Wir befinden uns nach wie vor in einem Bullenmarkt … für Selbstgefälligkeit

An den selbstgefälligen und teuren Anleihemärkten von heute ist ein aktiver und flexibler Ansatz erforderlich. Wir analysieren die Risiken und Chancen.

30.10.2017
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Authors

Philippe Lespinard
Co-Head of Fixed Income

Selbstgefällige Märkte

Wenn die Märkte nicht einmal auf Raketen reagieren, die über Japan abgefeuert werden, dann zeigt dies, dass wir uns nach wie vor in einem Bullenmarkt für Selbstgefälligkeit befinden. Abgesehen von ein paar wertorientierten Bereichen sind sie teuer – insbesondere im Anleihebereich. Wir sind der Meinung, dass es unbedingt vermieden werden muss, den Index zu kaufen. Es gab enorme Mittelzuflüsse in passive Fixed-Income-Strategien. Allerdings unterscheiden diese Strategien nicht zwischen den tatsächlichen Vermögenswerten, in die sie anlegen. Vielmehr kaufen sie den gesamten Markt. Es ist wichtig, bei den Managern anzulegen, die die Analyse auch wirklich vornehmen, die bereit sind, dort eine Auswahl zu treffen, wo es einen Wert gibt, und die andere Bereiche des Marktes meiden. 

Teure Märkte erfordern flexible Mandate

Wenngleich die Bewertungen an den Anleihemärkten hoch sind, sehen wir nach wir vor werthaltige Bereiche. Es ist von entscheidender Bedeutung, flexibel und agil zu sein sowie Kapital bewegen zu können – und nicht an eine spezielle Anlageklasse gebunden zu sein. Im Bereich der Unternehmensanleihen konzentrierten wir uns auf sogenannte Erweiterungsstrategien, die ein Engagement im Markt liefern, aber ebenfalls selektiv sind, wo sie das Risiko eingehen.

Chancen in Schwellenländern 

In Schwellenländern, besonders im asiatischen Anleihesegment, schätzen wir lokale Wertpapiere. Außerdem gibt es dort sehr viele Chancen. Die Risikoprämien (d. h. die wahrgenommenen Risiken) sind zurückgegangen, die Inflation hat nachgelassen und die Währungen sind stärker geworden. Die Anlagetätigkeit war aufgrund der Sorgen hinsichtlich der chinesischen Wirtschaft sehr verhalten. Wir haben im Team ausführlich über China gesprochen. Wenngleich wir bestätigen, dass durchaus Herausforderungen bestehen, sind wir letztendlich recht zuversichtlich, dass das Wirtschaftswachstum Chinas nachhaltig ist. Wir bevorzugen deshalb die asiatische Region im Allgemeinen, da – zum Teil wegen China – viele Wertpapiere mit einer erheblichen Prämie verbunden waren.

Das weltweite Wirtschaftswachstum legt zu, während die US-Wirtschaft stagniert

Eine der größten Überraschungen dieses Jahr war die Umkehr im Reflationshandel. Viele von uns haben dieses Jahr auf der Grundlage begonnen, dass Präsident Trump seine Wirtschaftsagenda erfüllen würde: ein Wirtschaftswachstum von 3 %, Protektionismus und Hunderte Milliarden US-Dollar für Infrastrukturprojekte. Nichts davon ist eingetreten. Die Schwäche des US-Dollar in diesem Jahr ist tatsächlich auch eine Folge dessen, dass die Märkte nicht mehr an die Reflationsgeschichte von Trump glauben.

Wer hätte hingegen gedacht, dass die Eurozone so zulegen würde, dass sie letztes Jahr in Bezug auf das reale Wirtschaftswachstum plötzlich leicht vor den USA lag. Diese Erholung breitet sich nun aus, und selbst Italien, der Nachzügler der Region, erlebt ein beschleunigtes Wachstum.

Ein enormer Kapitalbetrag ist von der Eurozone in die USA geflossen. Gemäß den Kapitalflüssen unserer Kunden ist dieser Betrag größtenteils in US-Dollar geflossen, und wir gehen nun davon aus, dass ein gewisser Teil dieses Kapitals wieder nach Europa zurückkehrt. Dies wird voraussichtlich im Aktienmarkt der Fall sein, der zurückgelegen hat, aber auch in anderen Teilen des Marktes.

Der Brexit wird nicht zu einer europäischen Krise führen

Die Risiken, die vom Brexit ausgehen, werden unserer Meinung nach etwas übertrieben – auf globaler Ebene sicherlich, vielleicht aber auch auf europäischer Ebene. Von existenzieller Priorität für die Europäische Union ist die Integrität der Eurozone und des Binnenmarktes, und nicht der Brexit. Die wirtschaftlichen und politischen Verhandlungen dürften sich durchaus kompliziert gestalten, wobei die Risiken eines schlechten Ergebnisses für Großbritannien zunehmend steigen. Allerdings hat Großbritannien sehr starke Verbindungen zu seinen Verbündeten auf dem Kontinent, insbesondere im Militär und den Geheimdiensten. Diese geopolitischen Verbindungen werden wohl trotz der Wahrscheinlichkeit anhaltender politischer Phrasendrescherei aufrechterhalten.

Die Bank of Japan verhindert weltweite Straffung

Die Bank of Japan bestätigt weiter, dass es keinen Plan B für Japan gibt, nur einen Plan A. Dieser besteht darin, die Zinsen so lange bei 0 % zu belassen, bis die Inflation wieder anzieht. Wenn Anleihen fällig werden, legen in der Folge viele Anleger nicht wieder in japanischen Staatsanleihen an, sondern tätigen ihre Investitionen im Ausland und kaufen US-amerikanische oder sogar europäische Wertpapiere.

Deshalb gibt es einen hohen Liquiditätsbetrag, der Japan in Richtung anderer globaler Märkte verlässt. Wir denken, dass dies viele Bedenken hinsichtlich der Bilanznormalisierung der US-Notenbank Fed und der Erwartungen, dass die Europäische Zentralbank EZB ihre quantitative Lockerung 2018 schrittweise zurückfahren wird, zerstreuen dürfte.

Schwellenländer immer stabiler

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass die Schwellenländer Reformen umgesetzt haben, die im Wesentlichen struktureller Natur sind. Exportgetriebene Geschäftsmodelle werden derzeit angepasst, um weniger von globalen Handelsmustern abhängig zu sein. Somit sollten die Risikoprämien auf Schwellenländerwerte fallen.

Obwohl einige Schwellenländer eine gesunde Kapitalbilanz aufweisen und von Rating-Agenturen mit Investment Grade bewertet werden, haben sie nach wie vor eine Risikoprämie, da sie von politischer Instabilität betroffen waren oder weil die Institutionen schwächer sind. Mit einer zunehmend strafferen Staatsführung und einem besseren politischen Management werden auch die Risikoprämien weiter zurückgehen.

Speziell im Hinblick auf China gehen wir davon aus, dass das Finanzsystem des Landes weiter in Richtung offenere Kapitalmärkte reformiert wird.

 

Wichtige Hinweise: Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Philippe Lespinard und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis für die Wertentwicklung in der Zukunft und wiederholt sich möglicherweise nicht. Der Wert der Anlagen und der damit erzielten Erträge kann sowohl steigen als auch fallen. Zudem erhalten die Anleger den ursprünglich investierten Betrag nicht in jedem Fall in vollem Umfang zurück. Wechselkursschwankungen können dazu führen, dass der Wert von Anlagen im Ausland steigt oder fällt. Schwellenländer bergen in der Regel ein größeres politisches, rechtliches, operatives und gegenparteiliches Risiko.

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