Warum Dividendenkürzer trotzdem attraktive Investments sein können

Es mag widersprüchlich erscheinen, doch Unternehmen, die ihre Dividenden gekürzt haben, können gute Quellen für künftige Erträge darstellen.

08.03.2018
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Authors

Emma Stevenson
Investment-Redakteurin

Ein wichtiger Aspekt beim ertragsorientierten Investieren ist der Erhalt von Dividenden. Eine Dividende ist jener Anteil am Gewinn eines Unternehmens, der an die Aktionäre weitergegeben wird.

Die Ausschüttung von Dividenden bietet einen Anreiz dafür, Anteile an stabilen Unternehmen zu halten. Häufig profitieren die Unternehmen, die attraktive Dividenden ausschütten, nicht mehr von der Reinvestition ihrer Gewinne, wohingegen Unternehmen mit erheblichen Wachstumschancen dazu neigen, ihre Gewinne zugunsten ihrer Geschäftsentwicklung einzusetzen.

Die Anziehungskraft für ertragsorientierte Anleger ist leicht nachzuvollziehen: Die Dividendenausschüttung entspricht einer konstanten Kapitalrendite. Aber was passiert, wenn ein Unternehmen sich dazu gezwungen sieht, seine Dividende zu senken?

Warum kürzen Unternehmen ihre Dividenden?

Dividenden können aus verschiedenen Gründen gekürzt werden. In einigen Fällen erkennt ein Unternehmen möglicherweise eine Gelegenheit zur Reinvestition in das Unternehmen – gegebenenfalls durch eine Übernahme –, die es der Ausschüttung einer Dividende vorzieht.

Ein häufigerer Grund sind sinkende Gewinne. In diesem Fall können Unternehmen ihre Dividenden möglicherweise für eine Weile aufrechterhalten. Wenn jedoch die Gewinne weiter rückläufig sind, ist ihre Fähigkeit, diese Dividenden auszuschütten, letzten Endes eingeschränkt.

Unternehmen können beschließen, ihre Ausschüttungsquote (d. h. den Anteil am Gewinn, der in Form von Dividenden ausgeschüttet wird) zu reduzieren oder die Dividende in Aktien statt in bar auszuschütten (als „Scrip Dividend“ oder Aktiendividende bezeichnet). So führte beispielsweise Royal Dutch Shell nach dem Einbruch des Ölpreises im Jahr 2014 eine Aktiendividende ein, um die Mittelabflüsse zu reduzieren, und ging erst im November 2017 wieder zu einer Bardividende über.

Im schlimmsten Fall können Unternehmen die Dividendenausschüttung vollständig aussetzen.

Warum könnte dies eine positive Nachricht sein?

Oberflächlich betrachtet ist eine Dividendenkürzung ganz und gar keine positive Nachricht für die Aktionäre eines Unternehmens, und der Kurs der Aktie des Unternehmens wird in der Regel fallen, wenn eine Kürzung der Dividende angekündigt wird.

Allerdings kann eine Dividendenkürzung sehr sinnvoll sein. Der Versuch, Dividendenzahlungen auf einem untragbar hohen Niveau aufrechtzuerhalten, kann auf lange Sicht wesentlich schlimmere Folgen für das Unternehmen (und dessen Aktionäre) haben als eine zeitweilige Aussetzung oder Kürzung der Dividende.

In der Tat können mit Blick auf die Zukunft ernsthafte Probleme entstehen, wenn ein Unternehmen Kredite aufnehmen muss, um die Dividende weiter ausschütten zu können.

Eine Kürzung der Dividende zählt häufig zu den ersten Schritten, die ein Unternehmen ergreifen kann, um zu versuchen, seine finanzielle Stabilität wiederherzustellen.

Die Unternehmensführung muss schwierige Entscheidungen treffen

Die Entscheidung über eine Dividendenkürzung kann schlicht und einfach davon abhängen, ob die Unternehmensführung den Schwerpunkt auf die langfristige Lage des Unternehmens oder auf die kurzfristigen Auswirkungen auf den Aktienkurs legt.

Für langfristig orientierte Anleger ist es vorteilhafter, wenn ein Unternehmen seine Dividende senkt, um seine Bilanz zu schützen oder in das Unternehmen zu investieren, anstatt um jeden Preis eine unhaltbare Dividende auszuschütten.

Dividendenkürzer können Wertschöpfungspotenzial bieten

Kurzfristig orientierte Anleger, die lediglich auf der Suche nach den höchsten Dividenden sind, veräußern häufig ihre Anteile, sobald ein Unternehmen seine Dividende kürzt. Dies kann eine Gelegenheit für langfristige, wertorientierte Anleger eröffnen, Aktien zu einem Preis zu erwerben, der ihnen attraktiv erscheint.

Dann schafft die Unternehmensführung – zumindest theoretisch – eine tragfähigere Basis für das Unternehmen, die Dividendenzahlungen laufen wieder an, und der Aktienkurs erholt sich. Ein solches Szenario kann eine Chance für Anleger darstellen, sowohl an einer zunehmenden Dividende als auch an einem steigenden Aktienkurs teilzuhaben.

Selbst wenn man bereits in einem Unternehmen investiert ist, das seine Dividende gekürzt hat, kann es sinnvoll sein, die Anteile weiterhin zu halten, sofern die Dividendenkürzung im besten langfristigen Interesse des Unternehmens ist.

Die Abbildung unten zeigt, wie die Aktienkurse unter Druck geraten, wenn die Annahme herrscht, dass die Dividende eines Unternehmens in Gefahr ist. Sie zeigt jedoch auch, dass sich die Aktienkurse häufig rasch wieder erholen, nachdem die Kürzung vorgenommen wurde.

Dividendenkürzungen – Risiko und Chance zugleich

Dividendenkuerzungen

Quelle: Morgan Stanley, MSCI UK Index; Daten für einen Zeitraum von 10 Jahren bis März 2016.

Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis für die Wertentwicklung in der Zukunft und lässt sich möglicherweise nicht wiederholen.

Simon Adler, Fondsmanager für wertorientierte Aktieninvestments, äußert sich hierzu wie folgt:

„Wir würden einem Unternehmen nie vorschreiben, wie seine Dividende auszufallen hat.

Stattdessen bevorzugen wir es, den Geschäftsleitungen von Unternehmen, in die wir investieren, den Freiraum und das Vertrauen zu geben, ihre Dividende zu kürzen, wenn sie den Eindruck haben, dass sie nicht tragbar ist oder das Geld an anderer Stelle besser eingesetzt werden kann.

Es ist wesentlich besser, wenn ein Unternehmen diesem Ansatz folgt, statt seine Bilanz überzustrapazieren, um eine Dividende auszuschütten, die es sich nicht leisten kann.

Dies ist übrigens eine Situation, in der sich viele der dividendenstarken sogenannten „Bond Proxies“ mit zunehmend hoher Wahrscheinlichkeit wiederfinden. Viele sind derzeit von Angst erfüllt, was enttäuschte Anleger für ihre Aktienkurse bedeuten könnten, wenn sie ihre Dividenden kürzen.“

 

Der Wert der Anlagen und der damit erzielten Erträge kann sowohl steigen als auch fallen. Anleger erhalten den ursprünglich investierten Betrag unter Umständen nicht zurück. 

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