Der „3D Reset“: Deglobalisierung
Die Deglobalisierung ist eines der drei „Ds“, von denen wir glauben, dass sie die neue wirtschaftliche Realität prägen werden, die durch eine höhere Inflation gekennzeichnet sein wird. Wir erklären, wie.
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Die verblassenden Vorteile der Globalisierung werden wahrscheinlich eine weiter steigende Inflation zufolge haben. Hier erläutern wir, wie es dazu kommen kann.
Die geopolitischen Entwicklungen, zuletzt die russische Invasion in der Ukraine, könnten einen wichtigen Wendepunkt auf diesem Weg markieren. Es scheint, als befinde sich die Weltwirtschaft auf dem Weg zurück in eine Zeit, in der der alte Feind Inflation stets außer Sichtweite lauerte.
Diese Zeit ging dem voraus, was Zentralbanker als die Ära der nicht-inflationären, kontinuierlichen Expansion bezeichnen („NICE“; Non-Inflationary Consistent Expansionary).
Die NICE-Ära begann in den 1990er Jahren. Eine der wichtigsten Triebfedern war der Globalisierungsprozess, der sich in dieser Zeit rapide beschleunigte und der Welt half, die inflationären 1970er und 1980er Jahre hinter sich zu lassen.
Die Globalisierung ist jedoch nicht mehr in vollem Gange. Daher kann es sein, dass sie nicht mehr die gleichen Vorteile bietet wie in den fast drei Jahrzehnten relativen Friedens und Wohlstands der NICE-Ära.
Der sich wandelnde Charakter der Globalisierung und die Gefahr einer Deglobalisierung scheinen ein wichtiges Element der sich verändernden wirtschaftlichen Realität zu sein.
Die nächste Periode könnte nicht so NICE sein
Die problematische Erholung der Wirtschaft nach den anfänglichen Lockdowns während der Covid-19-Pandemie in den Jahren 2020/21 gab uns erste Hinweise auf mögliche Veränderungen in der wirtschaftlichen Ordnung.
Die Bilder von Containerschiffen, die in Asien nicht auslaufen konnten – einige mit lebenswichtiger PSA-Ausrüstung für den Kampf gegen Covid-19 im Westen an Bord – waren ein Vorgeschmack auf mögliche Entwicklungen.
Sie verdeutlichten, was geschehen könnte, wenn das globalisierte Modell der erweiterten Lieferketten – und damit die bestehende Weltwirtschaftsordnung – ernsthaft bedroht würde.
Die darauffolgende Phase mit einer deutlichen Inflation bei Güterpreisen stand in krassem Gegensatz zu den drei Jahrzehnten zuvor, in denen die Globalisierung maßgeblich zu einem langfristigen Rückgang der Güterpreise beigetragen hatte.
Zunächst glaubten die Zentralbanker, dass die Inflation von selbst zurückgehen würde. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Welt in einen Zustand dauerhafterer Angebotsknappheit und häufigerer Preissteigerungen eingetreten war. Es hatte sich eine neue wirtschaftliche Realität herausgebildet.
Während die „Dividende“ der Globalisierung schon vor einiger Zeit zu schwinden begann, stellen die geopolitischen Spannungen – zuletzt nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine – eine Herausforderung für multinationale Unternehmen dar, die auf globale Wertschöpfungsketten angewiesen sind.
Es scheint, dass die in der NICE-Ära erzielte Dividende nicht mehr in gleichem Maße aufrechterhalten werden kann.
David Rees, Senior Emerging Markets Economist, erklärt:
„Die neue Weltordnung wird negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Der Umbau der globalen Wertschöpfungsketten, die Energiewende und zusätzliche Militärausgaben werden viel Geld kosten. Gleichzeitig werden weniger effiziente Lieferketten die Kosten in die Höhe treiben.“
Wachsende Gefahr der wirtschaftlichen Entkopplung
Seit dem Krieg in der Ukraine erleben wir, dass Länder, die sich früher eher auf die Seite der USA als auf die von Chinas geschlagen hätten, eine neutralere Haltung zu geopolitischen Ereignissen einnehmen. Diese Entwicklungen haben das Risiko einer Entkopplung der beiden größten Volkswirtschaften der Welt erhöht.
In einigen Fällen veranlassen sie westliche multinationale Unternehmen dazu, ein Reshoring oder Nearshoring ihrer Produktion im Ausland in Erwägung zu ziehen und ihre Investitionen in „befreundete“ Länder mit geringerem Risiko umzulenken, das so genannte Friendshoring.
Diese Entwicklungen stellen eine zusätzliche Herausforderung für die globale Wirtschaftsordnung dar, die bereits durch den Brexit, die Handelskriege der Trump-Präsidentschaft (die von Präsident Biden noch verschärft wurden) und die Pandemie auf eine harte Probe gestellt wurde.
Letztendlich werden diese Trends wahrscheinlich zu steigender Inflation führen, da die Sorge um die Widerstandsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Lieferketten nun ebenso wie wirtschaftliche Effizienz die zukünftige Entscheidungsfindung in dieser neuen wirtschaftlichen Realität prägen wird.
Für eine Erläuterung der hervorgehobenen Wörter siehe: Der „3D Reset“: die Wirtschaftsbegriffe, die Sie kennen müssen.
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