solche angesehen werden. Schroders geht davon aus, dass die hierin enthaltenen Informationen zuverlässig sind, übernimmt jedoch keine Gewähr für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Für Irrtümer in Bezug auf Fakten oder Meinungen kann keine Verantwortung übernommen werden. Bei individuellen Investitions- und/oder strategischen Entscheidungen sollte man sich nicht auf die Ansichten und Informationen in diesem Dokument verlassen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse, die Kurse von Aktien und die daraus erzielten Erträge können sowohl fallen als auch steigen, und Investierende erhalten möglicherweise nicht den ursprünglich investierten Betrag zurück.

Authors

David Docherty
Fondsmanager Britische Aktien

Themen

Folgen Sie uns

Nur für professionelle Investoren. Diese Seite ist nicht für Privatanleger geeignet.

Die auf dieser Website und all unseren Social Media Kanälen gewählte männliche Form bezieht sich immer zugleich auf weibliche, männliche und diverse Personen.

Schroder Investment Management (Europe) S.A., German Branch Taunustor 1 (TaunusTurm) 60310 Frankfurt am Main Deutschland

Schroders ist ein weltweit führender Vermögensverwalter mit Standorten in 37 Märkten in Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika, Asien-Pazifik und im Nahen Osten.

Schroder ISF steht im gesamten Text für Schroder International Selection Fund. Schroder AS steht im gesamten Text für Schroder Alternative Solutions. Schroder SSF steht im gesamten Text für Schroder Special Situations Fund. Schroders hat in diesem Dokument eigene Ansichten und Meinungen zum Ausdruck gebracht. Diese können sich ändern.

Die in der Vergangenheit erzielte Performance gilt nicht als zuverlässiger Hinweis auf künftige Ergebnisse. Anteilspreise und das daraus resultierende Einkommen können sowohl steigen als auch fallen; Anleger erhalten eventuell den investierten Betrag nicht zurück.

Das dient nur zur Veranschaulichung und stellt keine Anlageempfehlung für die oben genannten Wertpapiere/Branchen/Länder dar.

Schroder Investment Management (Europe) S.A. unterliegt dem luxemburgischen Gesetz vom 17. Dezember 2010.

Schroder Real Estate KVG mbH, Taunustor 1 (Taunusturm),
60310 Frankfurt am Main Deutschland

Schroder Real Estate Asset Management GmbH, Maximilianstraße 31,
80539 München Deutschland

Schroder Real Estate stellt seinen Kunden eine breite Palette an Pan-Europäischen Immobilienprodukte wie offene und geschlossene Immobilienfonds, Spezialfonds und Dachfonds oder börsennotierte REITs und Immobilienaktienfonds zur Verfügung.

© Copyright 2024 Schroder Investment Management (Europe) S.A., German Branch. Alle Rechte in allen Ländern.