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Ausblick für 2021: Globale und thematische Aktien


Globale Aktien sind zwar keineswegs billig, jedoch angemessen bewertet. Angesichts des Ausmaßes der Pandemie haben sie sich im Jahr 2020 überraschend stark entwickelt, und wir glauben, dass sie auch im Jahr 2021 weiterhin gut laufen werden. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die Markterholung im Vergleich zu den letzten zwölf Monaten auf ein breiteres Spektrum von Sektoren ausweiten wird.

Technologiewerte – keine Anzeichen einer Blase

Die Marktrallye im Jahr 2020 wurde von einer relativ engen Palette von Technologietiteln angeführt, insbesondere Amazon, Apple, Microsoft, Facebook und Alphabet (manchmal auch FAMAGs genannt). Dies war in erster Linie auf die berechtigte Auffassung zurückzuführen, dass diese Unternehmen in ihren jeweiligen Bereichen dominant sind, ein hohes langfristiges Umsatz- und Gewinnwachstum aufweisen und während des Lockdown von erzwungenen Änderungen der Arbeits-, Sozial- und Einkaufspraktiken profitiert haben. Tatsächlich waren diese Unternehmen die sogenannten „Lockdown-Führer” (siehe Grafik unten).

Die Mega-Cap-Technologieunternehmen machen mittlerweile ein Viertel der gesamten S&P 500-Marktkapitalisierung aus. Dieser Konzentrationsgrad hat zwangsläufig zu Vergleichen mit der „Internetblase" von 1999 geführt. Wir glauben jedoch, dass diese Sichtweise falsch ist. Erstens wurde die Tech-Blase im Jahr 1999 durch den Überschwang der Anleger in Bezug auf alles, was mit Technologie zu tun hat, angetrieben, unabhängig vom Gewinn oder sogar dem Umsatz. Dagegen haben der Technologiesektor im Jahr 2020 und insbesondere die größten Unternehmen ein außergewöhnliches Umsatz- und Gewinnwachstum erzielt, von dem wir glauben, dass es sich bis 2021 und darüber hinaus fortsetzen wird.

Zweitens ist im Rückblick auf die Geschichte der derzeitige Konzentrationsgrad am Aktienmarkt nicht ungewöhnlich. In den 1960er und 70er Jahren wurde der S&P 500 von einer ähnlich kleinen Anzahl sehr großer Unternehmen wie AT&T, Exxon, GE und GM dominiert.

Covid-19 hat die Verbreitung neuer Technologien, wie E-Commerce und Remote Working, deutlich beschleunigt. Diese Veränderungen im Unternehmens- und Verbraucherverhalten werden sich wahrscheinlich auch nach der Pandemie fortsetzen. Unternehmen haben bereits ihre Arbeitspraktiken geändert und laufende Änderungen „beschleunigt" – wie etwa den Übergang zur Cloud oder die rasche Einführung der Automatisierung – und werden diese Pläne wahrscheinlich noch weiter beschleunigen, wenn sich die Vorteile zeigen. E-Commerce hat sich während der Pandemie in einer Vielzahl von Bereichen bewährt. In vielen Teilen der Welt ist die Durchdringung von E-Commerce noch relativ gering, was wiederum Potenzial für ein kontinuierliches und substanzielles Wachstum bietet.

Kurz gesagt war die „Technologische Transformation” bereits lange vor der Pandemie im Gange und wurde durch Covid-19 einfach nur beschleunigt.

Technologiewerte werden auch in den kommenden Jahren weiterhin ein fruchtbares Jagdrevier für Investoren darstellen. Das größte Risiko für den Sektor dürfte eher durch Regulierung (siehe unten) als durch eine rasche Abnahme der zugrunde liegenden Wachstumsrate entstehen.

Die Markterholung wird sich ausweiten

Im Jahr 2020 strömten die Anleger angesichts der globalen Ungewissheit in sichere Werte, wobei Wachstum und Defensivität (wie bei den Technologienamen) ein wesentlicher Bestandteil der Gleichung waren. Die Ankündigungen im November, dass mehrere wirksame Covid-19-Impfstoffe entwickelt worden sind, gaben den Anlegern jedoch einen Anreiz, über eine „Normalisierung" und wirtschaftliche Erholung in den Jahren 2021 und 2022 nachzudenken. Die folgende Grafik zeigt die Renditen der globalen Aktienmärkte in den elf Monaten bis zum 30. November.

Die Anleger haben begonnen, das Potenzial für ein Umsatz- und Gewinnwachstum in vielen Branchen zu untersuchen, die während der Pandemie aus ihrer Gunst gefallen waren. Zu diesen Branchen gehören vor allem diejenigen, die praktisch zum Erliegen gekommen waren, wie Hotels, Restaurants, Freizeitbetriebe und Reiseunternehmen. Es erscheint durchaus plausibel, dass viele dieser Unternehmen im Zuge einer Erholung einen starken Aufschwung erleben werden.

Darüber hinaus sind die Erwartungen in zyklischen Sektoren wie Energie, Grundstoffe oder Industrie, gering, und diese Bereiche verdienen Aufmerksamkeit. Es ist klar, dass es große strukturelle Herausforderungen gibt (wie die Energiewende), die auch in Zukunft viele Unternehmen in diesen Branchen erheblich treffen werden.

Wir glauben jedoch, dass sich einige Unternehmen weiter anpassen und gut entwickeln werden, und dass eine anhaltende Belebung der weltweiten Nachfrage im Jahr 2021 zu einem deutlichen Umsatz- und Gewinnwachstum führen wird.

Dies wird aus unserer Sicht sicherlich in vielen Teilen des Industriesektors der Fall sein, da die operative Hebelwirkung (die Empfindlichkeit der Rentabilität gegenüber einer Umsatzverbesserung bei einem bestimmten Fixkostenniveau) in vielen Fällen auf der ganzen Welt erheblich sein wird.

Wir erwarten für 2021 deutlich breiter verteilte Kursanstiege am Markt. Technologietitel können sich weiterhin gut entwickeln, doch manche weniger beliebte Sektoren könnten eventuell noch besser laufen. Unserer Meinung nach ist es nicht so einfach, die billigen Sektoren zu kaufen und die teuren zu verkaufen, da, um das Orakel von Omaha zu zitieren, „Preis ist, was Sie zahlen, Wert ist, was Sie bekommen".

Nicht alle billigen Öl-, Rohstoff- oder Industrieunternehmen bieten einen guten Wert, ebenso wenig wie alle Banken oder Versicherungsunternehmen. Mit den weltwirtschaftlichen Wandlungen im Jahr 2021 wird es wahrscheinlich in jedem Sektor zu erheblichen Streuungen kommen. Daher bleibt die Aktienauswahl unserer Ansicht nach sehr wichtig.

Die Bewertungen globaler Aktien bleiben (relativ) attraktiv, insbesondere außerhalb der USA

Globale Aktien sind insgesamt angemessen bewertet, entsprechend dem langfristigen Durchschnitt ihrer Kennzahlen auf Forward-Basis. Die globale Dividendenrendite bleibt ebenfalls wesentlich über der Anleiherendite, was den relativen Vorteil von Aktien gegenüber Staatsanleihen unterstützt.

Wir glauben, dass sie als Anlageklasse im Jahr 2021 weiterhin gute Ergebnisse erzielen werden, wenn die Erholung verbreitet spürbar wird. Es ist jedoch anzumerken, dass die USA nach einer Phase massiver Outperformance gegenüber dem Rest der Welt (rund 8% auf Jahresbasis in den letzten 10 Jahren) jetzt mit einer Prämie zu ihrer langfristig normalisierten Gewinnbewertung gehandelt werden. Unterdessen wird der Rest der Welt mit einem erheblichen Abschlag gehandelt.

Prognose unserer Ökonomen für das Wachstum der Industrieländer

Quelle: Schroders Economics Group, Stand: Dezember 2020

Die europäischen und japanischen Gewinne dürften sich 2021 und möglicherweise auch 2022 am stärksten erholen. Die chinesische Wirtschaft regeneriert sich bereits und sorgt für eine starke Erholungsdynamik in ganz Asien. Die USA werden ein qualitativ hochwertiger defensiver Aktienmarkt mit der mit Abstand größten Tiefe und Liquidität aller globalen Märkte bleiben. Während die Flucht in die Sicherheit für einen Zustrom in Richtung USA gesorgt hat, glauben wir, dass sich dies im Zuge der Erholung teilweise umkehren könnte, und dass Kapital anderswo fließen wird.

Neuer Präsident, neue Agenda

Zum jetzigen Zeitpunkt ist klar, dass es einen demokratischen Präsidenten und ein demokratisches Repräsentantenhaus geben wird. Es ist erwähnenswert, dass die Aktienmarktrenditen während der Zeit demokratischer Regierungen entgegen der landläufigen Meinung in der Regel höher lagen als bei republikanischen Regierungen. Es steht jedoch außer Frage, dass sich die Agenda der Demokraten deutlich von der der vorherigen Regierung unterscheiden wird.

Unter Joe Biden erwarten wir eine Verschiebung hin zu liberalen Werten: Mehr Gleichheit, höhere Mindestlöhne, verbesserte soziale Unterstützung (insbesondere Krankenversicherung) und angemessene Umweltkontrollen. Einige dieser politischen Initiativen könnten, falls sie umgesetzt werden, die Aussichten für Teile der US-Wirtschaft erheblich beeinflussen. Beispielsweise könnten strengere Preiskontrollen für Arzneimittel den US-Gesundheitssektor wesentlich beeinträchtigen, während sich die Einführung eines obligatorischen Mindestlohns von 15 US-Dollar auf alle Bereiche des Dienstleistungssektors negativ auswirken würde.

Die im Spätsommer angekündigte Untersuchung des Justizministeriums gegen Google zeigt, dass die kritische Prüfung der großen Internetunternehmen zunimmt. Die Demokraten werden diesen Prozess wahrscheinlich beschleunigen, sobald sie an der Macht sind. Das Versäumnis der Demokraten, die Kontrolle über den US-Senat zu erlangen, wird jedoch Bidens Fähigkeit einschränken, die Steuern zu erhöhen. Insbesondere seine geplante Anhebung des Körperschaftsteuersatzes auf 28 % würde die Gewinne der S&P-Unternehmen um 8 bis 12 % reduzieren. Andere politische Initiativen, wie die Gesundheitsreform, könnten ebenfalls Schwierigkeiten haben, den Senat zu passieren.

In außenpolitischer Hinsicht dürfte eine Biden-Regierung eine harte Haltung im Umgang mit China beibehalten, aber die Beziehungen zu Europa und Asien wiederherstellen. Im Allgemeinen würden wir erwarten, dass die politische Großwetterlage unter den Demokraten weniger konfrontativ, konstruktiver und letztendlich eher im Einklang mit den meisten wichtigen Handelspartnern ist.

Thematische Investitionen werden nach Covid noch relevanter sein

Unabhängig von der Schwere von Covid-19, des politischen Lärms und den Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Aufschwung, würden die meisten von uns in der Erkenntnis übereinstimmen, dass es gewisse unbestreitbare und wesentliche Trends gibt, die das Potenzial haben, die Art und Weise, wie wir in Zukunft leben, arbeiten, Kontakte knüpfen und interagieren, wesentlich zu beeinflussen.

Einige dieser Trends (oft als „Megatrends" bezeichnet) sind nicht neu: Klimawandel, Innovation im Gesundheitswesen, Urbanisierung, Automatisierung und Digitalisierung sind seit vielen Jahren relevante Themen.

Andere, wie Nachhaltigkeit, Lebensmittel & Wasserversorgung und veränderte Lebensstile entwickeln sich zu wichtigen und dringenden Bereichen des Wandels, die durch das Bevölkerungswachstum und den zunehmenden Konsum in Schwellenländern angetrieben werden.

Die gemeinsamen Nenner aller Megatrends sind zweifach. Erstens werden sie alle immer relevanter, da die Menschheit immer mehr Ressourcen der Erde verbraucht. Zweitens wird die Herausforderung dieser Trends durch die rasche Beschleunigung von Innovationen bewältigt, die einen technologischen Wandel in nahezu allen Sektoren und Branchengruppen vorantreiben.

Wir glauben, dass diese Innovationsdynamik eine starke Begründung für einen themenbasierten Anlageansatz liefert. Wenn wir mit den Themen richtig liegen und uns in unserem Ansatz zu ihrer Bewertung nicht irren, dann könnte ein Engagement in mindestens einem dieser Themen einem traditionelleren, indexbasierten Aktienportfolio sehr zugute kommen. Angesichts der Tatsache, dass viele der Themen unterschiedliche Sektoren und Branchen umfassen, besteht auch eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass eine entsprechende Allokation das allgemeine Risiko-/Ertragsprofil eines Portfolios im Laufe der Zeit verbessern kann.

Blick auf die neue grüne industrielle Revolution

Für die rasch zunehmende Bedeutung bestimmter Schlüsselthemen ist der globale Klimawandel ein typisches Beispiel. Um die Erderwärmung auf das 2-Grad-Limit zu begrenzen, das vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) als „sicher“ eingestuft wird, müssen die Ausgaben für die Verringerung von Treibhausgasen in den nächsten zehn Jahren jährlich um mindestens 2 Bio. US-Dollar erhöht werden. Diese Kosten sind von Regierungen, Verbrauchern und natürlich Unternehmen zu tragen.

Die Dynamik der grünen Politik nimmt jetzt rasch zu, angeführt von der Europäischen Union mit ehrgeizigen Zielen zur Emissionsreduzierung bis 2030, und dem Green Deal der EU, der mindestens ein Viertel des 750-Milliarden-Euro-Wiederherstellungspakets für Initiativen zur Kohlendioxidreduzierung bereitstellt. Die EU hat sich verpflichtet, bis 2050 eine kohlenstofffreie Wirtschaft zu werden, und China hat sich auch verpflichtet, dieses Ziel bis 2060 zu erreichen.

Die britische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, genügend Offshore-Wind zu erzeugen, um jedes Haus in Großbritannien mit Strom zu versorgen. Es wurde auch ein Verbot neuer Benzin- und Dieselautos und -Transporter ab 2030 angekündigt, fünf Jahre früher als die bisherigen Ziele.

Unter Biden ist es wahrscheinlich, dass die USA ihren jüngsten Kurs dramatisch ändern und einen Green Deal einleiten werden, der dem europäischen Modell ähnelt. Biden hat sich bereits verpflichtet, das Übereinkommen von Paris erneut zu unterzeichnen und bis 2050 das Null-Emissions-Ziel zu erreichen.

Die Wachstumschancen sind groß und werden aus unserer Sicht immer noch unterschätzt. Die Dynamik des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft beschleunigt sich jetzt rasant. Der wichtigste Treiber war die dramatische Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sauberer Energietechnologien bis zu dem Punkt, an dem für den Wettbewerb mit fossilen Brennstoffen nur noch geringe oder keine Subventionen erforderlich sind. Die Investitionen zur Verdrängung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und zur Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen nehmen jetzt rasch zu, und wir gehen davon aus, dass die nächsten fünf Jahre einen kritischen Wendepunkt in diesem Übergang bilden werden.

Wir sind weiterhin der Ansicht, dass der Automobilsektor auf einen sehr schnellen und grundlegenden Wandel eingestellt ist, mit einer beschleunigten Einführung von Elektrofahrzeugen, deren Verbreitung sich in zehn Jahren auf 50 % des weltweiten Neuwagenabsatzes und schließlich auf nahezu 100 % erhöhen wird.

Im weiteren Sinne bietet der Übergang zu einer grünen Wirtschaft enorme Chancen für Investoren, da die Investitionssteigerungen und die Akzeptanzraten positiv überraschen. Gleiches gilt für andere wichtige Trends, bei denen die Innovation zunimmt.

 


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.