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Schwacher Renminbi als Retter der Welt vor der Inflationskrise?

Ein fallender Renminbi wird bei seinen Handelspartnern oft mit sinkender Inflation in Verbindung gebracht. Wir prüfen, ob die jüngste Abwertung Hoffnung im Inflationskampf bietet.

27.09.2022
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Authors

David Rees
Senior Emerging Markets Economist

Der Renminbi wertete dieses Jahr bisher gegenüber dem US-Dollar um etwa 8 % ab. Mit 6,96 Renminbi pro US-Dollar nähert er sich bereits unserem Jahresendziel von 7 Renminbi.

Chinas Zentralbank, die People’s Bank of China (PBoC), begann, sich einer weiteren Abwertung zu widersetzen. Hierzu senkte sie den Mindestreservesatz vergangene Woche um 2 Prozentpunkte auf 6 %. Zudem setzte sie den Tageskurs für den offiziellen Wechselkurs in den letzten Tagen unerwartet hoch an. Die Aufwertung des US-Dollars hält weiter an. Außerdem belasten wahrscheinliche Rezessionen in den meisten Industrieländern die Auslandsnachfrage stark. Deshalb besteht eindeutig die Gefahr, dass der Wechselkurs auf einen Wert zwischen 7,10 und 7,20 RMB pro US-Dollar ansteigt.

Ein schwächerer Renminbi wird oft mit einem deflationären Impuls für den Rest der Welt in Verbindung gebracht. Denn wenn die Währung abwertet, werden Importe chinesischer Waren für den Rest der Welt billiger. Hat die jüngste Abwertung des Renminbis also den Druck auf die globalen Zentralbanken bei ihrem Kampf gegen die Teuerung verringert?

Es scheint sicherlich eine Verbindung zwischen den Schwankungen des Renminbis und den Inflationsraten seiner Handelspartner zu geben. Wie die nachstehenden Abbildungen zeigen, schwanken beispielsweise die US-Importpreise aus China mit dem Wechselkurs. Und diese Importpreise korrelieren eng mit der Preisbeschleunigung der Kerngüter in den USA. Diese Beziehung macht intuitiv Sinn, und ähnliche Beziehungen werden auch in anderen Volkswirtschaften wie der Eurozone beobachtet.

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Es gibt jedoch einige Gründe, die dagegen sprechen, dass die Abwertung des Renminbis die weltweite Inflationskrise gelöst hat.

Zunächst einmal gilt die Korrelation zwischen Währungsschwankungen und Preisen wirklich nur für den Kerngüteranteil des Preisanstiegs in anderen Ländern.

Der Renminbi hat keinen großen Einfluss auf weitere wichtige Katalysatoren wie die Eigentümeräquivalentmieten, lokale Dienstleistungen oder selbst internationale Rohstoffpreise. Denn diese Faktoren machen den Großteil der Inflation in Märkten wie den USA aus.

Als solches ist das Verhältnis zwischen dem Renminbi und der Gesamtinflation, in diesem Fall in den USA, nicht besonders ausgeprägt. Der Grund: Mehrere Phasen der Währungsschwankungen schlagen sich nicht in der Gesamtinflation nieder.

Generell sollte man sich nicht zu der Vermutung verleiten lassen, dass Korrelation Kausalität bedeutet. Schließlich ist der Renminbi tendenziell sehr zyklisch. Wenn die Exporte stark ansteigen, wertet die Währung tendenziell auf, und wenn die Exporte zurückgehen – wie jetzt –, wertet die Währung tendenziell ab. Und wenn die globale Nachfrage stark ist und Chinas Exporte gut laufen und der Renminbi aufwertet, sind Unternehmen natürlich eher in der Lage, höhere Kosten an die Verbraucher weiterzugeben, wodurch die Teuerung steigt.

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Auf dieser Grundlage ist die weltweite Inflationsdynamik immer noch eine Funktion der Stärke der Nachfrage, und die Schwankungen des Renminbis sind größtenteils ein Nebenprodukt seiner Auswirkungen auf den Handel. Tatsächlich war eine erwartete Verlangsamung der Exporte aufgrund der nachlassenden Nachfrage nach Industriegütern seit Jahresbeginn ein Hauptgrund für unsere pessimistische Einschätzung des Renminbis.

Das Ergebnis ist, dass der schwächere Renminbi, abgesehen von einer unwahrscheinlich großen einmaligen Abwertung, weder die globale Inflationsdynamik noch die Notwendigkeit für die Zentralbanken der Industrieländer, die Zinssätze weiter zu erhöhen, wesentlich verändert.

 

Wichtige Informationen: Die hierin enthaltenen Ansichten und Meinungen sind die der Autoren dieser Seite und repräsentieren nicht notwendigerweise die Ansichten, die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck gebracht oder reflektiert werden. Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ist in keiner Weise als Werbematerial gedacht. Das Material ist nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten gedacht. Das Material ist nicht als Buchhaltungs-, Rechts- oder Steuerberatung oder als Anlageempfehlung gedacht und sollte auch nicht als solche angesehen werden. Schroders geht davon aus, dass die hierin enthaltenen Informationen zuverlässig sind, übernimmt jedoch keine Gewähr für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Für Irrtümer in Bezug auf Fakten oder Meinungen kann keine Verantwortung übernommen werden. Bei individuellen Investitions- und/oder strategischen Entscheidungen sollte man sich nicht auf die Ansichten und Informationen in diesem Dokument verlassen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse, die Kurse von Aktien und die daraus erzielten Erträge können sowohl fallen als auch steigen, und Investierende erhalten möglicherweise nicht den ursprünglich investierten Betrag zurück.

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