Im Fokus - Global Investor Study

Anleger erwarten Renditen von 10,7 % – und Millennials noch deutlich mehr

Anleger weltweit sind sehr optimistisch, was die Renditen der nächsten Jahre betrifft, wie die Global Investor Study 2019 von Schroders zeigt.

01.07.2019

David Brett

David Brett

Redakteur

Laut einer umfassenden neuen globalen Studie rechnen Anleger in den nächsten fünf Jahren mit jährlichen Gesamtrenditen von 10,7 %.
 
Regional gesehen liegen die Erwartungen mit 12,4 % in Nord- und Südamerika am höchsten. In Asien erwarten die Anleger Renditen von 11,5 %. In Europa ist die Zahl mit 9,0 % am niedrigsten.
 
Die Renditen umfassen sowohl Wertsteigerungen als auch etwaige Erträge in Form von Dividenden und Zinseinkünften, die mit verschiedenen Anlagen wie Barmitteln, Anleihen, Immobilienfonds und Aktien erzielt werden.
 
Dies ergibt die Schroders Global Investor Study (GIS) 2019, in der die Ansichten von über 25.000 Anlegern aus 32 verschiedenen Ländern erfasst wurden. Die Erwartungen fallen gegenüber der Studie 2018, in der die Anleger jährliche Renditen von 9,9 % prognostizierten, höher aus.
 
Die Erwartungen der Anleger erscheinen optimistisch. In den vergangenen fünf Jahren beispielsweise rentierten Aktien weltweit gemessen am MSCI World Index 6,7 % pro Jahr. Die längerfristig angelegte Barclays Equity-Gilt Study zeigt, dass Aktienmärkte über 100 Jahre rund 5 % pro Jahr rentierten. Die historische Wertentwicklung an den Märkten gibt keinen Anhaltspunkt für künftige Renditen.
 
Auf Länderebene erwarten die Anleger in Argentinien im Durchschnitt die höchsten jährlichen Renditen (15,8 %). Aber auch in anderen Schwellenländern waren die Erwartungen hoch: In Indonesien (15,5 %), Brasilien (14,9 %) Thailand (15,0 %) und Indien (14,3 %) gehen die Anleger zwischen heute und 2024 von durchschnittlichen jährlichen Renditen von über 14 % aus.
 
Die Antworten von US-Anlegern spiegeln eine zunehmend optimistische Einstellung wider. Sie rechnen in den nächsten fünf Jahren mit jährlichen Renditen von 10,3 %. In der Studie vom Vorjahr lag dieser Wert noch bei 8,5 %.
 
In Europa sind die Erwartungen in Russland mit 12,5 % am höchsten. Generell sind die Erwartungen in Europa (9,0 %) aber weitaus niedriger. Die niedrigste Renditeerwartung findet sich in Belgien mit 6,5 %.
 
Eine vollständige Liste von Ländern und den dort erwarteten durchschnittlichen Anlagerenditen pro Jahr für die nächsten fünf Jahre finden Sie weiter unten. Außerdem wird die historische Wertentwicklung der Aktienmärkte in jedem Land angezeigt.
 
Die Renditeerwartungen von Anlegern sind höher als die Aktienmarktrenditen in nahezu allen Ländern in den vergangenen fünf Jahren.
 
Nur in Russland, Dänemark und den Niederlanden sind die Erwartungen niedriger als die tatsächliche Wertentwicklung der vergangenen Jahre.
 

Durchschnittliche erwartete Fünf-Jahres-Renditen pro Jahr gegenüber tatsächlichen durchschnittlichen Fünf-Jahres-Renditen pro Jahr im MSCI Index

Land Von den Anlegern erwartete jährliche Renditen in den nächsten fünf Jahren Tatsächliche an den Aktienmärkten erzielte jährliche Renditen zwischen 2014 und 2019 (in %)
Argentinien 15,8 0,9
Indonesien 15,5 5,7
Thailand 15.0 7,1
Brasilien 14,9 12,8
Indien 14,3 9,6
VAE 13,8 -7,1
Südafrika 13,8 4,6
Mexiko 13,4 1,7
Russland 12,5 15,8
China 11,7 7.0
Chile 11,6 2,6
Australien 10,9 7,7
Polen 10,7 0,2
Taiwan 10,7 7,0
Schweden 10,5 7,5
Portugal 10,4 -1,2
USA 10,3 10,3
Südkorea 9,8 3.0
Singapur 9,7 3,2
Schweiz 9,6 6,2
Hongkong 9,6 8.0
Großbritannien 9,3 5.0
Spanien 9,2 0,8
Frankreich 9,1 7,3
Niederlande 9.0 11.0
Kanada 8,9 5,6
Dänemark 8,3 8,6
Italien 8,1 1,7
Japan 8.0 7,1
Österreich 8.0 5.0
Deutschland 6,8 4,1
Belgien 6,5 4,8

Quelle: Schroders Global Investor Study 2019. Alle Angaben in Prozent. Daten von Refinitiv zu den jährlichen Aktienmarktrenditen zwischen dem 27. Mai 2014 und dem 27. Mai 2019 (Stand: 28. Mai 2019). Diese Informationen sind nicht als Beratung zu verstehen. Die hierin enthaltenen Angaben werden als verlässlich erachtet. Schroders übernimmt jedoch keine Gewähr für ihre Vollständigkeit oder Richtigkeit. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse.
 

Bedenklich hohe Ertragserwartungen


Die Anleger wurden auch zu ihren Erwartungen bezüglich der Erträge befragt. Die Ergebnisse sind teilweise überraschend.
 
Weltweit rechnen Anleger mit Erträgen von durchschnittlich 10,3 % in den kommenden 12 Monaten. Diese Zahl liegt nur leicht unter den durchschnittlichen Renditeerwartungen.

Auf Länderebene liegt die Zahl in Indien mit 15,1 % am höchsten und in Japan mit 5,8 % am niedrigsten.
In Russland (11,4 %), Indonesien (13,5 %) und Brasilien (13,0 %) fallen die Erwartungen für ihren jeweiligen Kontinent besonders hoch aus.

Nach Altersgruppen haben Millennials die höchsten Ertragserwartungen (11,7 %), während die „ältere Generation“ (Menschen, die zwischen 1925 und 1945 geboren wurden) mit 6,2 % die niedrigsten Erwartungen hatten.

  Global Nord- und Südamerika Asien Europa
Durchschnittliche Ertragserwartungen 10,3 10,8 10,4 9,6

Quelle: Schroders Global Investor Study 2019. Alle Angaben in Prozent.

  Millennials (18–37 Jahre) Generation X (38–50 Jahre) Babyboomer (51–70 Jahre) Stille Generation (+71 Jahre)
Erwünschte Erträge 11,8 10,8 8,4 6,9
Ertragserwartungen für die nächsten 12 Monate 11,7 10,2 7,5 6,2

Quelle: Schroders Global Investor Study 2019. Alle Angaben in Prozent.


Rupert Rucker, Leiter Income Solutions bei Schroders, meint hierzu: „Die Ergebnisse sind überraschend. Die Anleger haben nicht nur außergewöhnlich hohe Erwartungen, was die Gesamtrenditen betrifft, sondern glauben auch, dass sie Erträge erzielen können, die fast dem Niveau der Gesamtrenditen entsprechen.
 
Hierzu ist Folgendes anzumerken: In Ländern wie Indien und Argentinien, wo die inländischen Zinssätze deutlich über dem weltweiten Durchschnitt liegen, ist es nicht überraschend, dass die Renditen dort zu den höchsten der Welt zählen.
 
Auffällig ist auch der Unterschied zwischen den Generationen. Es sieht danach aus, dass weniger erfahrene Anleger – also diejenigen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren – wesentlich optimistischer sind als beispielsweise die erfahreneren Babyboomer.
 
Doch selbst die Ertragserwartungen der Babyboomer von 7,5 % für die nächsten 12 Monaten sind überzogen. Das Problem ist, dass zu viele Anleger sich an die hohen Erträge der vergangenen Jahrzehnte gewöhnt haben – wir uns inzwischen aber in einem dauerhaften Niedrigzinsumfeld befinden.
 
Tatsache ist, dass die langfristigen Renditen auf den Aktienmärkten höher sind als die Zinsen auf Bankeinlagen und Staatsanleihen. Wir glauben, dass diese Bedingungen auf absehbare Zeit anhalten werden.“
 
„Anlageexperten“ erwarten sogar noch höhere Gesamtrenditen
 
Anleger, die sich als „fortgeschritten” oder „Experte“ beschreiben, erwarten sich in den kommenden fünf Jahren Gesamtrenditen von jährlich 12,2 %.
 
Anleger, die sich als Anfänger/Anleger mit rudimentären Kenntnissen beschreiben, rechnen mit bescheideneren 8,2 %.
 

  Wissensniveau
Erwartungen der Anleger bezüglich der jährlichen Gesamtrenditen Alle Anfänger/rudimentäre Kenntnisse Fortgeschrittene Anfänger Experten/Fortgeschrittene
Global 10,7 8,2 10,1 12,2
Europa 9.0 6,7 8,1 10,4
Asien 11,5 8,5 11,2 13,9
Nord- und Südamerika 12,4 9,7 11,9 13,9

Quelle: Schroders Global Investor Study 2019. Alle Angaben in Prozent.


Wie das Alter die Erwartungen beeinflusst

Jüngere Generationen haben höhere Erwartungen an ihre Anlagen als ältere Generationen.
 
Millennials glauben, dass sie in den nächsten fünf Jahren mit einer jährlichen Rendite von 11,5 % rechnen können. Dies liegt leicht über den 11,0 % der Vorjahresstudie. Die Erwartungen nehmen mit jeder Generation ab. Mitglieder der Generation X (38 bis 50 Jahre) erwarten 10,8 %; die Babyboomer-Generation (51 bis 70 Jahre) geht von 9,0 % aus und Anleger ab 71 Jahren rechnen mit jährlichen Renditen von 7,8 %.
 
 
Claire Walsh, Personal Finance Director bei Schroders, kommentiert: „Die Studie zeigt, dass jüngere Menschen von ihren Anlagen höhere Renditen erwarten. Dies hat zum Teil mit ihrem Anlagehorizont zu tun. Theoretisch haben sie mehr Zeit und könnten größere Risiken eingehen, da sie Zeit haben, um eventuelle Verluste wiederaufzufangen. Allerdings vermute ich eher, dass die geringere Anlagerfahrung von jüngeren Menschen der Grund hierfür ist. Einige kennen vielleicht nur hohe Aktienmarktrenditen, was sich auf ihre Antworten auswirkt.
 
Ältere Generationen haben generell eine niedrigere Risikobereitschaft und sind eher daran interessiert, ihre Anlagen für den Ruhestand zu schützen. Weniger Risiken bedeuten in der Regel auch niedrigere Renditen.
 
Es ist auch interessant, dass „Experten“ mit Renditen von 12 % rechnen, was deutlich über den Erwartungen von Anfängern liegt. Dies könnte ein Anzeichen für übertriebenes Selbstvertrauen sein sowie ein Hinweis darauf, wie gefährlich lückenhaftes Wissen sein kann.
 
Ob alt oder jung, Anfänger oder Experte: Die Renditeerwartungen sind besorgniserregend hoch. Vielen Anlegern könnte eine unangenehme Überraschung bevorstehen.“
 
 
Anmerkungen:
April 2019 beauftragte Schroders die Research Plus Ltd damit, eine unabhängige Online-Befragung von 25.743 Anlegern aus 32 verschiedenen Ländern weltweit durchzuführen. Zu diesen Ländern gehörten Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Japan, Kanada, die Niederlande, Österreich, Spanien und die USA. Für diese Studie wurden Personen befragt, die in den nächsten zwölf Monaten mindestens 10.000 Euro (oder den Gegenwert in einer anderen Währung) investieren wollen und in den vergangenen zehn Jahren Änderungen an ihren Investments vorgenommen haben. Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.